Im Juni 1951 feierte die Firma Bally ihr 100. Firmenjubiläum. Eine ganze Woche lang gab es Veranstaltungen, Reden und Umzüge. Vertreter von Wirtschaft und Politik waren eingeladen, hielten Festreden und überreichten Geschenke. Sogar der Vorsteher des eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements, Bundesrat Rodolphe Rubattel, besuchte Schönenwerd und überbrachte eine Grussbotschaft der Landesregierung.

Am 9. Juni 1951 war die gesamte Belegschaft der schweizerischen Bally-Fabriken, vom Verwaltungsratspräsidenten bis zum Lehrling, nach Schönenwerd geladen. Im Park liess man ein riesiges Zelt aufstellen, wo das Fest stattfand. Für weitere geladene Gäste gab es Bankette, Pressekonferenzen und Modeschauen; Festschriften und Zeitungsartikel erschienen in grosser Zahl. Bally stand nach 100 Jahren auf dem Höhepunkt der Produktivität und Bekanntheit. Die Krisen und Kriege der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte man glücklich und weitgehend unbeschadet überstanden. Es herrschte Festlaune.

Gruppenbilder entstanden

Zum Jubiläum liess sich die Firma etwas Besonderes einfallen: Die Arbeiterinnen und Arbeiter aller Abteilungen sollten fotografiert werden. Ein Fotograf besuchte sämtliche Fabriken und alle Abteilungen. Die Mitarbeitenden wurden in Gruppen von fünf bis 25 Personen zusammengefasst und an ihren Arbeitsplätzen porträtiert. Entstanden sind damit nicht traditionelle Gruppenbilder, sondern Zeitdokumente, auf denen auch Arbeitskleider, Werkzeuge, typische Handbewegungen, Maschinen und Fabrikinterieurs zu sehen sind. Es handelt sich um sorgfältig inszenierte und in diesem Sinne gestellte Bilder, die ein möglichst präzises Bild der Arbeitswelten vermitteln sollten.

So entstanden Abteilungsbilder, die in Gruppen von je zehn bis 15 Fotografien pro Einheit wie «Schäftefabrik Schönenwerd», «Finanzen und Verwaltung» oder «Fabrik Gelterkinden» zusammengefasst wurden. Jede Fotografie ist sorgfältig mit dem Namen aller Abgebildeten versehen. Die Dokumentationen legte man je Fabrikationseinheit an und liess sie den abgebildeten Arbeiterinnen und Arbeitern als Jubiläumsgeschenk und Erinnerung zukommen.

Ausstellung im Herbst 2013

Diese Bilder sind heute grossartige und wohl einmalige Zeugen der Schweizer Industrie des letzten Jahrhunderts. Leider weiss man über die Entstehung nur wenig. Der oder die Fotografen, der Umfang des Werks und der Zeitpunkt der Aufnahmen sind unbekannt. Unklar ist auch, ob alle oder nur ausgewählte Arbeiterinnen und Arbeiter, zum Beispiel von einem gewissen Dienstalter an, abgelichtet wurden.

Im Ballyana-Archiv befinden sich zwölf Mappen mit je rund zehn Bildern der verschiedenen Abteilungen. Tatsächlich muss es aber viel mehr gegeben haben. Beispielsweise fehlen Bilder der Stanzerei Schönenwerd oder der aargauischen Fabriken wie Aarau oder Dottikon. Ballyana möchte im Herbst 2013 eine Ausstellung mit diesen Gruppenfotos machen und ist daher auf der Suche nach den fehlenden Mappen.

Eine Bitte: Für die geplante Ausstellung sucht Ballyana weitere Jubiläumsbilder von 1951. Wer über solche Fotos oder ganze Mappen verfügt, wird gebeten, sich bei Ballyana zu melden, damit ein möglichst vollständiger Überblick entsteht (Ballyana, Sammlung Industriekultur, Postfach 182, Schönenwerd, Telefon 062 849 91 09, bally.stiftung@sunrise.ch.