Wolfwil
Christian Kühni: «Ich gehe mit erhobenem Haupt»

Der Wolfwiler Gemeindepräsident zieht nach seinem Wahlresultat Konsequenzen und tritt per Ende Monat zurück. Christian Kühni vermochte am Sonntag nicht an das Glanzresultat vor vier Jahren als am besten gewählter FDP-Vertreter anzuknüpfen, sondern erreichte lediglich den vierten Platz auf seiner Liste.

Erwin von Arb
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Christian Kühni tritt per Ende April nach zwölf Amtsjahren als Wolfwiler Gemeindepräsident zurück. zvg

Christian Kühni tritt per Ende April nach zwölf Amtsjahren als Wolfwiler Gemeindepräsident zurück. zvg

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Im Aaregäu überschlagen sich die Ereignisse. Nach der Ankündigung der CVP, welche Anfang Woche quasi aus heiterem Himmel ihren Anspruch auf das seit Jahrzehnten von der FDP besetzte Gemeindevizepräsidium anmeldete (wir berichteten), platzt in Wolfwil die nächste politische Bombe.

Christian Kühni teilte dem FDP-Vorstand am Mittwochabend mit, dass er per Ende April von seinem Amt als Einwohnergemeindepräsident zurücktreten werde. Dies, obwohl sich der Parteivorstand noch am Montagabend im Hinblick auf die Beamtenwahlen vom 9. Juni klar hinter Christian Kühni als Kandidat für das Gemeindepräsidium sowie Georg Lindemann als Gemeindevizepräsident gestellt hatte.

«Ich habe mich nach eingehender Analyse der Wahlresultate zu diesem Schritt entschlossen», sagt Kühni zu seinem für alle Beteiligten überraschenden Entscheid. Der Wolfwiler Gemeindepräsident vermochte am Sonntag nicht an das Glanzresultat vor vier Jahren als am besten gewählter FDP-Vertreter anzuknüpfen, sondern erreichte lediglich den vierten Platz auf seiner Liste.

Das sei keine grosse Wertschätzung seiner während zwölf Jahren als Gemeindepräsident geleisteten Arbeit, findet Kühni. «Für mich stimmt es so einfach nicht mehr.»

Das gute Abschneiden der jungen Kandidaten der FDP sei ein Zeichen, dass der Generationenwechsel nun vollzogen werden sollte. Das habe ihn in seinem Beschluss bestärkt, nicht mehr als Gemeindepräsident anzutreten. «Ich habe dem FDP-Vorstand stets gesagt, dass ich nur so lange weitermache, wie es mich braucht. Nun ist dieser Zeitpunkt gekommen, es geht auch ohne mich», so Kühni.

Dass er bereits Ende April zurücktrete, also die Amtsperiode nicht beendet, findet Kühni nicht mehr als konsequent. Gemeindevizepräsident Renato Kissling habe er davon in Kenntnis gesetzt, dass er sein Amt bis zur Einsetzung des neuen Gemeindepräsidenten übernehmen müsse.

Kühni will übrigens auch sein Amt als gewählter Gemeinderat nach seinem Rücktritt als Gemeindepräsident nicht wahrnehmen. An seiner Stelle wird Urs Nützi von der FDP im Rat Einsitz nehmen.

Von einer Kurzschlusshandlung will Kühni nichts wissen. Er sei auch nicht wütend oder verbittert ob dem, was in den letzten Tagen passiert sei. «Ich wünsche mir einfach einen Abgang mit Würde.» Er sei zwar enttäuscht, trete aber erhobenen Hauptes zurück.

Keinen Einfluss auf Christian Kühnis Entscheid hatte übrigens das Vorprellen der CVP in Bezug auf die Beanspruchung des Vizepräsidiums oder die angekündigte Kampfwahl um das Gemeindepräsidium mit SVP-Kandidat André Nützi. «Ich hätte sicherlich genug Stimmen bekommen, um mich gegen André Nützi deutlich durchzusetzen», ist sich Kühni sicher. Nun gelte es, den Willen der Wählerschaft umzusetzen, die sich offenbar eine Blutauffrischung wünsche. Die FDP verfüge glücklicherweise über genügend fähige Leute (vgl. Kontext).

Am Wahlkampf für die Beamtenwahlen vom 9. Juni will sich Kühni nicht mehr beteiligen. Auch politisch werde er sich im Dorf sicher nicht mehr betätigen, stellt er weiter fest. «Mit Wolfwil und der Dorfbevölkerung werde ich mich aber auch weiterhin sehr verbunden fühlen und es geniessen, mit meiner Frau Doris im Aaregäu zu wohnen. Wir gehören hierher.»

Der FDP-Vorstand wurde von Kühnis Entscheid, nicht mehr als Gemeindepräsident anzutreten, völlig überrumpelt. «Damit haben wir natürlich nicht gerechnet, müssen seinen Entscheid aber respektieren, sagt Präsident Ruedi Nützi.

Die FDP hat bereits auf die neue Situation reagiert und für den Wahlgang vom 9. Juni Georg Lindemann für das Gemeindepräsidium und Sabin Ackermann für das Gemeindevizepräsidium zuhanden der Parteiversammlung vom 24. April nominiert. Damit ist auch klar, dass die FDP nicht Hand bietet für die Übernahme des Vizepräsidiums durch die CVP.

Die FDP stellt seit Jahrzehnten den Gemeindepräsidenten und den Statthalter, die CVP im Gegenzug die Präsidien der Bürger- und Kirchgemeinde. Die CVP setze mit ihrem Vorpreschen das politische Gleichgewicht im Dorf aufs Spiel, warnt Nützi. Auf Gegenmassnahmen, wie etwa einen Angriff der FDP auf das Bürgergemeindepräsidium, will er aber zugunsten des politischen Friedens verzichten.

«Ich hoffe natürlich immer noch, dass die CVP einlenkt» so Ruedi Nützi. Die CVP zieht denn auch in Erwägung, auf eine Kampfwahl um das Vizegemeindepräsidium bei der Einwohnergemeinde zu verzichten, wie die Parteipräsidentin und mögliche Kandidatin Karin Kissling auf Anfrage bestätigt.

«Wir versuchen abzuwägen, wie stark das von der FDP ins Feld geführte Gleichgewicht wirklich gefährdet würde.» Tendenziell sehe es im Moment aber eher nach einer Kampfwahl aus. Entscheiden werde aber auf jeden Fall die Parteiversammlung, welche am 26. April einberufen werde. Zu keiner Kampfwahl kommt es beim Gemeindepräsidium der Einwohnergemeinde.

SVP-Gemeinderat André Nützi will nach dem Rücktritt von Christian Kühni auf eine Kandidatur verzichten, allerdings erst, wenn die FDP Georg Lindemann nominiert habe. Gegen Kühni hätte er sich bei einer Kampfwahl durchaus Chancen ausgerechnet.

«Gegen Lindemann wäre ich hingegen völlig chancenlos, er kann mit breiter Unterstützung aus dem ganzen Dorf rechnen.» Nützi sieht seinen Rückzug auch als Beitrag für die Erhaltung des von CVP und FDP ebenfalls ins Feld geführten politischen Gleichgewichts.

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