Der Brandgeruch rund um die durch ein Grossfeuer zerstörte Rütti AG ist auch eine Woche später noch deutlich wahrnehmbar. Auf den Brandplatz selbst herrscht gespenstische Ruhe, während Vögel am frühen Morgen mit ihrem Gezwitscher den heranbrechenden Tag begrüssen.

Was den verheerenden Brand ausgelöst hat, ist weiter unklar, wie Melanie Schmid von der Medienstelle der Kantonspolizei erklärt. Die Brandermittler hätten ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen.

Mit den Aufräumarbeiten auf dem Brandplatz kann erst begonnen werden, wenn die Brandermittler ihr Einverständnis geben, erklärt der Direktor der kantonalen Gebäudeversicherung, Alain Rossier. Wann mit dem effektiven Abriss begonnen werde, könne noch nicht gesagt werden.

Das hänge davon ab, wie schnell der Eigentümer wisse, wie mit den beschädigten Gebäuden weiter verfahren wird. Ausser dem Wohnhaus und den Büroräumen wurden sämtliche Haupt- und Nebengebäude der ehemaligen «Sagi» ein Raub der Flammen.

Wichtige Scharnierfunktion

Weil sich Besitzer Max Rütti noch nicht in der Lage sieht, über das Erlebte zu sprechen, wie er ausrichten liess, bleibt weiter offen, wie es mit dem knapp 6800 Quadratmeter grossen Areal weiter gehen könnte.

Bereits dazu geäussert hat sich Gemeindepräsident Roland Stampfli, der im Unglück auch die Chance sieht, das Dorf attraktiver zu gestalten. Er könne sich vorstellen, dass auf dem Areal an der Falkensteinstrasse mittels eines Gestaltungsplans ein neuer Wohn- und Gewerbebereich entstehen könnte.

Eine solche Nutzung des Areals könnte sich auch der Balsthaler Architekt Peter Hammer vorstellen. In der Dorfstruktur habe der Standort als Scharnier zwischen dem Zentrum und dem südlichen Teil von Balsthal eine sehr wichtige Funktion.

Zusammen mit dem Augstbach, der das Areal durchquere, könnten sehr attraktive Aussenräume entstehen. «Aufgrund der zentralen Lage, könnte sich ein gut belebtes Nebeneinander von Wohnen, Dienstleistungen und Gewerbe entwickeln», glaubt Hammer.

Da der Bedarf an Wohnungen, Dienstleistungen und Gewerbe eher abgedeckt sei, glaube und wünsche er, dass die Familie Rütti in Nutzung und Form etwas Einzigartiges, Aufregendes, Visionäres, Pionierhaftes oder vielleicht auch etwas Verrücktes erstelle.

«So wie es vor Jahrzehnten auch der Bau der ‹Sagi› war. Diese hatte eine Ausstrahlung weit über Balsthal hinaus», bemerkt Hammer mit dem Verweis, dass es ihm aus Respekt gegenüber der Familie Rütti eigentlich gar nicht zustehe, Vorschläge zu unterbreiten.

Wie weiter mit dem Schreinerei-Areal in Balsthal?

Wie weiter mit dem Schreinerei-Areal in Balsthal? Das meinte der Gemeindepräsident am Montag.


«Die Besitzer sind gefragt»

Der ehermalige Gemeindepräsident Willy Hafner will sich genau aus diesem Grund nicht ungefragt zu allfälligen Projekten auf dem «Sagi»-Areal äussern, wie er betont. Dabei handle es sich um ein privates Grundstück und nur die Besitzer selbst hätten das Recht, über dessen weitere Zukunft zu befinden.

Und auch wenn er selbst der Besitzer des besagten Landes wäre, könnte er zum jetzigen Zeitpunkt wohl auch noch nicht sagen, wie es weiter gehe. «Ich schätze, dass mindestens vier bis fünf Monate vergehen werden, bis sich abzeichnet, wie es mit dem ‹Sagi›-Areal weiter gehen könnte», so Hafner.

Zusätzlichen Raumbedarf für die Dorfvereine gibt es offenbar nicht. Dieser Ansicht ist zumindest Lorenz Freudiger. Seit dem Bau der Sporthalle im Kulturzentrum Haulismatt seien die Vereine gut gehalten. Der ehemalige Präsident des Turnvereins übt sich ebenfalls in Zurückhaltung.

Er wolle sich nicht mit politischen Aussagen die Finger verbrennen, so Freudiger. Eine Gewerbe- und Wohnzone halte er auf dem erwähnten Areal aber für denkbar. Mit Blick auf die leeren Schaufenster in der Goldgasse, müsste ein solches Projekt aber kritisch hinterfragt werden.

Als wichtig erachte er die Schaffung von neuen Parkplätzen. Davon gebe es in Balsthal zu wenig.


Ortsbild von nationaler Bedeutung
Noch keine konkrete Meinung über mögliche Nachfolgeprojekte gebildet hat sich Bürgergemeindepräsident Thomas Fluri. Eine optische Aufwertung des Ortsbildes erachte er als nicht vordringlich, zumal Balsthal ohnehin über ein solches von nationaler Bedeutung verfüge.

Eine andere Nutzung des Areals halte er aber für denkbar. Die Planung dafür werde aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Er hoffe allerdings, dass diese nicht Jahre dauern werde und Balsthal damit während längerer Zeit mit einer Brache mitten im Dorf leben müsse.