Welschenrohr
Corona hat Gewerbe- und Gastrobetriebe im Würgegriff – der «Hirschen» schliesst für immer

Corona hat alles im Würgegriff. Ein Augenschein beim Rundgang durch Welschenrohr bei Gewerbe- und Gastrobetrieben.

Walter Schmid
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So präsentiert sich derzeit die Dorfstrasse in Welschenrohr. Geschlossene Läden, leere Strassen.

So präsentiert sich derzeit die Dorfstrasse in Welschenrohr. Geschlossene Läden, leere Strassen.

Walter Schmid

«Wir arbeiten fast Tag und Nacht», erklärte Christopher Waelchli von der Seifen Manufacure in Welschenrohr. «Wir füllen Desinfektionsmittel ab und beliefern die Spitex Thal, die Arztpraxis im Dorf sowie viele andere Kunden. Gegenwärtig fehlt es an Nachschub, die Alkoholreserven sind aufgebraucht.» Das Desinfektionsmittel enthält 70 bis 80 Prozent Alkohol und weitere Hilfsstoffe, auch solche, die es für Menschen ungeniessbar machen.

Ganz anders tönt es bei Firma ChemValve, die industrielle Armaturen produziert. «Wir haben einen massiven Einbruch erlitten, da wir unsere Produkte in die ganze Welt exportieren», so Benno Schmid, Verwaltungsratspräsident. Die Kunden in der chemischen Industrie investieren momentan nicht und schieben Reparaturen hinaus, erklärt er. «Wir mussten Kurzarbeit anmelden und erledigen die spärlich eintreffenden Aufträge.»

Bei manchen läuft es, anderen nicht

«Kurzarbeit mussten auch wir anmelden», meldet Andreas Burri, Geschäftsleiter der Grico Druck AG. Ein Drittel Grundauslastung habe die Firma noch. Doch alle Veranstaltungen sind abgesagt, im Vereinswesen läuft nichts mehr. Drucksachen für Private braucht es nicht mehr. «Da gibt es für uns auch keine Arbeit mehr.» Burri hofft auf baldige Rückkehr zur Normalität. Hochbetrieb herrscht hingegen in der Teigwarenmanufaktur SoloMania. Die Nachfrage nach Teigwaren sei gross, heisst es. «Ausverkauft sind auch die Dörrbohnen, die eigentlich bis zum Sommer, also zur nächsten Ernte hätten ausreichen müssen», berichtet Inhaber Marc Pergher über das zweite Standbein der Firma. Noch dauere es eine Weile, bis noch andere Früchte eintreffen. «So produzieren wir halt gedörrte Äpfel, aber auch die werden knapp.»

Die zwei Gasthöfe Hirschen und Kreuz sowie das Café Colette sind ebenfalls geschlossen.

Bald nur noch eine Wirtschaft im Dorf

Der «Hirschen» hat bereits vor einigen Wochen vermeldet, dass es sich um die definitive Schliessung handelt. Dazu der Wirt Jörg Allemann: «Natürlich bin ich enttäuscht, dass ich diesen Schritt machen musste. Ich hätte das Restaurant gerne weitergeführt.» Aber ohne die Eltern, die um die Siebzig sind, ist dies nicht mehr möglich. Es werde also kein Restaurant Hirschen mehr geben, so Allemann.

So bleibt das Hotel und Restaurant Kreuz mit seinen grosszügigen Räumlichkeiten. Familie Läuffer plant die Eröffnung auf Ende April. Bis dahin offeriert die Küche Speisen im Take-away-Service. «Die Aktion ist erfreulich gut angelaufen. Bestellungen treffen laufend ein, geliefert wird durch ein Fenster», erklärt Mirjam Läuffer.

«Bei uns auf dem Montpelon steht fast alles auf null», sagt hingegen Elsbeth Lanz von Berghof. «Der Solothurner Wochenmarkt fällt weg, Absagen und Verschiebungen von Anlässen treffen laufend ein. Was bleibe sei ein bescheidener Hauslieferdienst.

Besser läuft es mit der Babynahrung

Eine leichte Steigerung stellt die Firma Bimbosan Kindernährmittel fest. «Offenbar haben unsere Kundinnen private Reserven angelegt, was sich im Nachhinein im Pendeleffekt auswirken könnte», stellte Betriebsleiter Daniel Bärlocher fest. Den Aussendienst stellte man ein, denn der Besuch bei den Kunden ist nicht mehr erlaubt. Zugenommen habe indes der Onlinehandel; auch der Export laufe nicht schlecht. Die Firma Bimbosan sei nach wie vor ein profitables Unternehmen, das seit 2019 zur Hochdorf Gruppe gehört, so Bärlocher. «Die Marke Bimbosan ist im Markt gut vertreten und verfügt über Entwicklungspotenzial. Die Beschäftigungslage ist gut, Kurzarbeit ist nicht geplant.»

Zum Glück ein Laden in Welschenrohr

Zufrieden ist Claudia Allemann-Faganello, die Leiterin des Welschenrohrer Volg-Ladens: «Wir werden gut unterstützt. Unsere Kundschaft ist dankbar und zufrieden mit der Einkaufsmöglichkeit im Dorf.» Der Umsatz sei gestiegen, die Leute kaufen mehr aufs Mal ein, weil sie nicht mehr so oft den Laden besuchen. «Gewisse Produkte gehen auch mal aus, aber von Hamsterkäufen kann keine Rede sein.» Pflanzen, Erde, Papeterie-Artikel mussten, wie überall, aus dem Sortiment entfernt werden. «Auch wir müssen uns an die Vorschriften halten.»

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