Kappel
Damit Ortsbild erhalten bleibt: Einwohner sind gegen das Flachdach

31 Parteien haben Unterschriften und zwei Einsprachen gegen das geplante Mehrfamilienhaus an der Dünnern in Kappel eingereicht. Sie stören sich an der Dachform des Gebäudes, für das das Wohnhaus von Barraca-Veranstalter Martin Wyss abgebrochen wird.

Karin Schmid
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Auf diesem Grundstück am nördlichen Dorfeingang von Kappel soll das Mehrfamilienhaus gebaut werden. Barraca-Veranstalter Martin Wyss verkauft sein Wohnhaus (in blau-weiss-rot) an das MFH-Baukonsortium, die es abbrechen lassen wird.

Auf diesem Grundstück am nördlichen Dorfeingang von Kappel soll das Mehrfamilienhaus gebaut werden. Barraca-Veranstalter Martin Wyss verkauft sein Wohnhaus (in blau-weiss-rot) an das MFH-Baukonsortium, die es abbrechen lassen wird.

Bruno Kissling

Das Baukonsortium MFH (Mehrfamilienhaus) an der Dünnern plant an der Dorfstrasse 62 in Kappel ein Mehrfamilienhaus mit vier Wohnungen. Auf diesem Grundstück steht das Wohnhaus von Barraca-Veranstalter Martin Wyss, das zu diesem Zweck abgebrochen werden soll.

Im Rahmen der kürzlichen, öffentlichen Auflage der Unterlagen gingen zwei Einsprachen und anschliessend eine von 31 Parteien unterzeichnete Unterschriftensammlung gegen das Projekt ein.

«Flachdach nicht ortsbildkonform»

Bei den 31 Unterzeichnenden handelt es laut Erstunterzeichner Stefan Meyer «um Anwohner des Unterdorfs, des Dorfkerns, aber auch um solche, die sonst im Dorf wohnen». Zur Sammlung hatte sich eine Gruppe von Personen nach einer gemeinsamen Diskussion über das Projekt entschieden. Sie wandten sich mit einem Schreiben an den Gemeinderat und die Baukommission, «damit das Ortsbild an der Dorfstrasse typologisch erhalten bleibt».

Grund: Die Bauherrschaft plant das neue Mehrfamilienhaus mit einem Flachdach – einer Variante, die nach Überzeugung der Unterzeichnenden «nicht dem Ortsbild entspricht», wie sie in ihrer Mitteilung festhalten. «Die Mittelgäustrasse am Osteingang, die ganze Dorfstrasse und die ganze Unterdorfstrasse bilden eine typologische Einheit. Am besagten Dorfeingang stehen zwei geschützte Speicher in der Ortsschutzzone, einer davon ist über 300 Jahre alt. Dahinter folgen sorgsam renovierte Häuser, die zusammen einen einladenden Eingang in das Dorf schaffen.»

«Satteldach im Sinn der Bauverordnung»

«Wenn das Grundstück in der Ortsbildschutzzone wäre, gäbe es gar nichts zu diskutieren über das Projekt», präzisiert Stefan Meyer. «Es befindet sich aber angrenzend daran.» Damit käme Paragraf 63 der kantonalen Bauverordnung zum Zug, aufgrund dem eine neue Liegenschaft ins Ortsbild passen müsse.

Pikant an der Angelegenheit finden die Unterzeichnenden, dass die Baukommission und der Gemeinderat in früheren Jahren in derselben Wohnzone, zum Beispiel bei den «Büttiker-Blöcken» an der Unterdorfstrasse 18 und 20 sowie bei den seit rund 15 Jahren stehenden Reiheneinfamilienhäusern an der Dorfstrasse 50 bis 58, Satteldächer verlangt und durchgesetzt habe. Deshalb fordern sie den Gemeinderat und die Baukommission auf, «im Sinn des Paragrafen 63 der kantonalen Bauverordnung dafür zu sorgen, dass eine neue Liegenschaft mit Satteldach gebaut werden muss».

«Wir wollen einfach, dass der Gemeinderat das Mehrfamilienhaus-Projekt genauso prüft wie andere Liegenschaften und dabei die gleichen Spielregeln anwendet», hält Stefan Meyer fest, der in einem der besagten Reihenhäuser an der Dorfstrasse wohnt. «Dann hätte man auch den Dorfeingang geschützt. Im Osten und Westen schaut man zum Ortsbild. Wieso nicht auch vom Norden her?»

Mit ihrer Sammlung wollen die Unterzeichnenden eine Diskussion innerhalb der Gemeinde in Gang bringen. «Die Dorfeingangsgestaltung ist ein Politikum und nicht nur Privatsache», findet Meyer. «Man kann in grösserem Rahmen darüber diskutieren, ob es Sinn macht, neben den Speichern und älteren Häusern ein Projekt wie das Mehrfamilienhaus zu planen, das typologisch dort nicht hinpasst».

«Grundstück in der Zone W2»

Gegen das Vorhaben des Baukonsortiums MFH an der Dünnern gingen bei der Gemeinde zwei Einsprachen ein. Eine davon ist von Stefan Meyer. Nach Angaben des neuen Bauverwalters Lukas Matter wollen die Gemeindeverantwortlichen nun mit der Denkmalpflege das weitere Vorgehen abklären und nach der Stellungnahme des Kantons im Januar eine Beurteilung vornehmen. «Das Verfahren soll sauber abgeschlossen werden», hält Matter fest.

Laut Matter befindet sich das betreffende Grundstück in der Zone W2 für zweigeschossige Wohnbauten. «Nach unserem Baureglement ist in der Ortsschutzzone eine Dachform vorgeschrieben, in der Zone W2 jedoch nicht. Dort ist ein Flachdach erlaubt.»

Barraca-Wyss-Haus wird abgebrochen

Das Projekt des Baukonsortiums MFH an der Dünnern, das vom einheimischen Architekturbüro Della Giacoma & Krummenacher vertreten wird, sieht ein Mehrfamilienhaus mit vier 4 1/2-Zimmerwohnungen vor, mit deren ein Jahr lang dauerndem Bau laut Plan anfangs Frühling 2014 begonnen werden soll. Dafür vorgesehen ist der Platz, auf dem das Wohnhaus von Barraca-Veranstalter Martin Wyss steht.

Der Abbruch des Gebäudes ist ein Teil des MFH-Baugesuchs. Nach Angaben von Carlo Della Giacoma vom Architekturbüro Della Giacoma & Krummenacher verkauft Martin Wyss sein Objekt mit Gebäude und Land an das Baukonsortium und ist darin nicht vertreten. Martin Wyss war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.