Weder ein Adventskonzert noch ein typisches Kirchenkonzert war in der St. Niklaus-Kirche von Niederbuchsiten angesagt, sondern tatsächlich ein Unterhaltungskonzert von Feinsten.
Weshalb wiederum die Kirche und nicht die Mehrzweckhalle als Austragungsort des Jahreskonzerts der Blaskapelle MG Niederbuchsiten ausgewählt wurde, hat seinen besonderen Grund. Die Dorfvereine werden in der gemeindeeigenen Halle für die Benützung zur Kasse gebeten. «Was nichts anderes heisst, als dass sie für die Erhaltung des Kulturlebens im Dorfe indirekt bestraft werden», wie aus einer Quelle, die dieser Zeitung bekannt ist, zu vernehmen war. Ganz anders sei es in der Kirche, wo keine finanziellen Stolpersteine in die Wege gelegt würden. Doch den Komplikationen kann auch eine positive Seite abgerungen werden: Der Kirchenraum bietet eine sehr gute Akustik, welche von der Blaskapelle zu ihrem Vorteil ausgenützt wurde.

Komposition von Hans Kurth

Bereits mit der Eröffnungsnummer «Ein ganzes Jahrhundert» von Adi Swiller, übrigens ein Pseudonym des musikalischen Leiters Hans Kurth, kam der ausgewogene Chorklang der Vierzehnerformation voll zum Tragen. «Ein ganzes Jahrhundert» hat Hans Kurth im Hinblick auf das 100-Jahr-Jubiläum der MG Niederbuchsiten im kommenden Jahr komponiert. Vereinspräsidentin Franziska Kurth versprach bei ihrer Begrüssung einige musikalische Leckerbissen. Mit «Over the Rainbow» wurde ein Regenbogen in den schönsten Tönen zum Jazz Song «Night Train» gespannt, dies alles andere als im Nachtzug-Tempo. Gleichsam auch «King of the Road» von Roger Miller.

Hans Kurth kennt aus seiner Tätigkeit als musikalischer Leiter die Stärken und Möglichkeiten seiner Blaskapelle bestes. Auch als Arrangeur und Komponist hat er sich schon des Öftern in Szene gesetzt. Zwei bekannte Hits «Über den Wolken» von Reinhard Mey und «Griechischer Wein» von Udo Jürgens hat er für seine Formation arrangiert. Die beiden Aufführungen gelangen hervorragend.

Perfekt für diese Formation

Der zweite Konzertteil war der Böhmischen Literatur gewidmet, jener Musik also, mit welcher sich Blaskapellen besonders wohlfühlen. Das war offensichtlich der Fall mit der «Böhmischen Polka» von Ladislav Kubes. Den Solopart auf der Tuba meisterte Lukas Bossart souverän. «Es war im Böhmerwald», das traditionelle Walzerlied lud zum Mitschunkeln ein und weckte alte Erinnerungen. In Gedenken an einen verunfallten Kameraden hatte Alexander Pfluger einst die «Stephans Polka» geschrieben. Mit viel Einfühlungsvermögen wurde die melodiöse Komposition vorgetragen. Wie gut dies einstudiert war, kam hier, wie auch bei der nachfolgenden Polka «Daheim in Böhmen» klar zum Ausdruck. Mit diesen beiden Nummern nahm die Blaskapelle MG Niederbuchsiten in diesem Jahr erfolgreich am Blaskapellen-Wettbewerb in Weggis teil. Mit «Java» liess die spielfreudige Formation einen ehemaligen Hit neu aufleben.

Vereinspräsidentin mit Posaune

Schliesslich schritt Vereinspräsidentin Franziska Kurth zu ihrem grossen Auftritt mit der Posaune. Stilsicher liess sie in « Tricky Trombone» ihr Instrument erklingen und erfreute das Publikum.

Mit «Heut ist unser Hochzeitstag» von Antonin Borovicka, versehen mit dem Untertitel «Die Kapelle hat gewonnen», konnte Moderator Daniel Zeltner bereits die Schlussnummer ankünden. Darauf wurden, nicht ganz unerwartet, Zugaben verlangt. Kapellmeister Hans Kurth kündete diese gleich selber an und verriet dabei, dass die Polka «Das goldene Flügelhorn» auf einem über 80-jährigen Instrument gespielt werde. Der Solist, Thomas Kurt, liess das antike Instrument in jugendlicher Frische erklingen.

Nach dem Konzert waren die Meinungen im Publikum einhellig und lassen sich etwa so zusammenfassen: Das anspruchsvolle Programm dürfte für das bevorstehende 100-Jahr-Jubiläum der MG Niederbuchsiten zuversichtlich stimmen.