Am Freitagabend fand die Premiere des Freilichtspiels «Die Schmelzi» vor voll besetzter Zuschauertribüne auf authentischem, ehemaligen von Roll-Areal in der Klus statt. Lange wurde über dieses Theaterspektakel zum 1050-jährigen Bestehen von Balsthal spekuliert – jetzt ging die Aufführung der Dramatisch-Literarischen Gesellschaft DLG über die Bühne.

Das Spiel beginnt in der Jetzt-Zeit. Das Schmelzi-Areal soll versteigert werden – gespielt im Stück, wie auch in der Realität tatsächlich vor Kurzem geschehen. Der Konkursbeamte Iten (Beat Rudin) führt die Geschäftsfrau Lara Brunner (Sandra Chenaux) durchs Areal und erzählt ihr dabei die Geschichte von und über das Eisenwerk, oder eben «die Schmelzi», wie die Arbeiter diesen Ort nannten.

Gründung des Eisenwerks

Es wird geschildert, wie es zur Gründung des Eisenwerks durch Ludwig von Roll (Ruedi Baumgartner) und Joseph Lack (Gerhard Kirchhofer) gekommen ist. Die beiden ersten Direktoren reisen per Kutsche auf den Platz und beraten sich über ihr Geschäft, denn in den ersten Jahren nach 1818 lief es mehr schlecht als recht. Dennoch kam der Betrieb zum Laufen und war bald der grosse Arbeitgeber in der Region.

So auch für ein armes «Rucksack-Burli», Johannes Burkhard (Urs Schaffner) aus Schwarzhäusern. Seine Frau Klara (Judith Born) ist zwar gerade bei der Geburt ihres sechsten Kindes gestorben und er muss seinen Ältesten, Sohn Johannes (Alexander Gütinger), verdingen. Doch die Arbeit hält ihn am Leben – und an der Flasche, leider.

Sohn Johannes (als junger Mann Reto Schärmeli) bringt es weiter. Er arbeitet ebenfalls in der Schmelzi und lernt die Tochter des italienischen Gast-Arbeiters Antonio (Jörg Nyffeler) kennen. Es kommt zur Hochzeit von Alessia (Martina Stöckli) und Johannes. Die Schmelzi bringt also über Generationen Auskommen und soziale Sicherheit, aber auch Krankheit und Tod, Liebe, Freundschaft, Politik und den Zahltag.

Alle Aspekte des Arbeits-Lebens

All diese Aspekte hat Christoph Schwager in das Stück einfliessen lassen. Angekündigt durch die Rahmenhandlung aus der Jetzt-Zeit reiht er Episode um Episode aneinander. Oft sprüht derber Humor aus den Dialogen, und viel Sachwissen über die Arbeit in der Schmelzi ist zu erfahren.

Beachtenswert ist das gesamte Schauspielerensemble, in dem manche Akteure bis zu drei unterschiedlichste Rollen zu verkörpern haben. Alle hat Schwager sehr gut eingesetzt, Temperamente und physische Eigenschaften gut genutzt.

Neben der erwähnten Rahmenhandlung spielt auch die Musik von René Urben und seiner Band eine wichtige Rolle. Teils rockig-archaische Töne, teils balladesk, vielleicht gar mal an Pink Floyd erinnernd, passen sich Urbens Kompositionen den jeweiligen Stimmungsbildern gut an. Leider gab es an der Premiere noch ein paar Tonprobleme zwischen Musik und dem gesprochenen Wort. Das sollte aber zu beheben sein.

Einen sehr eindrücklichen Part nimmt im Stück das Bühnenbild (Anja Spiegel, Jürg Haefeli und Markus Rogg) ein. Der Platz, mitten in den ehemaligen von Roll-Gebäuden, hat seinen eigenen Charme. Dazu schaffen es die zehn Arbeiter-Akteure – auch wenn es nur angedeutet wird –, die harte, schweisstreibende Arbeit in der Schmelzi manchmal fast ballettartig zu demonstrieren.

Dabei helfen Rauch, sprühende Funken, Hammergeräusche und einmal gar eine Verpuffung – und Kareli (Ruedi Dutli) wischt unbeirrt die Bude sauber. Die anderen Schauplätze werden per drehbarer Kulisse passend gemacht und dazugestellt. Der grosse Applaus am Schluss bewies: Das Stück hat gefallen – auch die letzte Szene, in welcher zukünftige Visionen für die Nutzung des Areals angedeutet werden.

Aufführungen bis 8. September