Neuendorf
Das Glenn Miller Orchestra spielt sich swingend durch die Adventszeit

Das Glenn Miller Orchestra spielte am Weihnachtskonzert seine berühmtesten Melodien. Von Miëtt Molnar bis zu «I Won’t Dance» von Ella Fitzgerald.

Urs Amacher
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Das Glenn Miller Orchestra mit Bandleader Wil Salden am Flügel (l.) entführte das Publikum in Neuendorf in die Blütezeit der Swing- und Big-Band-Musik.

Das Glenn Miller Orchestra mit Bandleader Wil Salden am Flügel (l.) entführte das Publikum in Neuendorf in die Blütezeit der Swing- und Big-Band-Musik.

Markus Müller

Wo die «Moonlight Serenade» erklingt, ist sofort klar, hier spielt Glenn Miller. Das war auch am letzten Freitagabend so. Das «Glenn Miller Orchestra» eröffnete seinen Auftritt in der Kirche Neuendorf mit ebendieser weltberühmten Erkennungsmelodie in ihrem typischen Big-Band-Sound. Zum Konzert eingeladen hatte die Migros-Verteilbetrieb Neuendorf AG, deren beste Wünsche von Geschäftsleiter Andreas Kopp überbracht wurden.

Lizenz zum Swingen

Glenn Miller lebt längst nicht mehr. Doch seine Nachkommen verwalten sein Erbe straff. Sie verleihen nur ausgesuchten Big Bands das Recht, mit Millers ursprünglichem Notenmaterial aufzutreten. Für das Festlandeuropa erhielt der aus den Niederlanden stammende Orchesterleiter Wil Salden 1990 die Lizenz, eine Big Band unter dem Namen «Glenn Miller Orchestra» zu formieren, es zu leiten und mit den originalen Arrangements Millers auf Tournee zu gehen.

So konnten sich die Besucherinnen und Besucher in der bis auf den letzten Platz besetzten Neuendorfer Kirche musikalisch in die Anfänge der Vierzigerjahre zurückträumen.
Schon im Eröffnungsstück, der «Moonlight Serenade», waren die unverwechselbaren Stilelemente herauszuhören. Bandleader Wil Salden, der auch als Moderator durch den Abend führte, wies gleich in seiner ersten Ansage darauf hin, was denn den typischen Glenn-Miller-Sound ausmacht.

Über vier Trompeten und vier Posaunen sowie einem Satz von Alt-, Tenor- und Basssaxofon verfügen auch andere Big Bands. Bei Glenn Miller aber spielt die Klarinette die erste Stimme, dadurch erst entsteht der leichtfüssige, weniger mechanische und fast etwas süsse Gesamtklang. Bei dieser Besetzung bietet sich an, ausser all den Swing-Standards die «Rhapsody In Blue» von George Gershwin ins Repertoire aufzunehmen, eine Fusion von Klassik und Jazz mit dem berühmten Intro der Klarinette. Mit diesem musikalischen Gepäck reist die Band durch Deutschland, die Schweiz und durch die osteuropäischen Staaten, von Friedrichshafen und Luzern nach Riga und Kiew.

Gesang und Showeinlagen

Im Rahmen des zweistündigen Programms konnte das Publikum alle Best-of-Hits von Glenn Miller geniessen, von «Tuxedo Junction» und «American Patrol» über «Pennsylvania 6-5000» bis zu «In the Mood» und weiteren Werken, von denen man die berühmte Melodie im Ohr hat, ohne den Titel zu kennen, wie den «Little Brown Jug». Die «Moonlight Serenade» hat übrigens eine Zwillingsschwester, die «Sunrise Serenade». Dieses ebenfalls 1939 aufgenommene Werk war sogar ursprünglich auf der A-Seite der Schallplatte und durfte in Neuendorf nicht fehlen.

Bei der orchestralen Musik erhielten immer auch Instrumentalisten ihren Solopart. Zum Glenn Miller Orchestra gehörte auch die Sängerin Miëtt Molnar, die über dem Klangteppich der Big Band Songs wie «I Won’t Dance» von Ella Fitzgerald oder «Far Away Places» im Dreivierteltakt herrlich swingend interpretierte. Für Abwechslung sorgte überdies das orchesterinterne Gesangsquintett bestehend aus Miëtt Molnar, Wil Salden und drei weiteren Vokalisten, je einen aus dem Trompeten- dem Posaunen- und dem Saxofonregister.

Für Ohrenschmaus war also gesorgt. Die Musiker, alles hervorragende Instrumentalisten, waren immer für eine kleine auflockernde Showeinlage zu haben. So erhoben sich etwa zum Stück «Tuxedo Junction» die vier Posaunisten von ihren Plätzen im Kirchenchor, bewegten sich zum Flügel, wo sie den Pianisten und Orchesterleiter Wil Salden umkreisten und ihm die Ohren volldröhnten.

Weihnächtliche Big-Band-Klänge

In die Abfolge der Melodien baute die Band zweimal einen Block mit Weihnachtsliedern ein. Sie spielte und sang «Caroling, Caroling», «Jingle Bells», «Sleigh Ride» oder «Rudolph The Red Nosed Reindeer», jeweils im typischen Big-Band-Klang arrangiert und machte so Konzessionen an die Vorweihnachtszeit. Mit den wohlbekannten «Memories Of You» und «A String Of Pearls» kehrte das Orchester wieder auf den Pfad der Tugend zurück, bevor es mit der erneut vorgetragenen Erkennungsmelodie «Moonlight Serenade» das herrliche Konzert abrundete.

Selbstverständlich erzwang das Publikum mit nicht enden wollendem Applaus die Zugabe. Es erhielt sie mit dem Lied von der Fahrt mit der Dampflok zum Bahnknotenpunkt Chatanooga in Tennessee, dem «Chatanooga Choo Choo», bevor es mit «White Christmas» ins Schneegestöber entlassen wurde.

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