Der Mitte Dezember 2013 in der Gemeinde Oensingen eingeführte Ortsbus erfreut sich zunehmender Beliebtheit, wie Patrick Zingg, Leiter der Region Nordschweiz von PostAuto, auf Anfrage erklärt. «In den ersten vier Monaten im neuen Jahr haben wieder mehr Fahrgäste den Bus benützt», sagt Zingg mit dem Verweis, dass der im Halbstundentakt verkehrende Bus im Durchschnitt von zehn Personen benutzt wird. Wenn der Bus zusätzlich von Schülern benutzt werde, steige der Durchschnitt gar auf 18 Personen.

Gemeinde will Kosten senken

Die PostAuto Schweiz AG werte diese Entwicklung als Erfolg und hoffe natürlich, dass der Ortsbus nach der Ende 2016 auslaufenden dreijährigen Pilotphase weiter geführt werden könne, so Zingg. Allerdings drängt die Gemeinde Oensingen darauf, die jährlichen Kosten von 275 000 Franken für den Betrieb des Ortbusses auf unter 250 000 Franken zu senken, wie Andreas Affolter, Leiter Verwaltung ad Interim, dazu ausführt.

Das sei aber schwierig und könne nur mit der Reduktion des Angebots erreicht werden. Laut Patrick Zingg von PostAuto ist man derzeit mit der Gemeinde Oensingen im Gespräch, um in dieser Angelegenheit verschiedene Varianten zu prüfen.

Umfrage diente als Grundlage

Andreas Affolter bestätigt, dass im Gemeinderat derzeit über die Zukunft des Ortsbusses beraten wird. Die Anfänge des Projekts gehen ins Jahr 2012 zurück, als ein privates Taxiunternehmen für den Transport von Personen aus dem Dorf an den Bahnhof beim Gemeinderat ein Gesuch um Bewilligung stellte.

Der Gemeinderat nahm dies zum Anlass, um in Zusammenarbeit mit der PostAuto Schweiz AG selbst ein Konzept zu erstellen. Gestützt auf eine vorgängig im Dorf durchgeführte Umfrage wurde eine 7,7 Kilometer lange Strecke mit 15 Haltestellen ausgeschieden.

Um herauszufinden, ob der Ortsbus einem echten Bedürfnis entspricht, wurde beschlossen, vorerst einen dreijährigen Versuchsbetrieb durchzuführen. Die Kosten für dieses Pilotprojekt wurden mit 885 000 Franken veranschlagt.

Das im Juni 2013 an der Gemeindeversammlung vorgelegte Projekt wurde vom Souverän mit 45 Ja- gegen 9 Nein-Stimmen deutlich gutgeheissen. Auffällig war, dass sich 23 Personen der Stimme enthielten.

Diesen Personen ging es offenbar weniger um den Grundsatzentscheid, ob es einen Ortsbus braucht, sondern um Fragen wie die Streckenführung, den Winterdienst oder ob der Bus auch von Schülern benützt wird sowie viele andere Details mehr.

Zum positiven Entscheid der Gemeindeversammlung beigetragen hatte damals Gemeindepräsident Markus Flury mit einem emotionalen Plädoyer für den Ortsbus. Dies in der Überzeugung, dass es im Dorf einen Solchen braucht.

«Nur positive Rückmeldungen»

Diese Meinung vertrete er auch heute noch, betont Markus Flury. Der Bus sei nicht nur für Senioren ein wertvolles Transportmittel, um ins Dorfzentrum zu gelangen. «Der Ortsbus gehört inzwischen zum Alltag und Probleme oder Klagen sind mir nicht zu Ohren gekommen. Im Gegenteil, ich habe bisher nur positive Rückmeldungen bekommen», sagt Flury.

Deshalb werde er sich im Gemeinderat auch für die Beibehaltung des Busses einsetzen. Allerdings sei wichtig, die Kosten in einem gewissen Rahmen zu halten. «Wir wollen verhindern, dass das Projekt deswegen scheitert.» Ziel der laufenden Verhandlungen mit der PostAuto Schweiz AG sei, die jährlichen Kosten auf unter 250 000 Franken zu drücken. Darin nicht eingerechnet sind 40 000 Franken für Mehrfahrtenkarten, welche die Gemeinde zusätzlich kostenlos an die Schüler abgibt.

Der Gemeinderat muss am 30. Mai entscheiden, wie es mit dem Ortsbus weiter gehen soll, um die Botschaft für die Gemeindeversammlung zu formulieren. Flury ist überzeugt, dass sich der Rat für eine Weiterführung aussprechen wird. Wo allfällige Abstriche gemacht werden müssten, werde noch im Detail beraten.

Den endgültigen Entscheid muss aber die Gemeindeversammlung fällen. «Der Souverän hat im Juni 2013 Ja zum Pilotprojekt gesagt, nun soll er auch darüber befinden, ob der Ortsbus im Grundangebot von Oensingen bleiben soll», so Flury. Die Gemeindeversammlung findet am 27. Juni statt.