Balsthal
«Brennendes Herz»: Satz im Inserat machte alten und neuen Pfarrer neugierig

Anlässlich seiner Pensionierung gibt der reformierte Pfarrer von Balsthal Alfred Aebersold nach 11 Jahren sein Amt ab. Per 1. Oktober übernimmt sein Nachfolger Jürg von Niederhäusern. Beide wurden durch einen bestimmten Satz im Inserat auf die Stelle aufmerksam.

Gabriela Strähl
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Alfred Aebersold (links) und Nachfolger Jürg von Niederhäusern in der reformierten Kirche in Balsthal.

Alfred Aebersold (links) und Nachfolger Jürg von Niederhäusern in der reformierten Kirche in Balsthal.

Bruno Kissling

«Ich freue mich darauf, wieder mehr Zeit zu haben für alles, was in den letzten Jahren zu kurz gekommen ist», so der reformierte Pfarrer Alfred Aebersold zu seiner anstehenden Pensionierung. Beispielsweise wolle er die Zeit nutzen, um mit seinen Enkeln Ski fahren zu gehen. Ausserdem zieht er nach Olten. Für ihn gelte es nun, eine neue Berufung zu finden, «etwas, das, wie ich finde, jeder Pensionierte tun sollte, statt untätig herumzusitzen».

Aebersold, geboren und aufgewachsen in Heimberg bei Thun, war 15 Jahre lang als Bauleiter tätig, bevor er mit 39 Jahren die Ausbildung zum Pfarrer abschloss. Er verbrachte vier Jahre mit einer evangelischen Missionsgemeinschaft in Afrika. Seine erste Stelle als Pfarrer trat er in Lotzwil im Oberaargau an.

Anschliessend wurde er auf das Inserat für die Stelle in Balsthal aufmerksam. «Wir suchen einen Pfarrer mit einem brennenden Herzen für Jesus», stand als einleitender Satz. «Da fragte ich mich, ob das auf mich zutrifft. Ich beschloss, die Herausforderung anzunehmen», so der 64-Jährige.

Während seiner Zeit in Balsthal sagte ihm die familiäre Stimmung zu. «Ich habe versucht, auf Augenhöhe mit der Gemeinde zu sein», so Aebersold. Direkte Aussprachen und ehrlicher Umgang gehörten dazu. Was er in seiner Zeit als Pfarrer lernte? «Man muss auf die Menschen eingehen, wie sie sind und sie nicht mit eigenen Vorstellungen überhäufen. Ich habe immer nach dem gemeinsamen Nenner gesucht, und wenn er noch so klein war.»

Für ihn war die Verkündigung des Evangeliums stets sehr wichtig. Doch für einen Pfarrer gelte es, Gottes Wort auch zu leben, «das wiegt mehr als die Predigt, denke ich».

Er erklärte der Kirchgemeinde, dass es nun an der Zeit sei, eine neue Person willkommen zu heissen. «Jürg von Niederhäusern hat einen anderen Lebens- und Glaubensweg und setzt andere Schwerpunkte. Das soll so seinen Platz finden», sagt Aebersold lächelnd. Das Amt gibt er mit einem guten Gefühl und Zuversicht ab.

Jürg von Niederhäusern amtet aktuell als Pfarrer in Seon AG. Der einleitende Satz im Stelleninserat, den damals schon Aebersold interessiert hatte, sprach ihn sofort an. Kurz darauf stattete er Balsthal im vergangenen September einen ersten Besuch ab. «Ich habe Alfred gefragt, ob denn sein Herz wirklich immer für Jesus gebrannt habe. Er antwortete mir, dass dies der Fall war, aber nicht immer im gleichen Mass. Diese ehrliche Antwort hat mich beeindruckt», so von Niederhäusern.

Der 52-Jährige wuchs in St. Gallen und Schaffhausen auf und ist seit 23 Jahren als Pfarrer tätig. Er amtete zuerst in Densbüren-Asp im Fricktal und wechselte vor elf Jahren nach Seon. Er hätte zwar nie gedacht, auf dem Land oder in einer Diaspora-Gemeinde zu arbeiten, wo die Reformierten die Minderheit darstellen, freut sich nun aber auf den Stellenantritt. Dabei schätzt er, dass Aebersold ihm im Hinblick auf die neue Herausforderung alle Hilfe bietet, die möglich ist.

Was ihm als Pfarrer wichtig ist? Dies sei vor allem die Lebenshilfe und die Begleitung von Menschen, aber auch die aktive Beteiligung am Gottesdienst. «Ich freue mich immer, wenn Menschen ihre Erlebnisse im Gottesdienst teilen. Zum Beispiel redete an Muttertag eine achtfache Mutter über ihre Erlebnisse mit Gott. Dies macht den Gottesdienst direkter und bringt die Botschaft näher zu den Menschen», erzählt er. Dies erlebte er schon bei seinen früheren Stellen und ist ihm auch für die Zeit in Balsthal wichtig, neben einem offenen und ehrlichen Umgang miteinander.

In der Lebenshilfe und in der Seelsorge gehört für ihn auch dazu, dass die Leute nicht nur das Negative sehen. «Ich animiere die Menschen in der Seelsorge, alle Wunder aufzuschreiben, die ihnen widerfahren. Dadurch richtet sich der Blick vermehrt auf die positiven Erlebnisse», so von Niederhäusern. Dadurch merke man: Mein Herz schlägt nicht nur für Jesus, sondern auch stark für meine Mitmenschen.

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