Sie ist eine Reiseschriftstellerin der besonderen Art. Eine, die ihre Eindrücke und Betrachtungen, Reales und Fiktives, Gelesenes und Historisches zu einem vielschichtig verflochtenen Bildvokabular verdichtet. Es sind Orte, die sie bereist hat wie Südafrika 2008. Eine Reise, die sie in eine spezielle zeichnerische Welt des Kartierens führte, das sie nicht mehr losgelassen hat.

Diese Südafrika-Reise verbindet wie ein Wandbild mit Blei- und Farbstiften. Skizzierte Ereignisse, tagebuchartige Alltagsnotizen, persönliche Gedanken und Gefühle bebildern filigran und narrativ das Erlebte und Gesehene. Erinnerungen, das sind jene Wahrnehmungen, die bei Esther Ernst im zeichnerischen Prozess zu wundersamen Geschichten werden. Zum Beispiel über Orte, die Esther Ernst bereist oder besucht hat. Orte, in deren Geschichte sie eingetaucht ist und aus deren Bildern und Geschichten sie wieder aufgetaucht ist mit ihren nun ganz illustrativen Ereignissen.

«Anlandungen» heisst diese eine Serie, in der sich die 1977 in Basel geborene, nun zwischen Berlin und Solothurn pendelnde Künstlerin mit Inseln beschäftigt; sie neu kartiert. Kreta, Hiddensee, die Pfaueninsel bei Berlin, Zypern mit seiner Geschichte der Teilung, Tuvalu in der Südsee, das allmählich am Versinken ist.

Erinnerungsfragmente

Auf feinstem Reispapier, das in den zarten Farbnuancen wie ein textiler Bildträger wirkt, archiviert sie ihre poetisch anmutenden Erinnerungsfragmente, jene Emotionen und Reflexionen, die sich beim Lesen oder Bereisen einstellen. Sie dichtet hinzu, um das Geschehen zu vertiefen, realisiert das Wesentliche und assoziiert neue geografische Welten, deren Ursprung sie doch letztendlich treu bleibt. Dazu schichtet sie verschiedenste Stilelemente, feinst ziselierte Motive und Randnotizen, charakteristische Begebenheiten und wirkungsvoll farbige Momente zu collagiert wirkenden Reisebildgeschichten.

Seit vielen Jahren sind tägliches Zeichnen und Notieren von Ereignissen, Zeichen und Gedanken sowie das Sammeln und Ordnen von Alltäglichkeiten kontinuierliche Bestandteile ihrer künstlerischen Auseinandersetzung. Wobei das Zeichnen für sie von wesentlicher Unmittelbarkeit ist: Es kann nichts mehr retuschiert werden. Das Geschehen ist geschehen auf dem Papier, die zeichnerisch festgehaltenen Erinnerungen werden zu erinnerten Gefühlen, wenn sich die äussere und ihre innere Welt sinnbildhaft übereinander legen.

Wie zum Beispiel «Jena», eine Arbeit, der ein Faltstadtplan Jenas zugrunde liegt, wo Esther Ernst 2015 ein halbes Jahre lebte. Auch auf diesem Stadtplan schreitet Esther Ernst diese Stadt zeichnerisch nach, sichtet ihre Impressionen, notiert Gedankenfetzen, kleine örtliche Begebenheiten, erschafft die Stadt neu, um doch dem Vertrauten zu vertrauen.

Bis, wie in all diesen Arbeiten, reale Reisen und Fantasiereisen, Biografisches des Ortes und Biografisches der Künstlerin zueinander finden.

Bis 18. Dezember. Do + Fr 18–21 Uhr, Sa 15–18 Uhr, So 11–14 Uhr.