Oensingen

Charity-Event für neuen Kindergarten in Kambodscha war ein Erfolg

Der Kindergarten und die Primarschule Oensingen präsentierten ihre farbenfrohen Kunstwerke.

Der Kindergarten und die Primarschule Oensingen präsentierten ihre farbenfrohen Kunstwerke.

Der Charity-Anlass für einen neuen Kindergarten im kambodschanischen Dorf Koy Maeng, der im Oensinger Bienken-Saal über die Bühne ging, war ein voller Erfolg. Initiator Chork Chhit und sein Team, sowie die anwesenden Gäste gaben mächtig Vollgas.

Wohltätigkeitsprojekte gibt es wie Sand am Meer. Und nicht selten werden die Leute mit erschütternden Bildern, traurigen Kinderaugen oder dramatischen Worten konfrontiert und zu Geldspenden aufgefordert. Auch die Tatsache, dass mehr als 400 Kinder in einem baufälligen, maroden und einsturzgefährdeten Kindergarten ihre ersten Lernerfahrungen machen müssen, könnte zu Dramatik bewegen.

So war man als Besucher nicht sicher, was einen am vergangenen Sonntag im Bienken-Saal in Oensingen wohl erwarten würde: Dort nämlich fand ein Charity-Anlass zugunsten eines Neubaus des oben genannten Kindergartens im kambodschanischen Dorf Koy Maeng statt.

Und voilà: Auf die Besucher wartete eine Überraschung. Im ganzen Saal schmückten die Nationalflaggen der Schweiz und Kambodschas den Saal und steuerten zum farbigen und fröhlichen Ambiente bei. Schon beim Eingang strömte den Besuchern der leckere Geruch von Frühlingsrollen entgegen und im Hintergrund duselte leichte kambodschanische Musik. Wenig später heizte die Band Martens den Besuchern kräftig ein. Eine überaus gelöste, erfrischende Stimmung also.

Bastelsachen entzückten

Im ganzen Saal verteilt standen Stände verschiedener Schulen der Region, deren Schüler und Schülerinnen in den letzten Wochen tatkräftig mit Schere, Leim, Nadel und etlichen anderen Geräten werkten, um ebenfalls ihren Teil für das Projekt beizusteuern. Und in der Tat: Das selbst Gebastelte der Schüler und Schülerinnen liess so manchen Besucher die Augen vor Staunen weit aufreissen.

So präsentierte etwa die Kreisschule Gäu regelrechte Kunstwerke, die von Töpferwaren, Teelichtergefässen geschmückt mit Serviettentechnik, gestrickten Mützen bis zu Krachmandeln und Konfitüren reichten. Beim Anblick dieser Ware überraschte es auch nicht, wenn eine Werk- und Hauswirtschaftslehrerin die Arbeit als zeitintensiv beschrieb. «Die Kinder waren motiviert, dies vor allem weil der Initiator des Projektes, Chork Chhit, die Schüler persönlich in sein Vorhaben einführte.»

Das ganze Material sei aus dem Werkkredit finanziert worden, weshalb das eingenommene Geld vollumfänglich dem Projekt zugewiesen werden könne, so eine andere Werklehrerin. Und in der Folge verriet sie noch ein Geheimnis, welches die selbst gemachten Kulturbeutel betraf, die einem sofort ins Auge sprangen: «Die Inspiration hierfür stammt von Zalando.»

Auch der Kindergarten und die Primarschule Oensingen waren am Event vertreten und verzückten mit ebenso fantasievollen Gegenständen: Schmucksteine, «Lesemäuse» (gestrickte Mäuse als Buchzeichen) oder ein passendes Oensingen-Memory sorgten für klirrende Kassen zugunsten der Kinder in Koy Maeng.

Kulinarik kam nicht zu kurz

Für die knurrenden Mägen war ebenfalls bestens gesorgt. Wie wäre es mit kambodschanischen Spezialitäten wie einem Poulet an rotem Curry von Chhits’ Restaurant «Zur Lotus» zubereitet und als krönender Abschluss ein leckeres Stück Kuchen der Kreisschule Bechburg? Schliesslich lässt es sich bei leerem Magen schlecht Geld ausgeben.

Um den anwesenden Gästen die kambodschanische Kultur und Lebensweise näherzubringen, dafür war Chanthy Sem zuständig. Der Priester des buddhistischen Klosters Walterswil machte auf die Schwachstellen Kambodschas aufmerksam: «Die Mehrheit der Bevölkerung hat keinen Zugang zu Bildung und Kindergärten sind leider Mangelware.» Deswegen brauche das Land unbedingt einen weiteren Kindergarten.

Das Projekt von Chork Chhit sei laut Sem ein Symbol für die Erinnerung: «Durch dieses Projekt zeigen wir in der Schweiz lebenden, zufriedenen Kambodschaner, dass wir unsere Landsleute nicht vergessen haben. Momentan steht der Kindergarten von Koy Maeng unter Wasser. Wenn es dort eine Überschwemmung gibt, dann schwimmen auch wir hier in der Schweiz.» Schöner kann die Verbundenheit zur Heimat wohl nicht ausgedrückt werden. Das Projekt sei der Weg, um das Leiden zu beenden, führte Sem weiter aus.

«Leute spürten, wofür Herz schlägt»

Dass der Weg steinig sein kann und am besten zu zweit oder vorzugsweise mit einer ganzen Schar gegangen werden sollte, dies hat Chork Chhit am eigenen Leib erfahren. Mit seiner guten Freundin, der Schulsozialarbeiterin Doris Born, und einem ganzen Helfertrupp möchte er den Neubau des Kindergartens realisieren.

Doch ohne Spender und Sponsoren würde der neue Kindergarten vermutlich nur auf dem Papier oder in den kühnsten Träumen bestehen. «Ich hatte das Glück durch mein Restaurant ‹Zur Lotus› viele der Sponsoren persönlich zu kennen. Diese Leute spürten, wofür mein Herz schlägt und schenkten mir ihr Vertrauen», so Chhit.

«Wir werden bauen können»

Und bald schon standen Chhit, Born und weitere Helfer an der Seite von Moderator Willy Beutler auf der Bühne. Dieser überbrachte schon zu Beginn eine freudige Botschaft: «Wir werden bauen können!»
Denn schon nur aufgrund der Spenden von Privatpersonen und Sponsoren, wie auch dem Engagement der Schüler und Schülerinnen, die Aerobickurse gaben oder Kuchenverkäufe lancierten, konnten sage und schreibe 54 338 Franken eingenommen werden.

Doris Born musste einige Versuche starten, um den richtigen Betrag aussprechen zu können und zeigte sich gerührt von dem grossen Engagement aller Beteiligter. Auch Chhit erging es nicht besser. «Mir fehlen die Worte.» Mit dem zusätzlich eingespülten Geld des Anlasses würden Schulsachen und Uniformen gekauft und Schulgelder der Kinder bezahlt werden, so Chhit. Ausserdem könne das Geld gut für Toiletten, Wasserleitungen oder die Kanalisation gebraucht werden, ergänzte Born.

Gerührt vom Spektakel hatten einige Gäste ebenfalls feuchte Augen, doch bald darauf versiegten die Tränen: Elvisimitator René Wettstein alias Renelvis entführte die Besucher in die Welt des Rock ’n’ Roll. Wenig später betrat der Formel-1-Rennfahrer Adrian Sutil die Bühne und berichtete von seiner Beziehung zu Chhit: «Das erste Restaurant, welches ich in Oensingen besuchte, war das ‹Zur Lotus› von Chork Chhit.» Es sei das erste Projekt, bei welchem er wirklich mit dem Herzen dabei sei. «Oensingen ist ja eher klein, aber die bereits eingenommene Summe ist grossartig.»

Wenig später beglückte der Tenor Patrick von Castelberg mit Stücken wie «I need your love» das Publikum. «Wobei es eigentlich ‹they need your love› heissen sollte», wie von Castelberg mit Blick auf ein Foto von Koy Maeng richtigstellte.

Vollgas geben an der Auktion

Nach einem Duett mit Überraschungsgast Eveline Suter ging es ans Eingemachte: Die Auktion konnte beginnen. Ob ein Candle-Light-Dinner im «Zur Lotus», ein Rundflug mit der Motorfluggruppe Langenthal oder Computergames; Moderator Beutler und von Castelberg kamen mit dem Händezählen beinahe nicht nach. Höhepunkt der Versteigerung war der Renn-Overall von Adrian Sutil, der für traumhafte 4600 Franken an den Mann gebracht wurde. Da gab jemand wahrhaftig Vollgas! Kein Wunder also, dass am Charity-Event gesamthaft satte 17 492 Franken in die ohnehin schon gefüllten Kassen flossen.

Eine Tanzeinlage einer kambodschanischen Kindertanzgruppe eröffnete die Bühnenschau, ein weiteres Tanzspektakel, wie auch eine zusätzliche Gesangseinlage von Patrick von Castelberg und Eveline Suter läuteten den Anlass aus.

Zu Beginn seiner Moderation sagte Beutler an Chhit und dessen Team gewandt: «Das kommt alles wieder zurück!» Spätestens im April, wenn der Bau des Kindergartens nach Plan realisiert sein müsste, werden sich Chork Chhit, Doris Born und das ganze Team diese Worte in Erinnerung rufen.

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