Härkingen
Bis die Tanne ein Christbaum ist, können 8 Jahre vergehen

Seit 1983 sind Peter und Margot Wyss-Husi auf dem Härkinger Hubel daheim, wo sich der frühere Revierförster seit 11 Jahren gänzlich der Weihnachtsbaum-Produktion verschrieben hat. 2015 war durch Trockenheit von viel Arbeit und Verlusten geprägt.

Bruno Kissling
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Die Tannen werden geschnitten
11 Bilder
So, jetzt gehts ans Verpacken
Die Tanne wird ins Netz geschoben
Das geht ganz schnell mit diesem Trichter
Von Baumschulist Linus Lack ist nur noch der Kopf zu sehen
Peter und Margot Wyss-Husi sowie Fabian Baumgartner mit Deck- und Dekoästen.
Weihnachtsbaum-Anbau in Härkingen
Die frisch geschnittenen und in Netze abgepackten Bäume werden nach Grösse sortiert und an Grossisten, Bürgergemeinden und auch Private verkauft.
Margot Wyss-Husi bei den ganz kleinen Tännchen

Die Tannen werden geschnitten

Bruno Kissling

Selbst im Internet-Zeitalter darbt der Christbaum-Brauch in der Schweiz keinesfalls. Rund 640 im Verband IG Suisse Christbaum zusammengeschlossene Produzenten – davon neun aus dem Kanton Solothurn – sorgen für jährlich 600 000 heimische Christbäume. Noch etwas mehr Bäume dazu finden den Weg in die heimischen Stuben, aus Monokulturen vorwiegend aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden.

Auf 12 Hektaren Gesamtfläche rund um sein Haus in Härkingen, aber auch Parzellen in Wangen, Kestenholz, Fulenbach, Hägendorf bis hinauf nach Schwarzhäusern baut Förster Peter Wyss vorwiegend Nordmann- und Rottannen und daneben im einstelligen Prozentbereich auch Blau- und Weisstannen sowie Colorado-Tannen an. Insgesamt dürften es etwa 120 000 Bäume sein, welche der Förster zusammen mit seiner Frau Margot und den Mitarbeitern Peter Jäggi, Linus Lack und Fabian Baumgartner sowie Aushilfen insgesamt hegt und pflegt.

Ein Nadeliger Weihnachtskumpel aus dem Internet

Eine für die Schweiz gänzlich neue Form des Weihnachtbaumverkaufs bietet seit 1. Dezember www.oh-tannenbox.ch an. Mit ein paar Klicks liefert das Unternehmen den gewünschten Weihnachtsbaum direkt an die Haustür, «ohne dass ein passender Christbaum gesucht, beim Verkäufer in der Warteschlange gefroren und die Tanne mühselig nach Hause transportiert werden muss». Kurzum: Mit weniger Stress für die Weihnachtszeit. Das dachten sich im Herbst auch die Erfinder von «oh-tannenbox», die dazu innert zwei Monaten eine marktreife Idee mit Internetplattform schufen. Das Unternehmen aus Kloten, dessen bestellte Nordmann-tannen aus Dänemark oder der Schweiz bei der Wolfwiler Bellaplant AG verpackt und in die Schweizer Stuben versendet werden, bietet Weihnachtsbäume rund um die Uhr – bestellbar gemütlich von zu Hause aus.

Jeder Weihnachtsbaum wird dabei per Paketdienst direkt nach Hause an die Tür geliefert. Auch eine einfache Lösung für fachgerechte Entsorgung ist auf Wunsch im Angebot: Mit dem Kauf einer Entsorgungsetikette, bei der ein Beitrag dem WWF zufliesst, kann der Käufer den Baum nach Weihnachten bei der nächstgelegenen DPD-Annahmestelle abgeben. Die Tanne wird dann bei einer Grüngut-Verwertung fachgerecht und ökologisch entsorgt. «Wir wollen den Leuten in der Schweiz stressfreie Weihnachten ermöglichen und ihnen die oft mühsame Beschaffung des Weihnachtsbaums ohne Dreck im Auto und Stress abnehmen. So kommt man schnell zum eigenen Weihnachtsbaum oder kann Familie und Freunde mit einer Tanne überraschen und beschenken», sagt Tobias Stadelmann, Mitgründer von Swissflair AG. Stadelmann hofft, dass die neue Form des Christbaum-Einkaufs auf ein grosses Echo stösst, warten in Wolfwil für dieses Weihnachtsfest doch rund 1000 Tannen auf ihre Käufer. «Es wird top oder ein Flop», meint Tobias Stadelmann von der Bellaplant, der ebenfalls sehr gespannt ist, ob beim Weihnachtsbaumkauf mehr das Erlebnis, Romantik, Glühweinduft und Tradition oder eben die Bequemlichkeit im
Internetzeitalter gefragt ist. (bko)

Nach Weihnachten ist vor Weihnachten – jedenfalls für Weihnachtsbaumproduzenten. Denn die Produktion der Christbäume, bei denen heute die Nordmanntanne der unangefochtene Schweizer Lieblingsbaum für das Christfest ist, fordert den Einsatz während des ganzen Jahres. Die Ernte der Bäume, das Sortieren nach Grösse und Verpacken in Netze für den Transport beginnt für die Grossverteiler mit ersten Exemplaren bereits Mitte November; die Hauptlieferung erfolgt hier dann auf den 1. Advent.

Ab November sind dann auch immer mehr Deckäste für Gräber und Gärten sowie Zieräste für Adventsdekos gefragt Doch bereits nach Weihnachten gehen Anbau und Pflege in den Kulturen wieder los: Stehen Anfang Jahr jeweils noch das Aufräumen der Flächen, das Abschneiden von Storzen gefällter Bäume und das Entfernen schlechter Bäume an, geht es nach dem Ende der Bodenfröste im März mit dem Auspflanzen der Jungbäume los. Gut 14 000 sind es jedes Jahr, die der Förster von der Emme-Forstbaumschule Recherswil als vierjährige Jungbäume bezieht oder auch selber anzieht. Etwa 9000 von diesen 14 000 Tannen werden in einigen Jahren auch als ausgewachsene Bäume in den Verkauf gelangen können.

Bis zur Ernte als Weihnachtsbaum von rund 2 Metern vergehen bei den Rottannen 5 bis 6 Jahre, Nordmanntannen brauchen dafür 7 bis 8 Jahre. Für das Setzen der vielen Jungbäume werden auch schon mal Akkordgruppen zugezogen. In diesem Jahr waren es insgesamt 17 000 zu pflanzende Jungbäume, da wegen der anhaltenden Trockenheit viele Bäume im Herbst ersetzt werden mussten.

Mit Spritzkanne vor Verdursten retten

Im Sommerhalbjahr geht die Arbeit in den Plantagen weiter mit Korrekturschnitten und Stecken von Vogelstäben, damit die frischen und weichen Gipfel nicht durch aufsitzende Vögel abbrechen. Das Korrigieren neuer Triebe und die Unkrautregulierung sowie bei Bedarf das Wässern bilden die Arbeit über den Sommer.

Gerade in diesem Jahr gab das Wässern der neu gepflanzten Jungbäume viel Arbeit, musste doch mit Zisternenwagen Wasser in die Baumanlagen gebracht und mussten neu gepflanzte Bäume mit der Spritzkanne vor dem Verdursten gerettet werden.

Gleichwohl rechnet Peter Wyss damit, dass in diesem Sommer Tausende von Jungbäumen infolge der anhaltenden Hitze und Trockenheit trotz zeitweiligem Giessen Schaden genommen haben und den Winter nicht überstehen oder im nächsten Frühling nicht wieder austreiben werden. Die Härkinger Christbaumproduzenten zeigen sich dabei erleichtert, dass es in den letzten Tagen ergiebig regnete und die Bäume jetzt getränkt in den Winter und Frost gehen können. Vor dem Regen hat man es den Bäumen gut angesehen – sie waren matt, und die Nadeln hatten keinen Glanz mehr. Die Nadeln waren auch schwächer und kürzer in diesem Jahr», so Peter Wyss.

Rund 60 Prozent der jährlich zigtausend verkauften Tannen gehen an Gärtnereien und Grossverteiler, etwa 10 Prozent an Bürgergemeinden. Ein Drittel wird direkt auf dem Hubel an Private verkauft, wobei der Wunschbaum von den Käufern – zumeist Familien – direkt in den Plantagen ausgewählt werden kann. Gewisse Kunden kommen sogar noch kurz vor Heiligabend vorbei, um ihre Tanne wirklich frisch geschnitten und aus der Region kaufen zu können.

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