Nach der Einwohnergemeinde, die im kommenden Jahr hohe Steuerausfälle zu verkraften hat (wir berichteten), droht auch der Bürgergemeinde Neuendorf Ungemach auf der Einnahmenseite. Dabei geht es um 150 000 bis 200 000 Franken, die jährlich durch den Kiesabbau in der Grube Aegerten Nord in die Kasse der Bürgergemeinde fliessen. 2014 sind Einnahmen von 180 000 Franken budgetiert. «Diesen Betrag werden wir nicht erreichen», erklärt Bürgergemeindepräsident Emil Lämmle.

Als Grund nennt er die durch Einsprachen blockierte Erweiterung der Kiesgrube. Deshalb seien die Abbauarbeiten praktisch zum Erliegen gekommen. Derzeit werde lediglich noch Aushubmaterial eingelagert. Auch diese Kapazität sei bald erschöpft. «Wir rechnen nicht mit einer baldigen Lösung und haben deshalb für 2015 eine Nullrunde beim Kiesabbau budgetiert», so Lämmle. Wenn diese Situation länger anhalte, müsse die Bürgergemeinde ihre Ausgabenpolitik und damit auch Beiträge an die Einwohnergemeinde oder Vereine überdenken.» Letztere unterstützte die Bürgergemeinde im laufenden Jahr mit 30 000 Franken. Darben muss die Bürgergemeinde aber dennoch nicht. Sie verfügt noch über ein Eigenkapital von rund 8 Mio. Franken und ist zudem Eigentümerin von drei Mehrfamilienhäusern.

Ohne Bewilligung kein Ausbau

Wann die Kiesgrube Aegerten Nord wie im kantonalen Richtplan vorgesehen erweitert werden kann, ist ungewiss. Wegen der hängigen Einsprachen gilt der Gestaltungsplan nicht als bewilligt. Nicht erfolgen kann deshalb die für die Erweiterung der Grube notwendige Rodung von rund 143 000 Quadratmeter Wald, um weitere 1,2 Mio. Kubikmeter Kies abbauen zu können. Die Bewilligung für den Hieb erteilt der Regierungsrat erst dann, wenn der erwähnte Gestaltungsplan inklusive Erschliessung bewilligt ist.

Knackpunkt bei der Bewilligung ist die Verkehrserschliessung, welche anfang 2013 mit dem Gestaltungsplan «Erweiterung Kiesabbau und Auffüllung Aegerten» aufgelegt wurde. Diese sieht vor, dass die Anfahrt der Lastwagen wie bis anhin über die Fulenbacherstrasse und der Abtransport neu über die Wolfwilerstrasse erfolgen sollen. Dies sei in der Vergangenheit bereits einige Monate erfolgreich praktiziert worden, wurde seitens der Einwohnergemeinde argumentiert.

Mit dieser Linienführung nicht einverstanden sind 23 Einsprecher, die allesamt an der Wolfwilerstrasse wohnen. «Wir finden, dass die vorgeschlagene Route über die Wolfwilerstrasse nicht optimal ist», erklärt Heinz Flück die Position der Einsprecher. Die rund 5 Meter breite Strasse ausserhalb des Siedlungsgebietes sei zu schmal zum Kreuzen zweier Lastwagen. Gemäss Erhebungen des Kantons müsse jährlich mit rund 13 000 Durchfahrten über die Wolfwilerstrasse gerechnet werden. Angenommen werde ferner, dass rund 60 Prozent der von Wolfwil kommenden Lastwagen in Richtung Osten abbiegen werden und dannach durch das Dorf fahren. «Aus verkehrstechnischer Sicht und aus Umweltgründen ist das nicht zu verantworten», moniert Flück.

Einsprache mit Vorankündigung

Der Gemeinderat sei im November 2012 schriftlich aufgefordert worden, die Verkehrsführung eingehend zu überprüfen. «Wir haben ferner angekündigt, gegen den Gestaltungsplan Einsprache zu erheben, wenn nicht zuerst mittels Verkehrsstudie nach besseren Lösungen gesucht wird», führt Flück weiter aus. Im Vordergrund stehe nicht, den Verkehr auf die Fulenbacherstrasse abzuschieben. Die vorgesehene Halbierung des Lastwagenverkehrs auf der Fulenbacherstrasse durch eine Routenänderung werde begrüsst, sie müsse aber auf einer fundierten Grundlage erfolgen. Deshalb sei es nur konsequent gewesen, innerhalb der vom 10. Januar bis 11. Februar 2013 dauernden öffentlichen Auflagefrist gegen den Gestaltungsplan Einsprache zu erheben.

Als Wermutstropfen empfinden die Einsprecher die Anfang Jahr vom Gemeinderat in Auftrag gegebene Nutzwertanalyse. «Mit dem Resultat, dass die im Gestaltungsplan vorgesehene Route «Zirkular» über die Fulenbacherstrasse und die Wolfwilerstrasse bezüglich der Eignung von den insgesamt sechs Modellrechnungen nur gerade den vierten Platz belegte», wie Flück bemerkt. Favorisiert wurde von der Projektgruppe und unter der Federführung vom Büro BSB + Partner, Oensingen, die Variante «Fulenbacherstrasse Mitte». Diese sieht eine Zufahrt zur Grube über die Fulenbacherstrasse sowie die Rückfahrt über eine noch zu erstellende oder auszubauende Strasse via den Erlenstutz über die ehemalige TCS-Versuchsstrecke in die Hauptstrasse Richtung Härkingen vor. In der Projektgruppe wirkten neben Vertretern vom Kanton, dem Gemeinderat, der Grubenbetreiberin Kies Neuendorf AG und den Einsprechern auch Anwohner der Fulenbacherstrasse mit. Damit bekomme die ausgewählte Variante noch mehr Gewicht, findet Flück.

Vereinbarung abgelehnt

Obwohl sich die der Vigier Beton Mittelland AG Flumenthal angehörende die Kies Neuendorf AG dazu bereit erklärt hatte, die Kosten von 1 Mio. Franken für die Planung und die Realisierung des Modells «Fulenbacherstrasse Mitte» zu übernehmen, kam keine Einigung zustande. «Wir hätten auf der Grundlage eines Entwurfs der Kies Neuendorf AG unsere Einsprachen zurückziehen sollen», sagt Flück dazu.

Die Vereinbarung habe ferner vorgesehen, dass bis zur Realisierung der Bestvariante die «Zirkularvariante» mit Zufahrt über die Fulenbacherstrasse und Rückfahrt über die Wolfwilerstrasse als Übergangslösung dienen sollte. Dafür sei das Vertrauen in die Behörden aber zu wenig gross. «Wenn wir jetzt Ja sagen, dauert diese Übergangslösung mehrere Jahre, und das Projekt könnte vielleicht sogar abgesagt werden», meint Flück zum befürchteten Szenario der Einsprecher.