Am Sonntag schloss die Sonderschau über die Feuersbrunst in der Kammfabrik nach ziemlich genau einem Jahr Ausstellungsdauer ihre Pforten. Grund der Feuersbrunst: Nebst den vielen Vorteilen, die das neue Material Zelluloid damals mit sich brachte, barg es auch eine grosse Gefahr in sich: Es war leicht entflammbar.

Diese Eigenschaft wurde der Mümliswiler Kammfabrik zum Verhängnis. Am 30. September 1915 kam es zu einer Katastrophe, die die Dorfgeschichte wie kein anderes Ereignis prägte.

Weit über 3000 Interessierte haben die «Brandspuren» zum Gedenken an die Mümliswiler Explosionskatastrophe besucht, als Einzeleintritte oder in über hundert Gruppenführungen. An der Finissage rief Projektleiter Josef C. Haefely die wichtigsten Etappen der «Brandspuren» in Erinnerung. Für die grosse Überraschung aber sorgte ganz zum Schluss der Bürgerratspräsident Daniel Nussbaumer.

Er gab bekannt, dass der Bürgerrat beschlossen habe, Josef C. Haefely zum Ehrenbürger zu ernennen. Eine gebührende Feier werde zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Der Geehrte dankte für diese Anerkennung, reichte sie aber weiter an all jene, die weniger im Rampenlicht stehen, aber hinter den Kulissen unerlässliche Arbeit und Einsatz für das Thaler Haar-und-Kamm-Museum leisten.

Eine Rückblende

Zum Ausstellungsschluss blendete Josef C. Haefely zurück und schilderte sowohl die Vorgeschichte als auch den Ablauf der «Brandspuren». Highlight und echte Bereicherung der Ausstellung waren zweifellos die Objekte und Dokumente aus der Gründungszeit der Firma.

Am 28. April 2014 stiessen Bauarbeiter auf dem Fabrikareal auf eine Blechkiste. Erst nach dem gewaltsamen Öffnen des Eisenkastens wurde klar, was für einen sensationellen Fund sie gemacht hatten. Es handelte sich nämlich um den Behälter, der am 20. November 1915 bei der Grundsteinlegung für den Neubau eingemauert worden war.

Er enthielt nicht nur Dokumenten und Kämme als musterhafte Produkte aus jenem Jahr, sondern auch die Archivalien und Schildpattkämme, die beim früheren Fabrikbau 1870 ebenfalls als Botschaft an spätere Generationen in einer Box in der Grundmauern deponiert worden waren. In der Ausstellung erlauben die Glücksfunde einen authentischen Blick zurück in die Gründungszeit der Kammfabrik von Otto Walter-Obrecht.

Ein «handgreifliches Ausstellungserlebnis» erlaubt überdies das Modell der «Kammi»-Fabrikanlage, das von Sekundarschülern des Frohheimschulhauses Olten nach alten Plänen im Massstab 1:50 nachgebaut worden war.

Filmpremiere im Mai

Am 1. Mai 2016 war Filmpremiere. Josef C. Haefely hatte zusammen mit seinem Neffen Simeon Haefely Interview mit Nachkommen ergänzt durch historische Aufnahmen und Flugaufnahmen der Landschaft. Der Film war in einer Version von 26 Minuten in der Ausstellung zu sehen und als Vollversion auf DVD im Museumsshop käuflich.

In der Begrüssungsansprache würdigte Vereinspräsidentin Elvira Bader den Ausstellungsmacher als motivierende treibende Kraft und dankte dem ganzen Team. Josef C. Haefely spielte zudem auch musikalische Werke auf dem Harmonium und gab der Feier einen zusätzlich musikalisch-feierlichen Rahmen.

Am 23. Oktober 2016 wird im Museum HaarundKamm die neue Sonderausstellung «Ausser Rand und Band» über die Seidenbandweberei in Mümliswil eröffnet.