Vom Gäu aus den Güterverkehr revolutionieren. Dieses Ziel verfolgen die Träger des Projektes Cargo sous terrain. Sie stellten ihr visionäres Logistiksystem vor rund drei Jahren der Öffentlichkeit vor und erzeugten damit landesweit viel Aufmerksamkeit. Cargos sous terrain will den Güterverkehr von der Strasse in den Untergrund verlegen: Über ein unterirdisches Tunnelsystem würde die Ware dabei auf einem vollautomatischen, elektrisch angetriebenen Schienensystem auf drei Spuren transportiert.

Das Gäu als eines der wichtigsten Logistikzentren der Schweiz, spielt in den Plänen von Cargos sous terrain eine Hauptrolle (wir berichteten). In einer ersten Etappe wollen die Logistik-Pioniere bis 2030 eine Verbindung zwischen dem Logistik-Cluster bei Härkingen und der Region Zürich herstellen.

Cargo Sous Terrain

Cargo Sous Terrain

Nachdem die Initianten im vergangenen Jahr 100 Millionen Franken für die Startfinanzierung zusammenbrachten, geht Cargo sous terrain in die Vorbereitungsphase über. Geschehen soll dies von Olten aus, wie das Unternehmen gegenüber dieser Zeitung bestätigt. Im Frühjahr begann Cargo sous terrain per Stelleninserat unter anderem einen Projektleiter für den Aufbau des operativen Betriebs im Grossraum Olten zu suchen. Kommunikationschef Patrik Aellig bestätigt, dass das unterirdische Gütersystem von Olten aus geplant werden soll: «Wir sind auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten, um in Olten ein Büro in Betrieb zu nehmen.» Der Sitz der Firma liegt heute in Basel und dies werde gemäss Aellig vorderhand so bleiben.

Warten auf das Gesetz

Bevor die Planungsphase in den Oltner Büros effektiv beginnen kann und das Projekt von der Vision zur Realität wird, muss Bundesbern den nächsten Schritt machen. Im November 2016 hatte sich der Bundesrat nämlich dafür ausgesprochen, das Projekt zu stützen. Eine Mitfinanzierung durch den Bund lehnte er jedoch ab. Unterstützung von oben soll «Cargo sous terrain» durch ein Spezialgesetz erhalten.

Im vergangenen September kündigte der Bundesrat an, er werde eine Vernehmlassung zum Cargo-sous-terrain-Gesetz eröffnen. Im Frühling dürfte es soweit sein – das nationale Parlament würde das Gesetz voraussichtlich 2020 behandeln und beschliessen. Wird der Zeitplan, wie sich dies Cargo sous terrain erhofft, eingehalten, wäre der Weg für die Planung des unterirdischen Tunnelsystems frei. Ab 2025 – so die Zielsetzung der Aktiengesellschaft – soll die erste Etappe des für 3,5 Milliarden Franken veranschlagten Tunnels zwischen Härkingen/Niederbipp und Zürich in Bau gehen.

Die Rolle des Bahnknotenpunkts

In Olten beginnen die Arbeiten bereits im laufenden Jahr. Beispielsweise die städtische Feinverteilung und die IT-Plattform zur Steuerung des Gesamtlogistiksystems will Cargo sous terrain bereits in den kommenden Jahren vorantreiben. Auch gehe es darum, die künftigen Planungsschritte vorzubereiten, sagt Kommunikationschef Aellig. Dass Cargo sous terrain von Olten aus plant, hat wie so oft mit dem strategisch günstigen Bahnknotenpunkt zu tun. «Olten ist ein guter Standort, wenn Menschen aus verschiedenen Städten zusammenfinden», sagt Aellig. Hinzu kommt die Nähe zum wichtigen Standort im Gäu, wo die erste Teilstrecke anfangen wird.

Momentan beschäftigt das visionäre Logistikunternehmen drei Angestellte. Bald schon sollen in Olten bis zu zehn Mitarbeiter für die Vorbereitung und die Planungsphase des unterirdischen Gütersystems beschäftigt sein. «Wir haben noch keine laufenden Einnahmen», erklärt Aellig die schlanken Strukturen. Würde das Projekt realisiert, so dürfte der Mitarbeiterbestand zunehmen.

Vor zwei Jahren gab es Skepsis

Im Gäu, wo ab 2030 das futuristische Gütertransportsystem seine Nullstunde erleben soll, machte sich bei bekanntwerden des Projekts vor zwei Jahren Skepsis breit. Gemeindevertreter und Kanton befürchteten, Cargo sous terrain könnte in der Region zusätzlichen Verkehr und eine weitere Konzentration von Lagerhäusern verursachen. Denn die Waren müssen über sogenannte Hubs – eigentliche Warenbahnhöfe – dem Untergrund zugeführt werden.

Mit den Warenbahnhöfen will Cargo sous terrain die unterirdischen Transportröhren verbinden. Im Gäu plant das Unternehmen, drei solche Hubs zu installieren. In welchem Raum diese hinkommen könnten, möchte das Unternehmen noch in diesem Jahr bekannt geben. Zu den Bedenken bezüglich Verkehrsaufkommen entgegneten die Initianten, durch das unterirdische Transportsystem zwischen Härkingen und Zürich würde gemäss ihren Berechnungen auf der Autobahn eine Verkehrsentlastung von 20 Prozent zu erwarten sein.