Niederbuchsiten
Bürger wollen keinen «Block» im Zentrum

Das Projekt «Linde» des Gemeinderates hatte an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung keine Chance.

Rebecca Balzarini
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Der geplante Neubau im Dorfzentrum von Niederbuchsiten wurde abgelehnt.

Der geplante Neubau im Dorfzentrum von Niederbuchsiten wurde abgelehnt.

zvg

Es war voll am Mittwochabend im Forum der Kirche St. Niklaus. «Ich wusste gar nicht, das Niederbuchsiten so viele Einwohner hat», witzelte ein Teilnehmer am Eingang. Stühle gab es bald keine mehr, viele der 101 Anwesenden mussten auf Hockern oder auf Tischen Platz nehmen. Publikumsmagnet an diesem Abend war das Projekt «Linde». Die Gemeindeversammlung sollte einem Kreditantrag in der Höhe von 4,6 Mio. Franken zustimmen.

Die Planung für das Projekt «Linde» läuft seit 2012. Es sollte die Lücke im Dorfzentrum füllen, welche nach dem Abbruch des Gasthauses Linde im letzten Frühling entstanden war. Geplant hatte der Gemeinderat ein Wohn- und Geschäftshaus mit Gewerbeflächen im Erdgeschoss, und je vier 2 1/2- und 3 1/2-Zimmer-Wohnungen. Dazu ein Dorfplatz und darunter eine Tiefgarage.

Kritische Stimmen im Vorfeld

Der geplante Neubau im Dorfzentrum passte nach Meinung des Gemeinderats perfekt zum räumlichen Leitbild der Gemeinde. Darin wurde das Ziel formuliert, dass die Gemeinde auf die Verdichtung innerhalb des bestehenden Siedlungsgebietes setzt und dass Wohnraum für ältere Menschen geschaffen werden soll. Mit dem Projekt «Linde» sollte zudem im nördlichen Dorfteil ein Begegnungsort für Junge, Familien und ältere Personen entstehen.

Der Gemeinderat war von dem Projekt überzeugt. Trotzdem war klar, dass der Kreditantrag es bei der Stimmbevölkerung schwer haben würde. Das zeigte sich bereits bei einer Konsultativabstimmung im November. Bei dieser hatte sich rund ein Drittel der damals an der Gemeindeversammlung Anwesenden gegen den Bau ausgesprochen, viele hatten sich bei der Abstimmung enthalten. Trotzdem zeigte sich der Gemeindepräsident vor der ausserordentlichen Gemeindeversammlung am Mittwochabend optimistisch: «Die informelle Befragung war nicht ideal verlaufen», sagte Markus Zeltner Ende letzter Woche gegenüber dieser Zeitung. Und weiter: «Ich denke, dass die Einwohner von Niederbuchsiten gerne in ein schönes Dorfzentrum investieren wollen».

«Block passt nicht ins Zentrum»

An der Gemeindeversammlung vom vergangenen Mittwoch wurde klar: Ja, die Einwohner von Niederbuchsiten wollen durchaus in ein schönes Dorfzentrum investieren. Aber nicht so, wie sich der Gemeinderat das vorstellt. Das Projekt «Linde» stiess auf keinen Anklang, genauso, wie es bei informelle Befragung der Bevölkerung im November schon abgezeichnet hatte. Bei einigen Versammlungsteilnehmern war deswegen von Beginn weg kein Verständnis dafür vorhanden, dass die Stimmberechtigten überhaupt über den Kreditantrag abstimmen sollen. «Wir haben im November doch schon gesagt, dass wir das Projekt nicht wollen», ärgerte sich ein Einwohner.

Trotzdem trat die Versammlung auf das Geschäft ein, und in der Diskussion dazu zeigte sich, welche Punkte den Einwohnern von Niederbuchsiten am wenigsten behagten: «Wer will denn in diesem Block wohnen? So nahe an der Strasse, das zieht doch keine Mieter an», zweifelte einer. «Und wollen wir jetzt ältere oder jüngere Leute in dem Block? Das mit dieser Durchmischung klappt doch nie», wurde weiter bemerkt. Ein anderer störte sich an der ungeklärten Parkplatzsituation, und einem Dritten gefiel das geplante Gebäude nicht: «Uns interessiert die Rendite für die Gemeinde nicht. Wir wollen einfach, dass es schön aussieht im Zentrum. Und da passt dieser Block nicht hin.»

Die Antworten des Gemeinderats auf diese Zweifel überzeugten die Stimmberechtigten nicht. Mit 52 gegen 38 Stimmen lehnten sie den beantragten Kreditantrag von 4,6 Mio. Franken für die Realisierung des Projekts ab. Auch der Eventualantrag des Gemeinderats wurde mit grosser Mehrheit abgelehnt. Nach diesem hätte die Gemeinde immerhin 750 000 Franken in den Bau einer Tiefgarage und einen neuen Dorfplatz investieren können.

Gemeindepräsident akzeptiert

Gemeindepräsident Markus Zeltner akzeptierte die Entscheidung. Trotzdem war er enttäuscht. «Es ist wirklich schade. Es wäre ein schönes Projekt gewesen für Niederbuchsiten». Nun werde die Gemeinde vorerst einen kleineren Betrag investieren, um das Areal des ehemaligen Gasthauses Linde immerhin ein bisschen zu verschönern. «Grosse Projekte planen wir vorerst aber keine mehr», hielt Markus Zeltner fest.