Mit dem Jürg Rickli Trio, verstärkt durch die Sängerin Bernita Bush, hatte die Kulturkommission Wolfwil eine All-Stars-Formation eingeladen. Am Kulturapéro in der Wolfwiler Pfarrschüür überzeugte das Jazzensemble ebenso durch sein kompaktes Zusammenspiel wie auch durch die in die Songs eingestreuten Solos, für welche die einzelnen Musiker jeweils Raum erhielten. Die auf dem Plakat als «Jürg Rickli Trio featuring Bernita Bush» angekündigte Gruppe spielte Jazz-Standards, ein Set von inzwischen klassisch gewordenen Melodien aus der goldenen Zeit des populären Jazz zwischen 1930 und 1960.

Das Jürg Rickli Trio spielte in Wolfwil zum ersten Mal öffentlich in dieser Zusammensetzung. Diese Jazzcombo besteht aus dem Solothurner Jürg Rickli am E-Piano, dem Schlagzeuger Thomas Fahrer und Samuel Kühni am Kontrabass. Dieses Trio interpretierte Instrumentalstücke, legte aber vor allem den Klangteppich für die Sängerin Bernita Bush. Die Cincinnati im Bundesstaat Ohio geborene Bernita sang schon als Kind in Gospelchören mit. Die gelernte Zahnhygienikerin reiste als junge Frau in die Schweiz; geplant war ein Aufenthalt von einem Jahr, doch blieb sie im Bernbiet bis heute hängen und tritt als Gospel-. Jazz- und Soulsängerin auf.

Jazz-Standards von Feinsten

Das Jürg Rickli Trio stimmte das Publikum in der Pfarrschüür mit dem instrumental gespielten «Days of Wine and Roses» ein. Wie in den folgenden Stücken baute der Keyboarder Rickli das Thema durch Improvisationen aus, und sowohl Bassist Kühni als auch Schlagzeuger Fahrer stellten sich als inspirierte und technisch ausgefeilte Solisten vor. In dieser Filmmelodie von Henry Mancini beklagte Autor Johnny Mercer, dass die Tage von Wein und Rosen eben nicht ewig währen. Mit «Bye bye Blackbird» betrat Leadsängerin Bernita Bush die Bühne.

Dieser Jazz-Standard aus den goldenen Zwanzigerjahren hat Eingang gefunden in das «Great American Songbook», die Sammlung von herausragenden Musikstücken aus der Zeit zwischen 1920 und 1960. Elle Fitzgerald, ein Vorbild für Bernita Bush, hat viele dieser Lieder interpretiert. Dies gilt auch für die Ballade «Oh, Lady be Good!» aus dem Broadway-Musical von George Gershwin. Mit ihrer wunderbaren Altstimme sang Bernita zuerst die Melodie, welche wohl viele als bekannt im Ohr hatten, um anschliessend zu improvisieren.

Indem sie ihre Stimme wie ein Instrument nutzte, hängte sie lautmalerische Silben ohne Sinn rhythmisch und klangvoll aneinander. Zur Abwechslung spielte das Trio ein Instrumentalstück, so beispielsweise Ricklis luftige Eigenkomposition «Fly». Zwischendurch machte das Quartett einen musikalischen Ausflug in die neuere Zeit und in den Süden. Die weltbekannte Melodie «Orfeu Negro» stammt aus dem Film «Der Schwarze Orpheus», der in den Favelas von Rio spielt. Aus Brasilien stammt auch der Rhythmus, der Bossa Nova. Zum Schluss besang Bush die Jahreszeit.

«Autumn Leaves» ist ursprünglich das Chanson «Les feuilles mortes», ein von Jacques Prévert geschriebenes und von Yves Montand 1945 gesungenes Filmthema, das die welken Laubblätter des Herbsts besingt. Bush und das Trio münzten die Melancholie in einen tänzerischen und swingenden Bossa Nova um. Das Publikum dankte mit einem kräftigen Applaus, für den sich die Jazzcombo zum Abschied mit dem Wiegenlied «Lullaby of Birdland» als Zugabe bedankte.