Balsthal
Brandstiftung vor 220 Jahren: Neu-Falkenstein brennt zum dritten Mal

Während des Schlossfests wurde das Wahrzeichen zum Gedenken der Brandstiftung mit Feuern illuminiert.

Peter Wetzel
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Schlossfest Neu-Falkenstein

Schlossfest Neu-Falkenstein

Patrick Lüthy
Annemarie Neuenschwander las zum Schloss passende alte Sagen.

Annemarie Neuenschwander las zum Schloss passende alte Sagen.

Patrick Lüthy

«Wie einst Rössli-Jean» hiess es in der Einladung des Schlossvereins Falkenstein zum zweitägigen Schlossfest. Die zahlreichen Festbesucher brauchten sich nicht wie der Rössli-Jean an das Schloss heranzupirschen, um es anzuzünden (siehe Kontext), sondern nahmen den steilen Aufstieg aufs Schloss trotz Hitze entschlossen unter die Füsse und freuten sich, oben den Durst löschen zu können. Der Grossaufmarsch bewies einmal mehr die identitätsstiftende Wirkung der Ruine Neu-Falkenstein auf die Balsthaler Bevölkerung, ihrem Wahrzeichen.

Geschichte

Vor 220 Jahren brannte das Schloss

Vor 220 Jahren, in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 1798, schauten die Balsthaler entsetzt in Richtung St. Wolfgang. Die stolze Burg Neu-Falkenstein brannte lichterloh. Es gab aber auch viele Bewohner von Balsthal und Umgebung, welche sich freuten, das Schloss brennen zu sehen. Einer von ihnen war der Rössli-Jean Junior (Johann Brunner), Sohn des bekannten Johann Brunner-Oser, genannt Rössli-Jean. Dieser war Rössliwirt, Fuhrhalter, Weinhändler und Zöllner. Rössli-Jean Junior gelang es, mit ein paar Kumpanen das Schloss in Brand zu stecken. Endlich war das verhasste Schloss weg, das steinerne Symbol für Macht und Unterdrückung. Die Brunners waren Anhänger der neuen Ideen, welche von Frankreich aus verkündet wurden: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Noch im gleichen Jahr fielen die Franzosen in die Schweiz ein. (pwb)

Am Samstagabend wurden nach dem Eindunkeln auf der Ruine insgesamt sieben Holzfeuer entfacht, welche an die Brandstiftung vor 220 Jahren erinnern sollten. Zum Gedenken an diesen Tag fand am Wochenende das Schlossfest statt. Es war bereits der zweite Versuch, den damaligen Schlossbrand zu simulieren. Schon 1998, also nach 200 Jahren, liess man auf Initiative von Josef Bussmann und seiner Schulklasse und unter Mithilfe des Holzfluh-Vereins das Schloss mit bengalischem Feuerwerk noch einmal «niederbrennen».

Verantwortlich für die erneute symbolische Brandlegung war Andreas Krätzig. Mit Helfern installierte er die Holzfeuer. Andreas Brunner, einem fernen Verwandten des Rössli-Jean, fiel die Ehre zu, einen Holzstoss eigenhändig anzuzünden. Krätzig äusserte sich sehr zufrieden zu seiner Aktion. Die Reaktionen der Betrachter im Tal unten oder auf der Gegenseite fielen unterschiedlich aus, sie reichten von «super» bis «etwas mehr erwartet» – je nach Standort. Sehr zufrieden war auch Benedikt Fluri, Koordinator des Anlasses: «Der Publikumsaufmarsch vom Samstag war grossartig.»

Vielseitiges Rahmenprogramm

Annemarie Neuenschwander in schöner Tracht liess am Abend mit ihren Erzählungen und Sagen alte Geschichten und Personen wiederaufleben. Der Auftritt von Toto Tribute Band bildete einen Kontrapunkt zu den ruhigen Geschichten. Die Schlussführungen vom Sonntag mit Kurt Heutschi und Kurt Meyer waren sehr gut besucht.

Der Höhepunkt des Familienprogramms war der Auftritt von Simu Fankhauser mit seinem Begleiter Tom Disler. Die beiden wussten mit ihrem Familien- und Kinderkonzert zu begeistern. Es kam sogar zu einer Uraufführung: Der Waldkobold Pumpelpitz wird auf der nächsten CD nämlich seine Abenteuer unter anderem auf dem Balsthaler Holzweg erleben.

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