Oensingen

Braucht es im Parkhaus Holinden wirklich 1200 Plätze? Bell will das nun prüfen

Ob das Parkhaus Holinden mit 1200 Parkplätzen ausgestattet wird, soll nach Vorliegen des Mobilitätskonzepts geprüft werden.

Der Gemeinderat Oensingen verabschiedet den Mitwirkungsbericht für das geplante Parkhaus Holinden und den Rinderschlachthof. Dem Bericht zufolge will Bell die Hauptanliegen des VCS aufnehmen und das geforderte Mobilitätskonzept vor der Auflage der Nutzungsplanungen vorlegen.

Am Montagabend hat der Gemeinderat den Mitwirkungsbericht für den Erschliessungs- und Gestaltungsplan «Bell Dünnernstrasse» sowie den Gestaltungsplan «Parkhaus Holinden» mit Sonderbauvorschriften zur Kenntnis genommen und zur Veröffentlichung auf der Gemeinde-Homepage frei gegeben. Dem Bericht zufolge gingen innerhalb der Auflagefrist eine Eingabe vom VCS, eine von einer benachbarten Firma sowie eine von einer Privatperson ein.

Zum Projekt: Fleischverarbeiter Bell will an den Standorten Basel und Oensingen in den nächsten Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. In Oensingen sollen die Werke für die Schweineverarbeitung und die Aufbereitung und Kommissionierung von Frisch- und Tiefkühlprodukten sowie ein Ersatzbau für den bestehenden Rinderschlachthof an der Dünnernstrasse realisiert werden.

In einer ersten Etappe soll der 1971 gebaute Rinderschlachthof an der Dünnerstrasse durch einen Neubau auf dem nördlich gelegenen Parkplatz ersetzt werden. Durch den Wegfall der Parkplätze und den erhöhten Parkplatzbedarf soll für die auf dem Areal Holinden geplanten Neubauten auf einer zentral zwischen den Betrieben liegenden Parzelle ein Parkhaus mit 1200 Parkplätzen gebaut werden.

Positive Signale von Bell

Der VCS verlangt in seiner Eingabe unter anderem für die von Bell geplanten Projekte ein Mobilitätskonzept und damit einhergehend eine Reduktion des Parkplatzangebots. Mit geeigneten Massnahmen wie attraktive Zweirad-Abstellplätze, Schaffung von E-Bike-Angeboten etc. müsse dafür gesorgt werden, dass der Modal-Split der Pendler zugunsten des öffentlichen Verkehrs und des Langsamverkehrs optimiert werde. Kritisiert wird vom VCS vor allem, dass ein Parkhaus für alle der künftigen 1200 Mitarbeitenden erstellt werden soll.

Mit einem griffigen Mobilitätskonzept könnte die Anzahl benötigter Parkplätze um rund 30 Prozent reduziert werden, so der VCS. Bezüglich des Verkehrsaufkommens verlangt der VCS ferner, den «Gestaltungsplan Parkhaus Holinden» nicht unabhängig, sondern als Teil des gesamten «Gestaltungsplans Bell Dünnernstrasse» zu beurteilen. Zudem sei eine Mobilitätsstrategie für die Bell-Mitarbeitenden auszuarbeiten und in den Gestaltungsplan zu integrieren.

Bell und die Gemeinde kommen dem VCS nun in Bezug auf das verlangte Mobilitätskonzept entgegen. Ein solches soll noch vor der Auflage der Nutzungsplanungen Bell Dünnernstrasse und Parkhaus Holinden erarbeitet werden. Ferner soll in den Sonderbauvorschriften für die Nutzungsplanung Bell Dünnernstrasse auf das Mobilitätskonzept verwiesen und seine Umsetzung verbindlich festgelegt werden. Auf der Grundlage des Mobilitätskonzepts soll ferner das Parkplatzangebot im Parkhaus Holinden überprüft und soweit sinnvoll reduziert werden.

VCS reagiert erfreut

Keinen Spielraum ortet Bell hingegen bei der vom VCS verlangten Betrachtung des Verkehrsaufkommens für das gesamte Projekt im «Gestaltungsplan Parkhaus Holinden». Bell erklärt dazu im Bericht, der vorgängige Bau des Parkhauses sei nötig, weil der 2019 geplante Neubau des Rinderschlachthofes an der Dünnernstrasse auf dem heutigen Personalparkplatz vorgesehen sei.

Aufgrund der zeitlichen Differenz der Projekte Holinden und Dünnernstrasse hätte die zeitgleiche Ausarbeitung der Nutzungsplanung eine nicht akzeptable Verzögerung zur Folge. Deshalb sei entschieden worden, die beiden Projekte weiterhin parallel als formal unabhängige, aber aufeinander abgestimmte Planungen voranzutreiben.

Fabian Müller, Präsident der VCS-Sektion Solothurn, zeigt sich in einer ersten Reaktion erfreut über die Aufnahme der Anliegen des VCS in einer so frühen Phase in die Planung der Bell-Projekte. Im Fokus stünden nun das angekündigte Mobilitätskonzept und die daraus ableitbare Grösse des Parkhauses Holinden. «Wir hoffen natürlich, auch bei der weiteren Entwicklung der Projekte auf den Einbezug des VCS», so Müller zuversichtlich.

Bell hält sich bedeckt

Kritisch zum Projekt geäussert hat sich die Firma Stebler Glashaus AG mit Sitz an der Südringstrasse 6. Befürchtet werden verkehrstechnische Probleme bei den Knoten Holindenstrasse-Dünnerstrasse sowie Ostring-Südringstrasse, bei welchen aus Sicht besagter Firma die Sichtverhältnisse verbessert und die Vortrittsregelung verbessert werden sollten.

Weil sich die erwähnten Strassen nicht im Geltungsbereich der Gestaltungspläne befinden und zudem Gemeindestrassen sind, ist die Gemeinde für die Ergreifung allfälliger Massnahmen zuständig. Die Gemeinde versichert im Mitwirkungsbericht, diese Anliegen zu prüfen und sinnvolle und umsetzbare Massnahmen vor Beginn der Bauarbeiten für das Parkhaus Holinden umzusetzen.

Gemeindepräsident Fabian Gloor zieht ein positives Fazit in Bezug auf das Mitwirkungsverfahren und die Reaktion von Bell auf die eingereichten Eingaben. Dies mache deutlich, dass Bell die Anliegen der Bevölkerung ernst nehme. Bell will zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Stellung beziehen, wie Mediensprecher Davide Elia auf Anfrage erklärt. Als nächster Schritt folgt die Auflage des Gestaltungsplans.

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