Dulliken
Das grösste «Haarhaus» der Schweiz lässt kaum Wünsche offen

Wer in der Schweiz eine Perücke braucht, kommt an «Hair Plus» in Dulliken kaum vorbei. Das vor 50 Jahren gegründete Unternehmen beliefert Coiffeur-Geschäfte mit Perücken und Haarteilen aller Art. Die Kundschaft kommt aus allen Alterskategorien.

Beat Wyttenbach
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Das grösste «Haarhaus» der Schweiz
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Rosanna Pagnotta frisiert ein gewaschenes Toupet.
Aus Naturhaar wurde diese modische Perücke geschaffen.
Haarverlängerungen wurden kunstvoll aufbereitet.

Das grösste «Haarhaus» der Schweiz

Bruno Kissling

Der Familienbetrieb, der vor 50 Jahren, 1963, an der Niederamtstrasse in Dulliken gegründet wurde und als Weiterentwicklung zum Coiffeurberuf – Interesse und Freude an Neuem – begann, ist heute dank des fachmännischen Wissens und Könnens zu dem geworden, was täglich durch zufriedene Kundinnen und Kunden bestätigt werde. Balthasar und Josephine Müller bauten den KMU-Betrieb sukzessive aus; das ursprüngliche Interesse von Balthasar Müller – die Herstellung von Zweithaaren – wurde zum eigentlichen Firmengeschäft. Die Rede ist von der Anpassung von Perücken, Haarteilen, Toupets und Haarverlängerungen, erzählt Cordula Schär-Müller, Tochter des Gründer-Ehepaars und Geschäftsführerin von «Hair Plus», wie sich das Unternehmen heute nennt, das im Jahr 2010 seine neuen Räumlichkeiten an der Hardstrasse 77 in Dulliken beziehen konnte. Eltern und Tochter führen den KMU-Betrieb als Viererteam zusammen mit ihrer Angestellten.

Es sei eine ganze Palette von Zweithaaren, auf die sie sich spezialisiert hätten, erzählt Cordula Schär. Da wären beispielsweise die sogenannten «Extensions»; Haarverlängerungen, die am Eigenhaar befestigt werden. Die Naturhaare hierfür stammen aus Indien. In den dortigen Tempeln lassen sich die Frauen ihre langen Haare schneiden, die zunächst den Göttern geopfert, später aber nach Europa verkauft werden. Oder die sogenannten «Tressen»; Haarteile, welche mit Clips an bestehende Haare angeknüpft und bei Bedarf wieder entfernt werden. Ferner gilt es, die Haarteile und Toupets zu erwähnen, mit denen Kahlstellen überdeckt werden. Oder schliesslich Perücken in Echt- oder Kunsthaar. Bevorzugt werden Kunsthaarperücken, die pflegeleichter sind als Naturhaarperücken.

Als Grosshändler werden Coiffeur-Geschäfte in der ganzen Schweiz beliefert. «Hair Plus» hat die Generalvertretung für «Manager Top», «Belle Madame» und «Euro So Cap». Die Berufsleute können in Dulliken Belegsplätze reservieren und dort ihre Kundinnen und Kunden beraten. «Aber auch eine individuelle Beratung mit Kauf der Haarteile vor Ort in Dulliken durch die Belegschaft von ‹Hair Plus› selber ist möglich», erzählt Schär. Es stehe eine Nische für die Beratung zur Verfügung, aber auch zwei abschliessbare Räume, in denen die Perücken oder Haarteile angepasst werden.

Die Kundschaft übrigens rekrutiere sich aus allen Alterskategorien; von Teenagern bis hin zu älteren Leuten. «Zu uns kommen viele Krebspatienten, die durch die Chemotherapie ihre Haare verloren haben», hält Schär fest. Bei ihnen bezahle im Übrigen die IV die Perücke, sofern ein gültiges Arztzeugnis vorliege. Es handle sich hauptsächlich um Frauen, die sich für Zweithaare interessierten, der Anteil an Männern sei kleiner geworden, «seit die Glatze salonfähig geworden ist», wie die Geschäftsführerin bemerkt.

Übrigens: Eine Perücke sollte von Zeit zu Zeit erneuert werden. Aufbereitet werden die Zweithaare im Labor von «Hair Plus», wo auch alle Haarteile wieder auf Vordermann gebracht werden. Und noch zwei Kriterien sind interessant: Echt- und Kunsthaare (übrigens aus der hitzebeständigen Kunstfaser Matrix & Cosmos hergestellt) lassen sich von Auge kaum unterscheiden. Zudem liegen in der Preisklasse Perücken und Haarteile eng beieinander; sie bewegen sich zwischen 500 und 3000 Franken, erzählt die Geschäftsführerin von «Hair Plus».