Kaum war Regierungsrat Remo Ankli auf dem Schauplatz Mittler Passwang eingetroffen, scharten sich Leute um ihn. Die Berichterstatterin dieser Zeitung bittet ihn um ein Bild mit einer Kuh. Und schon ging es los, kreuz und quer mit Zurufen und Neckereien. «Bringt ihm ja keine schwarze Kuh, Aber blaue Kühe gibt’s nicht hier! Vielleicht eine Rote?» Jemand forderte, er solle posieren mit einer behornten Kuh, die sei doch grad hoch aktuell.

Protest von vielen Viehzüchtern, wohlwollende Äusserungen von ebenso vielen Frauen. Ein Bauer meinte, so ein Bild würde der Zeitung sicher Leserbriefe bringen. Ein Mann machte den salomonischen Vorschlag, eine weisse Kuh neben Ankli zu stellen; die sei am neutralsten.

Diese Szene zeigt, wie es auf dem Passwang-Schauplatz zugeht: Die Besucher stehen beieinander, plaudern, tratschen, lachen, scherzen. Weder Alter noch Stand noch die politische Gesinnung zählen. An diesem Tag sind alle einer Meinung, nämlich dass diese Schau eines der prächtigsten heimatlichen Spektakel ist weit und breit.

Passwang wird zur Konzerthalle

Die sieben Züchterfamilien des Viehzuchtvereins Passwang (VZVP) kommen seit Jahren mit ihren geschmückten Tieren zu Fuss auf den Schauplatz, egal wie lange der Weg ist. Während zweier Stunden ist der Passwang eine Aussenkonzerthalle, heute würde man sagen: «an outdoor concert hall». Es klingt und tönt aus allen vier Winden, die Tongeschlechter wechseln sich ab, ebenso die Lautstärken.

Eine Gruppe verschwindet in einem Wäldchen, bleibt eine Weile unhörbar, um dann mit Getöse aus dem Gehölze hervorzutreten. Über den melodiösen Glocken- und Treichelklängen schweben die gelassenen Rufe der Begleitpersonen. Beim Vorbeiziehen an den Hundertschaften von Besuchern ertönen Zurufe, es wird gewinkt und gejuchzt. Wenn den Tieren nach der Ankunft die Glocken ausgezogen und an der «Garderobe» deponiert sind, herrscht auf einmal eine heilige Ruhe.

«Im Jahr 2007 – die Viehschau fand noch im familiären Rahmen statt – brachten diese Solothurner Zeitung und das Oltner Tagblatt erstmals einen grossen Schaubericht», erinnern sich die Passwang Züchterfamilien. Darauf folgten jährlich Porträts von den Familien als Vorschau und einen Bericht nachher.

«Das brachte uns jedes Jahr mehr Viehschau-Liebhaber», sagt Präsident Adolf Zemp vom Unter Passwang (bis vor zwei Jahren hatte Franz Walser von der Oberen Wechten während 24 Jahren dieses Amt inne). Am Mittwoch parkierten zwei Cars auf dem Parkplatz Zingelen: einer aus dem Kanton Solothurn und einer gar aus Adelboden. Das führte zur Frage, ob jetzt die Berner Oberländer an den Jurasüdfuss kommen, um hier irgendetwas abzuschauen …?