Kernstück der Ausgrabung ist ein 6,7 Meter langer Raum. Da dieser teilweise in den Hang gebaut worden war, sind die zweischaligen Mauern aus Kalkbruchsteinen noch bis zu 1,5 Meter hoch erhalten. An den Innenwänden haftet stellenweise noch der originale Wandverputz aus feinem Mörtel.

Wie es in einer Medienmitteilung des Kantons vom Mittwoch heisst, war der Raum mit einer Fussbodenheizung, einem sogenannten Hypokaust, ausgestattet. Dass der auf Stützpfeilern liegende Mörtelboden noch intakt ist, ist in unseren Breitengraden eine Seltenheit. Von einem kleineren, angebauten Heizraum im Westen wurde der Hohlraum unter dem Mörtelboden beheizt. 

Über senkrechte Heizkanäle in den Wänden entwich die heisse Luft nach oben und heizte dadurch auch die Wände des Raums. Im Osten schliessen noch weitere Räume an. Hier zeigt eine flächige Brandschicht, dass das Wohnhaus einem Brand zum Opfer fiel.

Geborgen wurden zudem Kleinfunde wie Keramikscherben, Münzen, rot bemalter Wandverputz sowie eine Glocke und eine grosse Sense. Das Fundmaterial zeigt, dass der Gutshof vom 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. bewohnt war.

Warum kam der Gutshof gerade jetzt zum Vorschein?

Im November 2016 löste die Umlegung des Schlossbachs südlich des Schulhauses Oberdorf eine Ausgrabung aus. Bis voraussichtlich Ende Februar 2017 untersucht die Kantonsarchäologie einen zirka 140 Meter langen und 4 Meter breiten Streifen, der das Areal des römischen Gutshofes quert.

Bereits im 19. und 20. Jahrhundert wiesen Funde in diesem Gebiet auf einen Gutshof hin. Über die Ausdehnung und die Anzahl der Gebäude ist jedoch nur wenig bekannt. 2011 entdeckte man beim Bau des Roggenparks südlich der Hauptstrasse ein Stück der südlichen Umfassungsmauer des Gutshofes und zwei Kalkbrennöfen.

Die laufenden Untersuchungen geben erstmals einen richtigen Einblick in das Herrschaftshaus, die «pars urbana» des Gutshofes, wo der Besitzer oder der Verwalter wohnte. (sks)