TV Gunzgen
«Bleibt dran, bleibt fit und schaut zueinander»

Der Turnverein Gunzgen feierte sein Jubiläum mit Fahnenweihe auf den Tag genau 100 Jahre nach seiner Gründung. An der Feier wurde auf die erfolgreiche Geschichte des Vereins zurückgeblickt.

Karin Schmid
Merken
Drucken
Teilen
Umringt von den Solothurner und den bisherigen TV-Gunzgen-Fahnen präsentieren OK-Präsident Viktor Aerni (mit Mikrofon) und seine Vereinskolleginnen und -kollegen das neue Banner.

Umringt von den Solothurner und den bisherigen TV-Gunzgen-Fahnen präsentieren OK-Präsident Viktor Aerni (mit Mikrofon) und seine Vereinskolleginnen und -kollegen das neue Banner.

Das vergangene Wochenende war für die Sportbegeisterten aus und in Gunzgen ein ganz besonderes, feierte der örtliche Turnverein doch von Freitag bis Sonntag sein 100-Jahr-Jubiläum – und die Bevölkerung war nach Angaben von OK-Präsident Viktor Aerni und Vereinspräsident Daniel Ramseier mit Freude dabei.

Am Sonntagnachmittag stand in der gefüllten Rüeblihalle der Festakt mit Ansprachen, Präsentation eines neuen, grün-schwarzen Trainingsanzugs und Weihe einer neuen Fahne auf dem Programm, klangvoll untermalt von der Musikgesellschaft Gunzgen.

Zu Beginn seiner Festrede ging der einheimische Regierungsrat Roland Fürst kurz auf die Gründungsgeschichte des Jubilars ein, angefangen mit der Propagandaaktion des Kantonalvereins, der dazu aufgerufen hatte, auch in den Kommunen Turnvereine zu gründen. «Was er vorschlug, wurde von den Gemeinden aufgenommen und umgesetzt. Wenn ich das aus heutiger Sicht und als Mitglied der Solothurner Regierung betrachte, macht mich das schon fast ein wenig neidisch.»

Showblock: Die «Models» hatten viel Spass bei der Modenschau, die durch «100 Jahre Turnertenue» führte.

Showblock: Die «Models» hatten viel Spass bei der Modenschau, die durch «100 Jahre Turnertenue» führte.

Einige Männer seien «genau heute vor 100 Jahren» zusammengekommen und hätten den Turnverein Gunzgen gegründet, fuhr Fürst fort. «So können wir heute ein stolzes Jubiläum feiern: 100 Jahre FFFF, frisch, fromm, fröhlich, frei: frisch im Sinne von modern, aufgeschlossen, mit Elan; fromm im Sinne von Disziplin und Konsequenz; fröhlich, was den Spass am Sport, die Lust an der Bewegung und der Gesellschaft herausstreicht, und frei im Sinne von gesellschaftlicher Freiheit oder Suche nach Individualität.»

21 000-Vollzeitstellen-Arbeit

Der Regierungsrat unterliess es nicht, auch auf den «bedeutenden wirtschaftlichen Faktor» eines Sportklubs hinzuweisen. Pro Schweizer Gemeinde fänden jährlich 80 Sportveranstaltungen statt, womit ein direkter Gesamtumsatz von 1.2 Mia. Franken erzielt werde. In der Schweiz gebe es über 20 000 Sportvereine. «Mit 3288 zählt der Turnverband am meisten Vereine.

Mit 2 Mio. Personen treibt ein Viertel der Schweizer Wohnbevölkerung Sport in einem Verein.» Doch «solche Vereine» erfüllten auch zusätzlich wichtige Aufgaben im Umfeld von Integration und Gemeinwohl.

«Sie bringen Menschen zusammen, sorgen für sozialen Kitt in der Gesellschaft und unterstützen die regionale Verankerung.» Alle Sportvereine beruhten weitgehend auf der freiwilligen und unentgeltlichen Arbeit von gegen 300 000 ehrenamtlichen Mitarbeitenden. «Zusammengerechnet bedeutet das in der Schweiz etwa 21 000 Vollzeitstellen.» Man schätzt den Gesamtwert dieser Arbeit auf rund 1.5 bis zwei Milliarden Franken.

Roland Fürst bezeichnete es danach als «wichtig, dass wir das Nachwuchsproblem in den Griff bekommen und entsprechende Stellen anbieten. Dabei sind auch die Gemeinden gefordert, indem sie nötigen Infrastrukturen anbieten, wie Gunzgen dies vorbildlich macht». Fürst zeigte sich zuversichtlich, dass der TV Gunzgen «diese Herausforderungen meistert und es in 100 Jahren eine 200-Jahr-Jubiläumsfeier geben wird».

«Höchstleistungen erbracht»

Einwohnergemeindepräsident Hansruedi Krähenbühl wandte sich im Namen der Einwohner-, Bürger- und Kirchgemeinde an die Feiernden. Es sei nicht selbstverständlich, dass ein Verein das 100-Jahr-Jubiläum feiert könne.

«Der Turnverein hat in dieser Zeit viel erlebt in finanzieller und kameradschaftlicher Hinsicht. Dass die Mitglieder mit ihren bescheidenen finanziellen Mitteln alle ihre Materialien selber beschafft haben, ist eine Meisterleistung.» Der Verein habe sich immer wieder aufgerafft und Höchstleistungen erbracht, auf die er stolz sein dürfe. «Er bietet Beschäftigung für alle Altersklassen und nimmt in der Gesellschaft eine grosse Bedeutung ein.»

Auch Antje Lässer, Präsidentin des Solothurner Kantonalturnverbandes, und Vreni Schafer, Repräsentantin des Regionalturnverbandes Olten-Gösgen, überbrachten den Gunzgerinnen und Gunzgern ihre Glückwünsche.

«Es ist nicht einfach, in einem so hohen Alter fit zu bleiben – die Glieder werden schwer, die Augen schlechter», sagte Antje Lässer. Doch das merke man dem Turnverein Gunzgen nicht an.

Es sei schön, wenn ein TV auch nach 100 Jahren noch so aktiv sei, denn «es ist nicht einfach, einen Verein lebendig zu halten». Sie forderte die Gunzgerinnen und Gunzger auf: «Macht weiter so, pflegt und hätschelt den Verein so, wie ihr es selber gern hättet.» Und: «Bleibt dran, bleibt fit und schaut zu einander.»