Das geschichtsträchtige Haus an der Gäustrasse, in dem der Grossvater des Kestenholzer Dichters und Bauern Joseph Joachim (1834–1904) einst eine Schmiede betrieb, sorgt im Dorf einmal mehr für Gesprächsstoff. Wie vor vier Jahren geht es um den Abbruch der seit rund sechs Jahren nicht mehr bewohnten Liegenschaft. Diesmal steht aber nur der einsturzgefährdete Scheunentrakt in Fokus, welcher laut Untersuchungen des Ingenieurbüros BSB und Partner, Oensingen, aus Sicherheitsgründen abgerissen werden sollte. «Uns blieb gar nichts anderes übrig, als den Abbruch zu bewilligen», erklärt Gemeindepräsident Roger Wyss zur Situation. Um kein Risiko einzugehen, wurde Mitte letzter Woche das am Haus vorbeiführende Trottoir mittels einer Abschrankung auf die Strasse verlegt, die seither an dieser Stelle nur noch einspurig befahrbar ist.

2009 noch gegen den Abbruch

Der Gemeinderat hatte sich im Jahr 2009 noch gegen den Abbruch der heruntergekommen wirkenden Liegenschaft ausgesprochen, weil anstelle des abgebrochenen Hauses kein Alternativprojekt geplant war. «Dies wäre aber zwingend notwendig gewesen, weil sich das Haus im Ortsbildschutzperimeter befindet», führt Wyss dazu aus. Der damalige Besitzer, ein Kestenholzer Landwirt, war damals vor allem am Wiesland und nicht am Haus interessiert (wir berichteten). Inzwischen hat die Liegenschaft, die über 300 Jahre alt sein dürfte, bereits zweimal den Besitzer gewechselt. Der aktuelle Eigentümer hatte letztes Jahr mit der Sanierung des Gebäudes begonnen und dabei auch den südseitig angebauten Schuppen abgerissen. Offenbar wegen Geldmangels ruhten die Arbeiten danach mehrere Monate.

Balken unsachgemäss entfernt

Mit der nun eingetretenen Situation haben sich weitere Baumassnahmen an der Scheune erübrigt. Der untersuchende Bauingenieur kam zum Schluss, dass der Abriss einer Instandstellung vorzuziehen sei, auch wegen der nicht absehbaren hohen Kosten. Die Statik der Scheune ist gemäss Bericht durch den Abriss des südseitig angebauten Schuppens weiter aus dem Gleichgewicht geraten. Noch stärker ins Gewicht fällt indessen, dass zwei der insgesamt vier Zugbänder unsachgemäss entfernt worden sind. Dabei handelt es sich um jene Querbalken, auf welchen die Dachkonstruktion fixiert wurde. Das Fehlen der zwei mittleren Zugbänder hatte zur Folge, dass sich das Dach – vermutlich unter der hohen Schneelast -– absenkte und damit einhergehend die Aussenwände von blossem Auge sichtbar nach aussen drückte.

Wann dieser fatale Fehler begangen wurde, liess sich nicht mehr feststellen. Es könnte also durchaus sein, dass der Scheunentrakt schon über eine längere Zeitspanne ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellte. Das war offenbar auch dem beigezogenen Bauleiter klar, welcher dem Vernehmen nach ein weiteres Auseinanderdriften der Aussenwände mittels Spanngurten zu verhindern versuchte. Wer für die Entfernung der für die Statik wichtigen Querbalken verantwortlich gemacht werden kann, geht aus dem Bericht nicht hervor. Fest steht allerdings, dass niemand weiss, wie lange diese notdürftige Sicherung dem durch die Schneefälle stetig steigenden Druck standhält.

Schneefälle erhöhen das Risiko

Das weiss auch der Gemeinderat, der sich wünscht, dass der Scheunentrakt bis Ende dieser Woche abgerissen wird. «Wenn die Kinder am kommenden Montag wieder in die Schule gehen, muss die Gefahr beseitigt sein», stellt Roger Wyss klar. Dieser Meinung schliesst sich auch der Kanton an. «Wir haben mit der Gemeinde vereinbart, dass die Abschrankung am 21. Februar wieder demontiert werden kann. Dieses Zeitfenster sollte eigentlich auch für den Abbruch reichen», sagt Strassenmeister Urs Strähl vom Kreisbauamt II in Olten.

Wer bezahlt den Abriss?

Noch ist nicht klar, ob der Scheunentrakt bis Ende Woche wirklich abgerissen sein wird. Knackpunkt ist offenbar, wer dafür die Kosten übernehmen soll: der Eigentümer oder der Bauleiter? Bis gestern Abend war diese Frage noch offen. Die Gemeinde würde übrigens nicht auf einen Wiederaufbau der Scheune bestehen, falls dies aus finanziellen Gründen nicht möglich wäre, wie Roger Wyss darauf angesprochen erwähnt.