Spannung lag in der Mehrzweckhalle, als Gemeindepräsident Rainer Schmidlin die 99 anwesenden Stimmberechtigen von Kappel zur Gemeindeversammlung begrüsste. Es ging um die Zukunft des Kabelfernsehnetzes, das seit 1976 von der Einwohnergemeinde selber betrieben wird. Aufgrund der Ausgangslage (Details siehe Kasten) habe sich für den Gemeinderat die Frage gestellt, ob es «in der heutigen Zeit noch Kernaufgabe der Einwohnergemeinde ist, ein Kabelnetzwerk zu halten, es zu modernisieren und zu bewirtschaften», sagte Schmidlin.

Sechs Firmen waren zur Offertstellung eingeladen worden. Das beste Angebot kam von der GIB-Solutions AG aus Uitikon-Waldegg. «An der Informationsveranstaltung am 16. September war die Mehrheit der Meinung, dass der Betrieb eines Fernsehnetzes nicht zu Kernaufgaben einer Gemeinde gehört. Doch an wen das Netz verkauft werden sollte, war nicht klar.» Nur zwei Gemeinden, die zum Verbund der GGS gehören, betreiben ihr Kabelfernsehnetz noch selber: Kappel und Gunzgen.

Angebote von GGS bestätigt

Die Kappeler/-innen stellten bereits in der Debatte um das Eintreten auf das Geschäft viele Detailfragen und Gegenanträge. Nachdem Eintreten mit 91 Ja- und acht Nein-Stimmen beschlossen worden war, ging die Diskussion weiter. «Das GGS-Internet funktioniert super; mit GGS sind wir vertraut, wir wissen, wer dahinter steckt», fand Urs Leippert. «Der Jugend reicht es heute nicht, wenn das Netz schnell ist; ihr kommt es auf das Angebot an.»

Leippert bezeichnete die Zukunft bei der GIB-Solutions AG als fragwürdig. «Wer sagt uns, ob es GIB in ein paar Jahren noch gibt oder ob dann nicht ein anderer Anbieter mit günstigerem Angebot vorhanden ist.» Leippert stellte drei Anträge zur Auswahl: das Kabelfernsehnetz an die GGS Schwängimatt zu verkaufen zum gleichen Preis wie GIB-Solutions, das Netz an die Fernsehgenossenschaft Balsthal – die auch an die GGS angeschlossen ist – zu verkaufen für 650 Franken pro Abonnent sowie eine Urnenabstimmung.

Die anwesenden Martin Berger (Präsident GGS-Verwaltungsrat) und Roger Kälin (GGS-Geschäftsführer und Präsident Fernsehgenossenschaft Balsthal) bestätigten die beantragten beiden Angebote direkt an der Gemeindeversammlung.

Ruedi Schärli schlug vor, zuerst darüber abzustimmen, «ob wir das Netz überhaupt verkaufen wollen. Dann ist das Netz weg. Wir sollten erst schauen, ob wir nicht eine Genossenschaft bilden wollen.» Nach Angaben von Rainer Schmidlin haben die Gemeindeverantwortlichen «dies abgeklärt. Doch dazu braucht es Leute». Der Gemeinderat nahm von dieser Idee Abstand, da der Betrieb eines Kabelfernsehnetzes nicht die Aufgabe einer Gemeinde sei, so der Präsident.

Erst die drei Angebote vergleichen

Nach Auffassung einer Firmenvertreterin von Kappel «funktioniert es mit der GGS, bei GIB-Solutions weiss ich es nicht. Beim Wechsel wirds erst einmal einen Rückschritt geben. Das sind zusätzliche Unsicherheiten, die nicht abzuschätzen sind.» Nach diesem Votum meldete sich auch Hans-Rudolf Schärer zu Wort. Der Geschäftsführer der GIB-Solutions AG versicherte den Anwesenden, dass sie bei einem Wechsel von GGS zu GIB «bis zum letzten Tag ans Netz angeschlossen sind».

Auf Nachfrage aus der Versammlung informierte Schärrer darüber, dass zahlreiche Gemeinden aus der ganzen Schweiz zu den GIB-Kunden gehören, so unter anderem Aarburg. Und: Die Kappeler/-innen müssten kein (neues) Modem kaufen, Angaben wie beispielsweise die E-Mailadressen müssten nicht geändert werden. Gleiches gilt für die Hausinstallation.

Das Kabelfernsehnetz zu behalten sei «ein grosses finanzielles Risiko«, sagte alt FiKo-Präsident Karl Tobler. «Es besteht die Gefahr, dass Junge als Abonnenten abspringen. Wir müssten Marketing betreiben.» Gemeinderat Patrick Ritter wies in diesem Zusammenhang auf die herrschende Konkurrenz von Swisscom und Co. hin. «Deshalb müssen wir vom Netz trennen und es an einen Anbieter verkaufen, der wettbewerbsfähig ist».

Nach anderthalb Stunden voller Informationen und angeregter Diskussionen brachte der Gemeinderat den Antrag von Stefan Meyer zur Abstimmung: Die Versammlung sprach sich mit 83 Ja-, zwölf Nein-Stimmen sowie vier Enthaltungen für einen grundsätzlichen Verkauf des Kabelfernsehnetzes aus. Mit einzelnen Gegenstimmen beschloss sie danach, den Entscheid über den konkreten Käufer auf eine Folge-Versammlung zu vertagen.

Die drei Anbieter GGSNet Schwängimatt, Fernsehgenossenschaft Balsthal und GIB-Solutions können nun noch einmal über die Bücher gehen und ihr Angebot im Detail auflisten, damit die Gemeinde der Bevölkerung die entsprechenden Unterlagen zum Vergleichen abgeben kann.