Wer sich in Oensingen in einer Notlage befindet, kann trotzdem noch auf ein Dach über dem Kopf hoffen. Dafür sorgt die Sägesser Stiftung, die sich dem Wohl unverschuldet in Not geratener Menschen widmet. Ausserdem investiert die Stiftung in Organisationen im sozialen Bereich und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Freiwilligenarbeit in Oensingen.

Derzeit stehen neun Wohnungen und eine Notwohnung im Mehrfamilienhaus an der Mühlefeldstrasse 13 zur Verfügung. Zu verdanken hat die Gemeinde diese Wohnungen der Sägesser Stiftung und seinem Gründer Willi Sägesser.

Seit der Gründung mit dabei war auch Werner Hunziker, heutiger Stiftungsratspräsident. «Wir haben heutzutage noch immer viele Rentner, die nur über eine sehr kleine Rente aus der 2. Säule verfügen und sich gezwungen sehen, mit beispielsweise nur 1800 Franken AHV-Rente pro Monat über die Runden zu kommen», erklärt Hunziker.

Er ist seit dem Tod von Willi Sägessers im Jahre 2011 Präsident des Stiftungsrates und sieht sich in dieser Rolle für das Wohl der Menschen verantwortlich. «Die Stiftung hat zwei Hauptziele: Günstige Wohnungen für Leute zur Verfügung stellen, die unverschuldet in Not geraten sind und mit dem Erlös der Mieten gemeinnützigen Institutionen und Einzelpersonen finanzielle Hilfeleistungen bieten.»

Fast zwei Millionen investiert

2001 gründete der erfolgreiche Bauunternehmer Willi Sägesser die Stiftung. Sein Beweggrund: «Er hatte immer das Gefühl, dass es ihm im Leben sehr gut gegangen sei und wollte einen Teil seines Vermögens in eine Stiftung für Leute investieren, die es nicht so gut gehabt hatten, wie er», weiss Hunziker.

Der heutige Stiftungsratspräsident stand Sägesser bei diesem Schritt als Freund mit Rat und Tat zur Seite. Der mittlerweile 72-jährige pensionierte Lehrer, Heilpädagoge, Journalist und Institutionsleiter kann sich noch gut an die Anfänge erinnern: «Er rüstete die Stiftung mit Land und Kapital im Gesamtwert von gegen zwei Millionen aus.» Das Land wurde verkauft und damit ein Mehrfamilienhaus gebaut.

Nicht jeder kann einziehen

Eine 1½-Zimmer-, fünf 2½-Zimmer- und drei 4½-Zimmerwohnungen stehen in der Liegenschaft Mühlefeldstrasse 13 zur Verfügung. Ihre Mietpreise liegen deutlich unter dem Marktpreis: Lediglich 800 Franken verlangt die Stiftung zum Beispiel für eine 2½-Zimmerwohnung.

Kein Wunder also, sind die Wohnungen heiss begehrt. Doch nicht jeder, der einfach nett fragt, darf auch einziehen. «Da kommen manchmal die verrücktesten Gesuche daher», so Hunziker. «Gewisse Leute rufen an und sagen ‹Ich brauche Geld!›, weil ihre Nebenkostenrechnung höher war als üblich. Das reicht natürlich überhaupt nicht.»

Es sind hauptsächlich Rentner mit geringem Einkommen und IV-Bezüger, die vom Wohnungs-Angebot der Stiftung profitieren können. Häufig aber haben genau die Leute, die es am meisten brauchen, Hemmungen, nach Hilfe zu bitten.

Es sei daher keine leichte Aufgabe, den Stiftungszweck umzusetzen, meint Hunziker. «Nicht wegen der Komplexität der Arbeit, sondern weil es schwierig ist, die richtigen Leute dafür zu finden.»

Bezug zum Dorf als Voraussetzung

Ein Teil der Wohnungen wird zusätzlich zu normalen Marktpreisen vermietet. «Mit dem Einkommen, das wir so generieren, dürfen wir gemäss Stiftungszweck Vergabungen machen», begründet Hunziker. So kommen jährlich rund 15 000 Franken zusammen, die an Einzelpersonen oder Organisationen mit sozialem oder gemeinnützigem Engagement vergeben werden.

Die einzige Voraussetzung, die es sowohl bei Bewohnern, wie auch bei Vergaben zu beachten gilt: Es muss ein Bezug zu Oensingen bestehen. «Als Willi noch gelebt hat, wurde immer wieder klar, dass er einen Bezug zu Oensingen möchte.»

Durch seine Arbeit war der Bauunternehmer fest in der Region verankert und in der Gemeinde grosszügiger Mensch bekannt. «Willi war eine faszinierende Persönlichkeit. Jeder konnte sich für Unterstützung an ihn wenden», erläutert Hunziker.

Auch in Zukunft möchte Hunziker noch etwas bewegen: «Mir schwebt vor, einen grosszügig dotierten Anerkennungspreis für Leute zu kreieren, die sich in Freiwilligenarbeit engagieren.» Er stelle fest, dass die Arbeit immer weniger Stellenwert habe.

Doch die Idee für einen solchen Preis müsse noch im Detail ausgearbeitet und mit den zwei weiteren Stiftungsräten Markus Fluri und Ueli Brunner besprochen und beschlossen werden.