Gäu/Olten
Das Grundwasser ist 30 Jahre statt 6 Jahre alt

Die Nitratwerte im Raum zwischen Oensingen und Olten liegen zum Teil deutlich über dem Qualitätsziel. Die Nitratkommission Gäu-Olten zeigt sich überrascht von den Ergebnissen einer Untersuchung.

Erwin von Arb
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Rainer Hug, Präsident der Nitratkommission Gäu-Olten (Mitte) beschreibt flankiert von Professor Daniel Hunkeler von der Uni Neuenburg (rechts) und Bernhard Strässle (Sekretär Nitratkommission Gäu-Olten) in der ehemaligen Kiesgrube Buechban in Niederbuchsiten den Grundwasserstrom im Dünnerngäu.

Rainer Hug, Präsident der Nitratkommission Gäu-Olten (Mitte) beschreibt flankiert von Professor Daniel Hunkeler von der Uni Neuenburg (rechts) und Bernhard Strässle (Sekretär Nitratkommission Gäu-Olten) in der ehemaligen Kiesgrube Buechban in Niederbuchsiten den Grundwasserstrom im Dünnerngäu.

Bruno Kissling

Trotz intensiver Bemühungen der Nitratkommission Gäu-Olten ist es in den letzten 20 Jahren nicht gelungen, die Nitratwerte im Trinkwasser im Raum zwischen Oensingen und Olten nachweisbar zu senken.

Noch immer liegen die Nitratwerte in den Grundwasserfassungen zum Teil deutlich über dem Qualitätsziel von 25 Milligramm pro Liter (mg/l), das sich die Nitratkommission Gäu Olten zum Ziel gesetzt hat, wie deren Präsident Rainer Hug, wissenschaftlicher Mitarbeiter Gewässerschutz, Abteilung Wasser vom kantonalen Amt für Umwelt, vor den zahlreich aufmarschierten Medien in Neuendorf ausführte.

Wasser ist Jahrzehnte unterwegs

Das liegt allerdings nicht daran, dass vonseiten der Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit der Nitratkommission zu wenig getan wird, sondern am Alter des Grundwassers, wie neuste Erkenntnisse der Universitäten Bern und Neuenburg zutage förderten.

Messungen haben gezeigt, dass das Grundwasser in den Grundwasserfassungen in Neuendorf und Kappel rund 25 bis 30 Jahre alt ist. So lange dauert es, bis das Regenwasser durch die mächtigen rund 25 Meter dicken Bodenschichten im Dünnerngäu durchgesickert und in den Grundwasserfassungen ankommen ist.

«Dieses Ergebnis ist für uns eine Überraschung, wir sind bisher davon ausgegangen, dass dieser Zyklus nur etwa sechs Jahre dauern würde», so Hug.

In Olten ist das Grundwasser mit 10 bis 15 Jahren übrigens deutlich jünger, wie die Untersuchungen aufzeigten. Deshalb konnten dort bei der angestrebten Senkung der Nitratwerte erste positive Tendenzen ausgemacht werden, wie erwähnt wurde.

Das Alter des Grundwassers wurde mit einer seit etwa 20 Jahren angewandten Methode bestimmt, wie Professor Daniel Hunkeler von der Universität Neuenburg ausführte. Bei dieser Methode wird nach Spurenstoffen gesucht, welche die Menschheit in der Atmosphäre freisetzt, wie zum Beispiel das Edelgas Krypton aus der Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen oder Tritium aus früheren Atombombentests.

Regen habe kleine Mengen in den Untergrund transportiert, berichtete Hunkeler. Da die zeitliche Entwicklung der Konzentration dieser Stoffe in der Atmosphäre genau bekannt sei, könne anhand der Menge im untersuchten Wasser darauf geschlossen werden, wann dieses seine Reise durch den Untergrund angetreten habe.

Hunkeler betone, dass es sich dabei aber um kleinste Mengen handle. Heute enthalte versickerndes Wasser nur gerade ein Kryptonmolekül pro 200 Milliarden Wassermolekülen. «Entsprechend unbedenklich für die Gesundheit sind diese Stoffe», hielt der Professor fest.

Aufwendige Untersuchungen

Diese Stoffe können denn auch nur mit Spezialgeräten, von welchen es schweizweit nur ein paar wenige gibt, nachgewiesen werden. Über eine solche Anlage verfügt die Universität Bern.

Christoph Gerber, Physikalisches Institut, Klima- und Umweltphysik, erklärte, wie mit den hochempfindlichen Messgeräten für die Altersbestimmung Krypton aus mehreren 100 Litern Wasser mittels eines künstlich erzeugten Vakuums extrahiert wird. Die Messung finde 35 Meter tief im Untergrund statt, um Störungen der Messungen durch kosmische Strahlen zu verhindern.

Rainer Ackermann erinnerte in seiner Funktion als Präsident des Zweckverbandes Regionale Wasserversorgung Gäu, welchem die Gemeinden Egerkingen, Fulenbach, Kestenholz, Neuendorf, Niederbuchsiten, Oberbuchsiten und Wolfwil angehören, an die Bedeutung des Trinkwassers aus dem Gäu. Jeder fünfte Solothurner beziehe sein Wasser aus den Raum Olten Gösgen. Der Grundwasserstrom im Gäu ist der zweitgrösste im Kanton.

Subventionen für die Landwirte

Die neuen Erkenntnisse lassen vor allem Bernhard Strässle, Sekretär der Nitratkommission Gäu-Olten und Leiter der Zentralstelle für Düngeberatung im Wallierhof, aufatmen. «Die Bemühungen der letzten 20 Jahre waren nicht erfolglos, sie sind einfach noch nicht nachweisbar», so Strässle. Mit dem Erreichten des im Jahr 2000 von der Nitratkommission mit der Bauernschaft und dem Kanton lancieren Nitratprojekts ist er zufrieden.

Rund 80 Prozent der Landwirte beteiligten sich daran mit freiwilligen Bewirtschaftungsvereinbarungen zur Verminderung des Nitratgehaltes im Grundwasser. Dazu gehöre die Stilllegung von Ackerland, dessen Vertragsfläche derzeit 163 Hektaren betrage.

Bei weiteren 870 Hektaren werde mit der Einschränkung der Fruchtfolge, der Winterbegrünung von Feldern sowie durch den Verzicht auf den Einsatz des Pflugs ein Beitrag geleistet.

Der Einkommensverlust der Landwirte wird mit direkten Subventionen in der Höhe von 760 000 Franken kompensiert. 80 Prozent davon werden vom Bund übernommen, 20 Prozent von den regionalen Wasserversorgern.

Die Nitratkommission will den eingeschlagenen Weg fortsetzen, wie Präsident Rainer Hug betonte. Dank der guten Zusammenarbeit von Nitratkommission, Kanton und Bauernschaft sei die Basis dazu vorhanden. Der Bund wird im Herbst über eine Verlängerung des Projekts um weitere zwei Jahre befinden.