«Um ehrlich zu sein: Zeichnen ist Knochenarbeit.» Eine Aussage, die man so nicht erwartet hätte. Nicht aus dem Mund von Franz Zumstein – der 57-Jährige ist international erfolgreicher Comiczeichner.

Franz Zumstein sitzt an einem Tischlein im Museum «BalsThal» und zeichnet. Seit rund einem Jahr arbeitet er hier einige Tage in der Woche zwischen Eisenguss, Keramik, Plastikgeschirr und Postkarten.

Im Ortsmuseum, das die Industriegeschichte von Balsthal und Umgebung dokumentiert, fühlt er sich wohl. Zumstein, der selbst in Balsthal wohnt, hat zwar auch zu Hause ein Atelier. Es treibt ihn aber immer wieder raus aus seinem Kämmerchen. «Ich beklage mich schon ein Leben lang über die Zeichnereinsamkeit», erzählt er.

Daher beschloss er, seinen Arbeitsort an einen öffentlichen Ort zu verlegen. Fragte bei Kurt Heutschi an, ob er in dessen Privatmuseum, mitten im Dorf, einen Tisch aufstellen dürfe. Dieser sagte spontan zu.

Ein Comic-Entwicklungsland

Wenn Zumstein im Museum ist, weist meistens ein Schild draussen auf seine Anwesenheit hin. «Anfangs spazierten viele Leute herein, aus Gwunder», erzählt Zumstein. Er habe schon sehr viele schöne Begegnungen gehabt, mit Leuten aus dem Dorf und Auswärtigen.

Wenn er sich bei der Arbeit besonders konzentrieren muss oder er nicht so gesellig drauf ist, stellt er das Schild einfach nicht raus.

Gerade illustriert er eine A3-Seite seines neuen Comicprojekts «Ghost Warrior». Wann das Buch erscheinen wird, weiss er noch nicht. Zeichnen, eine Knochenarbeit? Wer zuschaut, wie er gekonnt und detailgenau seine Striche zieht, möchte ihm das nicht abnehmen.

Er aber erklärt: «Ich bin nicht so begnadet, dass ich beim Zeichnen in einen Flow komme.» Viel lieber schreibe er, da spüre er diesen Flow. Auch die Geschichten zu seinen Bildern erfindet er nämlich selbst. «Da lasse ich dann das Kopfkino laufen, das liebe ich», sagt er.

Seine beiden ersten Comic-Geschichten veröffentlichte der ehemalige Lehrer im Schweizerischen Jugendschriftwerk (SJW) im kinderfreundlichen «Funny»-Stil. Bekannt wurde er mit der neunbändigen Serie «Die Himmelsstürmer», die ab 1999 episodenweise in der Coop-Zeitung erschienen.

Er liebe Fliegergeschichten und Zeitreisen, sagt Zumstein. «Bei den Himmelsstürmern konnte ich die Helden in allerlei tolle Zeiten schicken, von den Dinosauriern bis zu den Römern», erinnert er sich.

Danach habe er sich einen Traum erfüllt und mit dem realistisch gezeichneten «Wüstenfalken» eine reine Fliegergeschichte umgesetzt. Er lacht: «Weil mir Propellerflieger so gut gefallen.»

In der Schweiz gilt Franz Zumstein als der Fliegerzeichner. «Wenn man so lange zeichnet, dann idealerweise etwas, was man gerne macht», sagt Zumstein. Und schiebt nach: «Moderne Architektur würde mich killen.»

Seine Fliegerliebe geht auf ein Buch zurück, das er als Kind im Büchergestell seines Vaters fand: «Die grosse Arena» von Pierre Clostermann, ein Kultbuch unter Fliegerfans. Den französischen Originaltext konnte er nicht lesen, die Bilder aber faszinierten ihn.

Unterschiedliche Märkte

Seine Comics erscheinen zuerst beim französischen Delcourt-Verlag und erst danach in der deutschen Übersetzung. In Frankreich ist Zumstein denn auch bekannter als in der deutschsprachigen Welt, seine Geschichten laufen dort sehr gut.

«Die Deutschschweiz und Deutschland sind, was Comics betrifft, ein Entwicklungsland», sagt er. In Frankreich sei der Markt für Comics gross, das Land sei viel bilderfreundlicher als etwa die Schweiz.

Seine Zeichenarbeit ist mit viel Recherche verbunden. Um die Fliegermodelle realitätsgetreu wiederzugeben, sucht er Abbildungen im Internet, in Büchern und Heften. Ausserdem praktisch: Ein Freund von ihm führt in Burgdorf ein privates Fliegermuseum.

Wenn er sich eine Geschichte ausgedacht hat, zeichnet er zuerst ein Storyboard. Dann fertigt er exakte Bleistiftzeichnungen, die er am Leuchtpult mit Tusche durchpaust. Die Bleistiftzeichnungen sind begehrt, er kann sie über Pariser Galerien verkaufen.

Zum Zeichnen hört Zumstein gerne Musik oder ein Hörbuch. Meistens zeichnet er zwei Stunden am Stück, unter der Woche etwa sechs Stunden täglich. Besonders abends gehe ihm die Arbeit gut von der Hand, sagt er. An manchen Tagen arbeitet er zu Hause.

Seine Wirkungsstätte im Museum Balsthal findet er aber «noch witzig». Beim Comiczeichnen wie auch bei den im Museum ausgestellten Industrieerzeugnissen gehe es ums Handwerk: «Das passt irgendwie».