Balthal
Bis zum letzten Tropfen ausgepresst

Für dieses Jahr wurde eine Apfelschwemme angekündigt. Kein Wunder herrscht derzeit nicht nur in der Mosterei in Balsthal Hochbetrieb. Den besten Saft gibt es jetzt aber noch nicht.

Deborah Onnis
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Mosterei des Obst- und Gartenbauvereins beim Hunzikerhof
13 Bilder
Die reifen Äpfel hängen am Baum und sind bereit, abgelesen zu werden
Die Äpfel werden bald zerhackt
Die zerstückelten Äpfel werden auf Siebtücher verteilt, die dann gestapelt in die zwei Tonnen schwere Presse gelegt werden
Mosterei des Hunzikerhofs in Balsthal
Die Packpresse
 Der Obstsaft fliesst nach dem Pressvorgang in ein Becken, während die stumpfen Reste der Frucht, der sogenannte Trester, als Tierfutter in einem anderen Behälter landet
Das bleibt nach dem Mosten übrig
Mosterei Hunzikerhof
Der Most wird in Fässer abgefüllt.
Der Most wird in Plastikbeutel und Kartonschachteln abgepackt

Mosterei des Obst- und Gartenbauvereins beim Hunzikerhof

Bruno Kissling

In der Mosterei des Obst- und Gartenbauvereins beim Hunzikerhof in Balsthal herrscht Hochbetrieb. Bereits 3000 Liter Most wurden laut Leiter Thomas Infanger in nur rund einer Woche gepresst. «Das sieht nach einer sehr guten Saison aus», freut er sich. Sehr überraschend ist dies aber nicht, da dieses Jahr eine Apfelschwemme angekündigt worden war.

Im Betrieb liegt ein süsssaurer Duft in der Luft, der ein bisschen von den lauten Geräuschen der Mostmaschine ablenkt. Ein etwa drei Meter langes Konstrukt steht mitten im Raum, dessen Boden nach einem Frucht-Schlachtfeld aussieht. Nicht nur die Packpresse arbeitet aber fleissig, sondern auch die zwei Helfer, die seit 7.30 Uhr für einen reibungslosen Ablauf an der Obstpresse sorgen.

Sechs Stunden pro Tag pressen

«Fabelhaft ist Apfelsaft», sagt der pensionierte Georg Studer lachend und verteilt die zerstückelten Äpfel auf jeweils acht Siebtücher, die dann gestapelt in die zwei Tonnen schwere Presse gelegt werden. Da die Maschine das Arbeitstempo angibt, kommt Studer manchmal auch ins Schwitzen. «Die Maschine arbeitet schneller als ich», sagt er schmunzelnd.

Der Obstsaft fliesst nach dem Pressvorgang in ein Becken, während die stumpfen Reste der Frucht, der sogenannte Trester, als Tierfutter in einem anderen Behälter landet. Diesen leert Studers Frau Irma im Fünfminuten-Takt in eine Mulde. Sie sorgt während des Vorgangs auch für den Apfel-nachschub, den sie in den vordersten Teil der Maschine kippt, wo die Früchte dann maschinell gewaschen, geschreddert und gemahlen und zu den Sieben befördert werden.

Most wird weiterverkauft

Etwa sechs Stunden arbeitet das kleine Team am Tag in der Mosti. Am Abend übernimmt dann laut Infanger eine andere kleine Gruppe das Aufkochen und Pasteurisieren des Mostes. Das Endprodukt wird schliesslich in Plastikbeutel und Kartonschachteln verpackt und an die Kunden abgegeben – wie am Mittwochmorgen an Dora Strähl aus Matzendorf. Sie hatte etwa 40 Liter Apfelsaft in Auftrag gegeben. «Es werden bald aber noch viel mehr sein», lacht sie. Letztes Jahr habe sie mit ihrer Apfelernte insgesamt rund 400 Liter Most erhalten. Werden die denn alle getrunken? «Ja, aber nicht nur von mir.» Einen Teil würde sie verkaufen.

Seit der Saison-Eröffnung letzte Woche haben wie Dora Strähl rund dreissig weitere Privatpersonen ihre Obsternte in Balsthal vorbeigebracht. Dabei wurden laut Infanger verschiedenste Apfelsorten abgegeben. Sortiert werden diese vor der Presse nicht. «Das beste Erzeugnis erhält man sowieso mit gemischten Sorten und einem Birnenanteil», sagt Infanger, der seit mehr als 20 Jahren mostet.

Bester Most erst später

Ob die mitgebrachten Äpfel, die alle zu den Frühsorten gehören, wirklich den besten Most geben? «Den besten Geschmack ergibt sich aus Mittelfrüh- und Spätsorten», sagt Walter Senn, Leiter des Mosterei-Zentrums in Fulenbach. Auch er hat letzte Woche die Mostsaison eröffnet. «Da die Saison aber eben angefangen hat, haben wir bis jetzt noch keine grossen Obstmengen erhalten», so Senn. Der grosse Andrang werde erst ab heute Donnerstag erwartet. Senn: «Jetzt werden wir langsam Full House haben.»