Landauf und landab wurden in den 1820er-Jahren Musikgesellschaften gegründet. Vor dieser Bewegung blieb auch Wolfwil nicht verschont. So wurde im Jahr 1822 gemäss der Festschrift von 2018 der Brass Band Harmonie diverse Musikinstrumente wie Trompeten, Posaunen oder Klarinetten angeschafft. Allerdings übten sich die damaligen Musiker eher in Form von sogenannter «Nessimusik», die bei festlichen Anlässen aufspielte. Zur eigentlichen Vereinsgründung kam es Jahre später.

1868 gründeten vier junge Kavallerietrompeter die heutige Brass Band Harmonie. Weiter erwähnt die Jubiläumsschrift, dass es bereits im selben Jahr zum ersten Auftritt gekommen sein muss, denn laut Protokoll des Gemeinderates bewilligte dieser damals anlässlich einer Firmung an die Sänger und Musiker eine «Gratifikation», also ein zusätzliches Entgelt für besondere Anlässe. Weil aber der Name «Musikgesellschaft» erst vier Jahre später erwähnt wird, wurde lange das Gründungsjahr 1872 angenommen.

Trennung wegen Politik

Über die Jahre hinweg entwickelte sich die Musikgruppe zu einer ansehnlichen und geachteten Gesellschaft, die bei kirchlichen und weltlichen Festanlässen im Dorf mitwirkte. Die Gemeinde half in mageren Vereinsjahren finanziell aus, stellte sogar mehrmals Holz zur Anfertigung vereinseigener Möbel zur Verfügung. Um in Zukunft aber nicht mehr von der Gemeinde abhängig zu sein, beschloss man, jährlich ein Theaterstück aufzuführen. Das Wolfwiler Dorftheater gibt es heute nicht mehr. Dafür findet ein Jahreskonzert statt.

So sieht die Brass Band Harmonie heute aus.

So sieht die Brass Band Harmonie heute aus.

Die erste Fahne erwarb der Musikkorps im Jahr 1912 mithilfe von Gönnern. Auf diese liess man den Wahlspruch «In Freud und Leid. Zum Spiel bereit!» schreiben, der sich insbesondere während der noch bevorstehenden harten Kriegsjahre bewahrheiten sollte.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges standen nämlich die Solothurner Truppen während mehr als einem Jahr unter den Waffen. Dies hatte zur Folge, dass der Vereinsbetrieb vorübergehend eingestellt werden musste. Darunter fing auch der interne Zusammenhalt an zu leiden. Im bisher politisch neutralen Gebilde taten sich politische Gegensätze auf.

Aufgrund dieser politischen Streitigkeiten trennten sich die Mitglieder und zwei eigenständige Musikgesellschaften entstanden. Seither bestehen die der FDP nahestehende Brass Band Harmonie sowie die der CVP nahestehende Konkordia Wolfwil. Zwar gab es immer wieder Wiedervereinigungsbestrebungen, diese hatten jedoch bis heute keinen Erfolg. Mittlerweile sind die beiden Lager jedoch befreundet und messen sich nur noch im musikalischen Wettstreit.

Festivitäten mit Musik

Über die Jahre hinweg entwickelte sich die «Harmonie» zu einer erfolgreichen Musikgesellschaft, die sowohl kantonale als auch nationale Erfolge feiern konnte wie beispielsweise jeweils an den eidgenössischen Musikfesten. In diesem Jahr feiern die 26 Mitglieder aber auch noch etwas Anderes: Ihr 150-jähriges Bestehen. Am 21. und 22. September gehen die Festlichkeiten über die Bühne. Am Freitag startet ab 16.45 der Abend fürs Dorf mit diversen Vereinen und einem «Fürobe Bier» in der Bierschwemme bei der alten Turnhalle. Für Unterhaltung sorgen das Alphorn Ensemble P. Baumann, die Blaskapelle Waldheim Kestenholz, der TV Wolfwil, der Jodlerklub Wolfwil sowie «SöreBläch».

Am Samstag, ab 16.15 Uhr, folgt dann auf dem Parkplatz des Restaurants Post der Auftritt der ersten Gastmusik. Anschliessend findet die Marschmusikparade statt, gefolgt vom Festakt um 18 Uhr mit einem Rückblick auf die bewegte Vereinsgeschichte und der Vorstellung der neuen Instrumente. Ab 21 Uhr geht es weiter mit «BoueleMusig» aus Langnau im Emmental und dem Duo Lumpazis aus Tirol.