«Warum springen diese jungen Burschen ganze Sonntagnachmittage einem runden Leder nach?» So fragten sich die Dorfbewohner von Kestenholz anno 1914. So lautet ein Zitat aus der Vereinsgeschichte des FC Kestenholz. Zwei junge Burschen machten das damals in ländlichen Gegenden eher unbekannte Spiel Fussball in der Gäuer Gemeinde Kestenholz bekannt.

Es waren Albert Ingold, der mit Fussball im Kollegium Schwyz Bekanntschaft machte, und Viktor Flury hatte das Glück, im Pensionat «Des Frères» in Neuchâtel das Fussballspiel kennen zu lernen. Ins Heimatdorf zurückgekehrt, begeisterten sie ihre Jugendkameraden mit der neuen Sportart.

Sieben zwischen 15 und 20 Jahren

So kam es am 31. Mai 1915, an einem Montag, im Restaurant Eintracht zur Gründung des Fussballclubs Kestenholz. Es waren sieben junge Männer, alle zwischen 15 und 20 Jahre alt oder vielmehr jung, die das Gründungsprotokoll unterschrieben. Als erster Präsident wurde Albert Ingold gewählt, Edmund Spiegel war erster Kassier und als Aktuar amtete Alois von Arx.

Zum Schmunzeln muten aus heutiger Sicht Auszüge aus den ersten Statuten an:
Wenn sich ein Mitglied dem Präsidenten widersetzt, Schimpfnamen austeilt oder zankt beim Spielen, den Ball eigenmächtig umhertreibt oder sonstwie Unfug treibt, hat es 10 Rappen Busse zu bezahlen.

Das Spiel beginnt sofort mit dem Pfiff des «Referier».

Wenn ein Spieler den Ball auf der Strasse umhertreibt, hat er 50 Rappen Busse zu bezahlen.

In der Pionierzeit fand noch kein geregelter Spielbetrieb statt. Spiele wurde jeweils mit dem Gegner vereinbart, damals noch mit sechs Akteuren. Das erste protokollierte Spiel fand am 2. April 1916 gegen Burschen aus Egerkingen statt und wurde daheim mit 0:4 Toren verloren. 

Bis 1918 der Beitritt zum Solothurnischen Fussballverband erfolgte, spielte der FC Kestenholz (FCK) öfters gegen den vier Jahre älteren FC Klus. Im Jahre 1919 wird der FCK erstmals im Jahrbuch des Schweizerischen Fussball- und Athletikverbandes erwähnt. Für kurze Zeit, von 1921 bis 1922, wurde eine Vereinigung Kestenholz-Oensingen eingegangen, doch aus Rivalitätsgründen bald wieder aufgelöst.

Einmal Kantonalmeister

Ab dem Jahre 1928 erwachte der FCK zu neuem Leben und nahm nun fortan an einem geregelten Spielbetrieb teil. Man bestritt die Kantonale Meisterschaft in der Serie C. Als schönster Erfolg in der bisherigen Vereinsgeschichte registriert wird der Titel eines Kantonalmeisters in der Serie C in der Saison 1935/36, der im Finalturnier gegen die Mannschaften von Bettlach, Luterbach und Trimbach errungen wurde.

Die Krisenjahre 1936 bis 1938 und der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 waren für den Verein, wie praktisch überall, schwere Zeiten. Erst recht, als man erstmals durch Verbandsentscheid in der 3. Liga spielte.

Der sportliche Aufstieg in die 3. Liga wurde, jetzt als Mitglied des inzwischen selbstständig gewordenen Solothurnischen Fussballverbandes, in einem denkwürdigen Aufstiegsspiel gegen den FC Deitingen im Jahre 1949 erreicht. Doch nur ein Jahr später musste der Abstieg in die 4. Liga hingenommen werden, in welcher die Kestenholzer bis zum Jahre 1961 verharren mussten. 

Sechsmal auf Platz zwei

Als 1961 der Wiederaufstieg in die 3. Liga gelang, glaubten wohl die grössten Optimisten nicht daran, dass der Gäuer Fussballclub nicht weniger als 29 Jahre lang ununterbrochen in dieser Liga verharren würde, ohne jemals mit dem Abstieg etwas zu tun zu haben. Ganz im Gegenteil, sechsmal erreichte man in dieser Zeitspanne den zweiten Tabellenrang.

Bislang war nur von der ersten Mannschaft die Rede. Weil sich der Fussballclub in der Gemeinde schon früh und, dies bis zum heutigen Tage, bestens etabliert hatte, standen bald einmal genügend Aktive zur Verfügung, um auch eine zweite Mannschaft stellen zu können.

Einen grossen Erfolg hatte das «Zwöi» am Ende der Saison 1976/77 als Gruppensieger in der 4. Liga und Aufstieg in die 3. Liga. Der FCK war nun mit zwei 3.-Liga-Mannschaften im Meisterschaftsbetrieb vertreten. Nicht unerwähnt bleiben soll der zweimalige Aufstieg in die 2. Liga, die höchste Regionalliga. 1991/92 leider nur für eine Saison und ab der Saison 1996/97 für fünf Jahre.

Probst, Grenchens Torhüter

«Dem Nachwuchs soll in Zukunft vermehrte Beachtung geschenkt werden», ist in einem Vereinsprotokoll vom 10. Juni 1949 zu lesen. Es folgten Taten. Bereits in der Saison 1949/50 konnte die erste Kestenholzer Juniorenmannschaft gemeldet werden. Auf die B-Mannschaft folgte bald eine C- und eine D-Mannschaft.

Heute sind es nicht weniger als acht Juniorenmannschaften, welche am regelmässigen Spielbetrieb teilnehmen. Einigen Talenten aus der Juniorenbewegung gelang der Sprung in höhere Ligen, allen voran dem heutigen Präsidenten Markus Probst. Er spielte seinerzeit in der höchsten Landesliga, der damaligen Nationalliga A, beim FC Grenchen als Torhüter.

Die Aktivitäten, die der Fussballclub Kestenholz in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, sind enorm. Nicht zuletzt deshalb verfügt der Verein heute über eine hervorragende Infrastruktur mit einem Klubhaus, das seinesgleichen sucht. Ohne die breite Abstützung in der Bevölkerung wäre es auch nicht möglich, ein so grosses Geburtstagfest auf die Beine zu stellen, wie es uns bevorsteht. Ein OK unter dem Vorsitz von Marcel Brutsche ist seit Monaten damit beschäftigt, dem Jubiläum einen würdigen Rahmen zu verleihen.

Heute, an der Schwelle zum zweiten Jahrhundert, steht der FC Kestenholz auf gesunden Beinen und zwar sportlich wie auch wirtschaftlich. Es ist überhaupt nicht daran zu zweifeln, dass weiterhin vorwiegend nur Positives zu vermelden sein wird, und wer weiss, vielleicht auch bald einmal gute Resultate aus der nächsthöheren, der 2. Liga. 

FC Kestenholz: Hinten, v.l.: Bozo Krizanovic (Co-Trainer und Spieler), Brigitte Bader (Masseurin), Thomas Haller, Michael Jeggli, Olivier Ferrat, Kevin Kissling, Livio Studer, Adrian Wiemann, Lukas Hauri, Tim Kissling, Dominic Frey, David Horath, Daniel Bloch, Ernst Frei (Trainer), Pascal Rudolf von Rohr (Sportchef). Vorne, v.l.: Selim Musliji, Yannick Boss, Manuel Bürgi, Marc Taschler, Valentin Hirt, Oliver Kaufmann, Kevin Brügger, Fabian von Arx, Alex Stalder.

FC Kestenholz: Hinten, v.l.: Bozo Krizanovic (Co-Trainer und Spieler), Brigitte Bader (Masseurin), Thomas Haller, Michael Jeggli, Olivier Ferrat, Kevin Kissling, Livio Studer, Adrian Wiemann, Lukas Hauri, Tim Kissling, Dominic Frey, David Horath, Daniel Bloch, Ernst Frei (Trainer), Pascal Rudolf von Rohr (Sportchef). Vorne, v.l.: Selim Musliji, Yannick Boss, Manuel Bürgi, Marc Taschler, Valentin Hirt, Oliver Kaufmann, Kevin Brügger, Fabian von Arx, Alex Stalder.