Holderbank
Das andere Gesicht der Tina Lord

Vor fast einem Jahrzehnt ist Michael Nessler ins Thal gezogen. Er ist ein Mann mit zwei Gesichtern, denn Travestie ist eine seiner Leidenschaften. Als Tina Lord tritt er Ende Mai zusammen mit einem Kollegen in Niederbipp auf.

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Hätten Sie ihn erkannt? Nach drei Stunden in der Maske präsentiert sich Michael Nessler als Tina Lord.

Hätten Sie ihn erkannt? Nach drei Stunden in der Maske präsentiert sich Michael Nessler als Tina Lord.

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Sven Peterhänsel und Michael Nessler teilen im privaten Leben ihr Reich, der eine in einem Dorf in der Lüneburger Heide, der andere in Holderbank zusammen mit Katzen, Hund, Ziegen, Hühner und Ponys. Beide geniessen das Landleben mit ihren jeweiligen Lebenspartnern und haben sich aus dem Erwerbsleben beziehungsweise Showbusiness zurückgezogen.

Beide teilen aber auch eine Leidenschaft: die Travestie. Dafür schlüpfen sie in aufwendige Kostüme, sitzen Stunden in der Maske und treten als schillernde Figuren auf die Bühne. Sven Peterhänsel als Miss Liss und Michael Nessler als Tina Lord. Beide werden am Samstag, 31. Mai, im Räberhus in Niederbipp zu erleben sein in der «Revue der 1000 Gesichter».

Holderbank gefiel am besten

Tina Lord, alias Michael Nessler, kam vor acht Jahren von Konstanz her ins Thal. «Mein Lebenspartner und ich haben viele Häuser angeschaut, eines in Holderbank gefiel uns am besten», berichtet Nessler in der Holderbanker Dorfzytig. Die beiden Männer und auch ihr Lebensstil seien von der Bevölkerung gut aufgenommen worden. Darum gebe man der Dorfgemeinschaft gerne etwas zurück, so etwa mit Ponykutschenfahrten am Huuderefäscht.

Nun kann man die andere, bisher unbekannte Seite von Michael Nessler und Sven Peterhänsel kennenlernen, nämlich bei ihrem Auftritt als Travestie-Künstler in Niederbipp. Peterhänsel wird als Miss Liss auf die Bühne treten und die scharfzüngige Entertainerin geben. Nessler schlüpft in die Rolle der selbstverliebten und gleichzeitig präsent wirkenden Tina Lord. Den Namen hat er übrigens gewählt, weil er sich in seiner Jugend gerne extravagant gekleidet habe und deshalb von Mädchen als «der Lord» genannt wurde. Der Vorname spricht für Nesslers Begeisterung für Tina Turner.

Markt übersättigt

«Miss Liss und Tina Lord sind in der Szene bekannte Grössen», erzählt Michael Nessler. Seine Karriere begann vor mehr als vierzig Jahren. Dabei habe er mit TV-Profis gearbeitet wie etwa mit Günter Jauch auf der IFA in Berlin oder mit Heidi Abel in «Ein Platz für Tiere». «Später besass ich in Konstanz eine Kabarett, in dem alle Grössen der Travestie aufgetreten sind.»

Früher habe man von diesem Geschäft gut leben können, heute sei der Markt übersättigt. «Viele sogenannte Künstler machen das Genre kaputt, weil sie sich billig und ordinär geben, oder Gags auf Kosten anderer machen.» Mit ein Grund, warum sich Nessler für junge Künstler der Travestie einsetzen will. Dies tut er, indem er zwei Shows pro Jahr realisieren möchte. (peg/wak)