Das Wetter am Samstagabend war etwas weniger freundlich als an den vorhergegangenen Konzerten am Festival St. Peter at Sunset in Kestenholz: Noch bis eine Stunde vor dem geplanten Konzertbeginn fegten Regen und Gewitter über die Region. Die Besucher, die um halbsieben eintrudelten, um die Vorstellung der Thuner Band The Souls zu hören, liessen sich dadurch nicht die Stimmung verderben.

Auch der verspätete Beginn von über 30 Minuten wurde gelassen aufgenommen. Der Duft von Pizza und Bratwurst lag in der Luft, man traf sich in den Zelten an den Stehtischen, man kannte sich. Helfer verteilen Regenpelerinen, wischten Tische und Bänke trocken und kippten das Regenwasser von den Stehtischen. Noch waren die Tribünen und die Stehplätze halb leer, aber der Abend hatte ja erst begonnen.

The Souls bauten Stimmung auf

Den Auftakt machte die Band The Souls, deren Musik irgendwo zwischen melodiösem Pop und Alternativrock einzuordnen ist und deren Debütalbum letzten August erschien. Ihre oftmals eher ruhige und melancholische Musik passte zur noch zurückhaltenden Stimmung der Besucher.

In breitem Berndeutsch kündigte der Sänger an, ein Stück so zu spielen, wie sie vor gut zehn Jahren mit der Musik begonnen hatten: Mit Gitarre und Gesang irgendwo, beispielsweise im Zug, gingen sie ihrer Leidenschaft nach und haben so die Leute «na ja, wohl auch etwas belästigt». Obwohl noch wenig Leute da waren, schaffte es die Band, die Anwesenden zum Mitmachen zu motivieren, sei es singend oder klatschend.

Publikumsliebling Baker

Nach einer kurzen Pause trat Bastian Baker auf die Bühne. Bereits beim ersten Lied gewann er die Sympathien für sich, als er locker mit technischen Problemen am Mikrofon umging. Durch sein ganzes Konzert zogen sich lustige und selbstironische Bemerkungen, beispielsweise als er vor einem Lied zweimal fragte: «are you ready?», jeweils gefolgt vom Johlen des Publikums, um dann mit seinem französischen Akzent zu sagen: «Sänger fragen das immer zweimal, ich weiss auch nicht warum».

Bastian Baker am St. Peter at Sunset

Bastian Baker am St. Peter at Sunset

Sichtlich Spass hatte Bastian Baker an seinem Auftritt am St.Peter at Sunset.

Er sang allseits bekannte Hits, darunter «I’d Sing For You», seine erste Single «Lucky», «Tattoo On My Brain» und «Leaving Tomorrow». Dazu kamen Lieder von seinem neusten Album «Facing Canyons», das letzten September erschien. Bei einem Lied, welches Baker als «chli es Lied för Bsoffni» bezeichnete, sang das Publikum auf dem Buchstaben «o» mit, bis Baker es unterbrach: «Ich gebe mir immer Mühe beim Texte schreiben, schöne Wörter zu benutzen, und dann» - erneutes «o» aus dem Publikum – «warum habe ich eigentlich was geschrieben?» Das Publikum machte mit und dankte ihm mit gestreckten Händen und Applaus.

Bligg spielt einzige Show

Aber ein Abend gehört ja doch irgendwie dem Hauptact. An diesem Samstag war es Bligg, welcher in Kestenholz sein einziges Konzert in diesem Jahr spielte. Als der Veranstalter des Festivals bei Bliggs Management nachfragte, ob Bligg erneut als Headliner antreten wolle, machte dieses auf die Pause des Rappers an und rief dann doch kurz an – eine halbe Stunde später kam der Rückruf. Bligg hatte das Konzert vor zwei Jahren so gut gefallen, dass er es sich nicht nehmen liess, erneut in Kestenholz auf der Bühne zu stehen.

Bligg mit «Mundard» am St. Peter at Sunset

Bligg mit «Mundard»

Nach dem ersten Lied «Manhattan», welches die Zuschauer von den ersten Tönen an mitriss, erzählte Bligg vom Soundcheck im Regen, der Angst um die Show am Abend und von seinem zweijährigen Sohn Lio, der seinen Vater zum ersten Mal live auf der Bühne sah. Mittlerweile war es dunkel geworden. Bliggs Aufforderungen zum Mitmachen kamen bis auf die letzte Reihe der hintersten Tribüne alle nach, besonders bei Hits wie «Rosalie», «Lah si redä», «Musigg i dä Schwiz» und «Legändä und Heldä».

Aber immer Vollgas geben kann niemand, und so kam das ruhige Lied «Drachentöter», welches der Mundartrapper über seinen Sohn geschrieben hatte, gerade recht. Handylichter und Feuerzeugflammen erleuchteten den Himmel. Wieder mehr los war bei den älteren Liedern, darunter «Relaxtra», das Bligg mit Stress aufgenommen hatte, oder «Börn Baby», dessen eindeutig sexueller Inhalt sein Sohn wohl erst in einigen Jahren verstehen wird. Den Abschluss machte der Hit «Chef».

«Das Konzert vor zwei Jahren war sensationell und das wollen wir heute toppen!», hatte Bligg zu Beginn seines Auftritts gerufen. Gut möglich, dass dies gelungen ist.