St.Peter at Sunset

Bligg und James Gruntz begeisterten die Fans

Das warme Wetter, die Musiker und der Heissluftballon – der Überraschungsgast des Abends – sorgten für Hochstimmung.

Das warme Wetter, die Musiker und der Heissluftballon – der Überraschungsgast des Abends – sorgten für Hochstimmung.

Am Samstagabend liessen am St. Peter at Sunset James Gruntz und Bligg die Herzen des Publikums höherschlagen.

Zwei Männer, beide Schweizer, beide Musiker, beide dunkelhaarig – der eine ist Berner und der andere Zürcher. Trotz einiger Gemeinsamkeiten ist die Herkunft nicht der einzige Unterschied. Die beiden Musiker, die am Samstagabend am St. Peter at Sunset in Kestenholz auftraten, könnten nicht unterschiedlicher sein, was die Musik und den Auftritt betrifft: James Gruntz und Bligg. Gleichzeitig harmonierte die Kombination dieser beiden Acts wiederum sehr gut: zu Beginn ruhige Musik zum Einstimmen und danach Musik zum Mitmachen.

Fernweh und Sommergefühle

Als James Gruntz mit seinem Konzert um 20 Uhr begann, war es noch drückend heiss. Der Schweiss lief schon in Rinnsalen runter, ohne dass man sich zuvor irgendwie bewegte. Dennoch liessen die sanften Klänge seiner Lieder das Publikum mitwippen und vor allem zuhören. Die Musik passte gut an diesem Hochsommerabend, da sie zusätzliche Sommergefühle versprühte.

Seine weiche und warme Stimme lud zum Träumen ein. Der eine oder die andere war in Gedanken vielleicht schon in den Ferien: irgendwo am Strand, den Sonnenuntergang bewundernd. Fernweh schien das Stichwort zu sein, erzählte James Gruntz, dass «Countless Roads» entstanden sei, als er irgendwo mit dem Töffli in Italien rumdüste, ohne zu wissen, ob er je zurückkehren wolle. Und bevor er seinen Hit «Heart Keeps Dancing» anstimmte, erklärte er, dass er in Nidau aufgewachsen sei: «Wenn man aus Norden Richtung Biel fährt, tut es für mich auf dieser Höhe auf und genau um das geht es in diesem Lied.»

«Manhattan oder nöd»

An diesem Abend war der Fächer wohl das gefragteste Accessoire, das man denn hatte oder eben nicht. Glücklicherweise kühlte es nach Sonnenuntergang ein wenig ab, sodass das Publikum fürs Bligg-Konzert ein wenig mehr Bewegungsspielraum hatte, was auch nötig war. Kaum stimmte er zum Auftakt «Manhattan» an, war das gesamte Publikum auf den Beinen und tanzte mit. Es sei das einzige Konzert in diesem Jahr, das er gebe und er freue sich, dass dies hier in Kestenholz stattfinde.

Ob der Grund dafür die Geburt seines Sohnes Lio vor zwei Monaten ist? Denn stolzer könnte ein frischgebackener Papa wohl kaum sein, liess er fast keine Gelegenheit aus, dies zu erwähnen. Sein Rezept für das Konzert war so einfach wie erfolgreich: Er spielte viele seiner Hits wie «Chef», «Mundart» – das den Kantönligeist etwas auf die Schippe nehmen solle – und «Musig i dä Schwiiz», was der Schweizer Musikszene gewidmet sei. «Wer braucht schon Rihanna und wie die alle heissen. Wir haben genug Schweizer Talente, zum Beispiel James Gruntz», erklärte Bligg zu «Musig i dä Schwiiz». Ironischerweise enthielt sein Konzert mehrere kurze Einspielsequenzen von Macklemore, 50 Cent und Lenny Kravitz.

Vogelfrei und oben ohne

Gleichzeitig ist Bligg der Entertainer auf der Bühne – da war Gruntz deutlich zurückhaltender – und erzählte immer was zu seinen Liedern, so auch dass der Song «Lotti schilled» Mani Matter – dem grössten Lyriker unseres Landes – gewidmet sei. Bligg, der bürgerlich Marco Bliggensdorfer heisst, holte seinen beinah Namensvetter auf die Bühne: Marco Blickenstorfer, der an diesem Abend noch Geburtstag hatte und bescherte seinem Fan wohl ein unvergessliches Geburtstagsgeschenk. «1995 habe ich mein erstes Album veröffentlicht, somit mache ich nun schon seit 20 Jahren Musik» – aus diesem Grund spielte Bligg einer seiner älteren Songs «Frei wie en Vogel», der aus dem Jahr 2006 stammt, was ihn ein wenig nervös stimmte, wie er gestand.

Dies sei gleichzeitig die Botschaft, die er seinem Sohn mitgeben möchte; nämlich frei wie ein Vogel zu sein. Obwohl Bligg bei seinem letzten Lied sein T-Shirt auszog und dadurch wohl der einen oder anderen Zuschauerin ein mehr oder weniger grosses «Zückerli» bot, hörte man im Publikum: «Der will jetzt noch nicht gehen, ohne ‹Rosalie› gespielt zu haben?» Natürlich nicht. So spielte er als Zugabe noch zwei Stücke, unter anderem das ersehnte «Rosalie». Hier versuchte sich Bligg noch als Kuppler, als er drei Frauen auf die Bühne holte und sich eine einen Typen aus seiner Band «aussuchen» durfte. Mit Vaterstolz und Liebe in der Luft endete der Konzertabend bei St. Peter at Sunset.

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