Bevölkerung
Darum leben im Gäu so viele junge Leute

Härkingen und Oensingen gehören zu den jüngsten Gemeinden im gesamten Kanton Solothurn. Als Grund für den geringen Altersdurchschnitt kann das allgemeine Bevölkerungswachstum in dieser Region genannt werden.

Sarah Kunz
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Die Gemeinde Härkingen ist in Bezug auf die Bevölkerung die jüngste Gemeinde im Kanton Solothurn, gefolgt von Boningen und Oensingen.

Die Gemeinde Härkingen ist in Bezug auf die Bevölkerung die jüngste Gemeinde im Kanton Solothurn, gefolgt von Boningen und Oensingen.

Bruno Kissling

In der Statistik der Bevölkerungsentwicklung im Kanton Solothurn vom Amt für Finanzen zeigt sich, dass die Region Gäu, nebst den Regionen Wasseramt und Lebern, eine überdurchschnittlich hohe prozentuale Zunahme der Wohnbevölkerung aufweist. 391 Personen fanden im Jahr 2017 den Weg ins Gäu, was einem Zuwachs von 1,89 Prozent entspricht. Im Schnitt verzeichnet der Kanton Solothurn einen Zuwachs von 0,85 Prozent. Unterdurchschnittlich fällt dagegen der Zuwachs in der Region Thal mit 0,82 Prozent aus.

Ebenfalls ist in diesen Statistiken zu beobachten, wie es sich mit dem Durchschnittsalter in den Regionen verhält. Spannend ist dabei der Zusammenhang zwischen dem Wachstum und dem Altersdurchschnitt. Denn es zeigt sich, dass die Region Gäu der Jungbrunnen des Kantons ist: In fünf Gemeinden liegt der Durchschnitt unter 40,3 Jahren, wobei der kantonale Durchschnitt 42,7 Jahre beträgt.

Im Thal lässt sich zudem die Tendenz eines überdurchschnittlich hohen Altersdurchschnitts beobachten. Diesen Zusammenhang kann Christian Brunner vom Amt für Finanzen erklären: «Eine hohe Bautätigkeit in einer Gemeinde führt zu einem hohen Wachstum und dies hat wiederum einen Effekt auf den Altersdurchschnitt.» Je attraktiver das Wohnungsangebot für Jüngere sei, desto eher würden diese zuziehen.

Wohnraum lockt junge Familien an

An der Tabellenspitze dieser jungen Gemeinden steht Härkingen mit einem Altersdurchschnitt von 39,46 Jahren, gefolgt von Boningen mit 39,59 und Oensingen mit 39,99 Jahren. Für Härkingens Gemeindepräsident Daniel Nützi ist diese Entwicklung sehr wünschenswert. «Junge Bewohner eröffnen einer Gemeinde mehr Möglichkeiten für die Zukunft.» So sind sie wichtig für den Fortbestand sozialer Institutionen, da sie sich für die Gemeinde oder in den Vereinen engagieren. «Eine Überalterung bietet diesbezüglich weniger Optionen.»

Der Gemeindepräsident erklärt sich den tiefen Altersdurchschnitt durch die zentrale Lage und die Schaffung von attraktivem Wohnraum. Ausserdem biete die Gemeinde Härkingen ein umfangreiches Vorschulangebot mit Spielgruppen und einer Kindertagesstätte. Dies seien mitunter die Gründe, weshalb Härkingen das grösste Bevölkerungswachstum in der Region von 3,72 Prozent verzeichnen kann.

Auch Oensingens Gemeindepräsident Fabian Gloor sieht den geringen Altersdurchschnitt als Folge des Bevölkerungswachstums. Denn Oensingen ist im letzten Jahr um 1,33 Prozent gewachsen. «Nebst attraktivem Wohnangebot bietet Oensingen auch ein grosses Arbeitsplatzangebot und eine erstklassige Erreichbarkeit. Hinzu kommen eine ausgebaute Grundversorgung und ein umfassendes Freizeitangebot», zählt Gloor auf. Dies sei für jüngere Personen und junge Familien attraktiv. Werten will Gloor diese Statistik jedoch nicht: «Die statistische Zahl ist einfach ein Abbild von Angebot und Nachfrage.» Gloor denkt dagegen eher über die wirtschaftlichen Auswirkungen nach, die eine junge Gemeinde mit sich zieht: «Ein starker Zuwachs von jungen Familien kann beispielsweise dazu führen, dass das Schulangebot erweitert werden muss.»

In beiden Gemeinden scheint die Geburtenrate keinen grossen Einfluss zu haben. Im Jahr 2017 wurden in Härkingen 21 Babys geboren, in Oensingen 74. Diese Zahlen seien zwar hoch, jedoch im Vergleich mit den Vorjahren nicht aussergewöhnlich.

Wohnungen für Junge bauen

Entgegen dieser Tendenz, dass ein hohes Bevölkerungswachstum zu einem tieferen Altersdurchschnitt führt, entwickelt sich Welschenrohr. Bei einem Bevölkerungswachstum von 2,29 Prozent beträgt das Durchschnittsalter in der Gemeinde wider Erwarten 45,04 Jahre. «Ich weiss, dass wir eine alte Gemeinde sind», sagt Gemeindepräsident Stefan Schneider. «Aber so richtig erklären kann ich das nicht.» Der Kanton habe zwar eine Abnahme der Bevölkerungszahl prognostiziert, dies habe sich jedoch nicht bewahrheitet.

«Der Zuwachs ist sehr erfreulich», so Schneider. Sein Wunsch sei es, für Junge attraktiv zu sein. Denn viele, die wegzögen, kämen nach ein paar Jahren wieder zurück. «Wir bauen im nächsten Jahr attraktive Wohnungen für Jüngere», sagt Schneider. «Mit diesem erweiterten Angebot bleiben die Jüngeren hoffentlich eher im Dorf.»