Diese Geschichte hört sich in der heutigen Zeit fast wie ein Märchen an: Eine alte Dorfwirtschaft, wird von den Einwohnern vor der Schliessung bewahrt, dann von einem Investor gekauft und zur Zufriedenheit aller von einem engagierten Gastwirt betreut. Das geschieht in diesen Tagen mit dem «Schlüssel» in Aedermannsdorf, der alten Dorfwirtschaft, deren Gebäude unter Heimatschutz steht.
Gemeindepräsident Bruno Born ist natürlich mächtig stolz, die fast märchenhafte Nachricht zu verkünden. Nämlich, dass der «Schlüssel» wieder einen neuen Besitzer hat. Denn er hat sich vor drei Jahren mit einem aussergewöhnlichen Projekt für die Rettung der Wirtschaft eingesetzt. Damals hörte die langjährige Wirtefamilie Bieli auf, und die Schliessung des «Schlüssels» stand bevor. «Ich hatte die Idee, einen Freundesverein zu gründen, der den «Schlüssel» übernehmen sollte. Jedes Vereinsmitglied sollte sich mit mindestens 10 000 Franken am Kauf beteiligen und für den Betrieb wurde ein Pächter gesucht. Es gab natürlich schon kritische Stimmen, doch wir schafften es, das Kapital zusammenzubringen und konnten die Wirtschaft übernehmen.» Born und seine Vereinsmitglieder waren sich einig: Schliesst die Wirtschaft, verliert das Dorf mehr, als eine Gaststätte. «Wir würden einen Ort verlieren, an dem sich die Vereine treffen – wo das Dorfleben stattfindet. Bald fand man eine Gastronomin, die aber schon nach kurzer Zeit «die Segel wieder streckte.»

«Aedermannsdorf – nie gehört»

Im zweiten Anlauf aber gelang es: Da trat der Innerschweizer Gastrofachmann Ruedi Odermatt auf den Plan. Er hörte vom «Schlüssel» und schaute sich zunächst mal um. «Ich hatte vorher von Aedermannsdorf noch nie gehört», gibt er lachend zu. «Doch in dieser Wirtschaft habe ich sofort das grosse Potenzial erkannt und mich hier wohlgefühlt.» Und er begann vor ziemlich genau einem Jahr, am 1. Januar 2018 mit der Arbeit. «Es lief von Anfang an sehr gut», stellt Odermatt zufrieden fest.
Und zwar so gut, dass er seinen alten Freund aus Ennetbürgen, den Architekten Hanspeter Fischer dafür gewinnen konnte, die Immobilie dem Freundesverein abzukaufen. Fischer sagt: «Ich kenne mich mit Gastrobetrieben aus und habe sofort das grosse Potenzial dieses fast 200-jährigen Gebäudes erkannt.» Es soll ganz bestimmt kein Spekulationsobjekt sein. «Im Gegenteil. Vielleicht werden wir noch Fremdenzimmer einbauen, sodass ein richtiges Gasthaus entsteht», so der Ennetbürgener. Man werde sich sicher mit dem Heimatschutz in Verbindung setzen.
Bruno Born sagt: «Es war ja nie das Ziel, die Wirtschaft längere Zeit in Vereins-Besitz zu halten. Es ging unserem Verein ja in erster Linie darum, die Beiz für das Dorf erst mal zu erhalten. Dass einmal ein Investor kommt, und die Liegenschaft übernimmt, das haben wir uns gewünscht. Dass es aber schon nach einem Jahr so weit sein wird, hätten wir nicht gedacht und freut uns natürlich sehr. Es ist ein Glücksfall.»

Geld gibts zurück

Man habe bereits vor ein paar Wochen eine Generalversammlung einberufen, und dort wurde einstimmig dem Verkauf an Fischer zugestimmt. «Der Verein wird nun erst mal ruhen. Ihr einbezahltes Kapital, plus 2 Prozent Zinsen, bekommen die Vereinsmitglieder zurück. So steht es in den Statuten.» Fischer habe sich zudem für die nächsten fünf Jahre verpflichtet, seinen Pächter Odermatt so weiter arbeiten zu lassen.
Pächter Ruedi Odermatt fühlt sich sichtlich wohl in seinem Reich. 45 Plätze in der Gaststube und 90 im gut ausgebauten und auch unterteilbaren Saal kann er anbieten. «Ich habe in Aedermannsdorf sofort tolle Leute getroffen», berichtet er. «Die Wirtschaft wurde gut angenommen und ich kann zufrieden sein». Er kenne keine Gemeinde, in der das Vereins- und Dorfleben noch so gepflegt wird, wie hier, meint Odermatt. Auch nach der Handänderung wird sich im Betrieb des Schlüssels nichts geändert. «Ich werde so weitermachen, wie bisher. Die gleichen Öffnungszeiten, die gleiche, saisonale Karte».