Selbst im Internet-Zeitalter darbt der Christbaum-Brauch in der Schweiz keinesfalls. Rund 640 im Verband IG Suisse Christbaum zusammengeschlossene Produzenten – davon neun aus dem Kanton Solothurn – sorgen für jährlich 600 000 heimische Christbäume. Noch etwas mehr Bäume dazu finden den Weg in die heimischen Stuben, aus Monokulturen vorwiegend aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden.

Auf 12 Hektaren Gesamtfläche rund um sein Haus in Härkingen, aber auch Parzellen in Wangen, Kestenholz, Fulenbach, Hägendorf bis hinauf nach Schwarzhäusern baut Förster Peter Wyss vorwiegend Nordmann- und Rottannen und daneben im einstelligen Prozentbereich auch Blau- und Weisstannen sowie Colorado-Tannen an. Insgesamt dürften es etwa 120 000 Bäume sein, welche der Förster zusammen mit seiner Frau Margot und den Mitarbeitern Peter Jäggi, Linus Lack und Fabian Baumgartner sowie Aushilfen insgesamt hegt und pflegt. 

Nach Weihnachten ist vor Weihnachten – jedenfalls für Weihnachtsbaumproduzenten. Denn die Produktion der Christbäume, bei denen heute die Nordmanntanne der unangefochtene Schweizer Lieblingsbaum für das Christfest ist, fordert den Einsatz während des ganzen Jahres. Die Ernte der Bäume, das Sortieren nach Grösse und Verpacken in Netze für den Transport beginnt für die Grossverteiler mit ersten Exemplaren bereits Mitte November; die Hauptlieferung erfolgt hier dann auf den 1. Advent.

Ab November sind dann auch immer mehr Deckäste für Gräber und Gärten sowie Zieräste für Adventsdekos gefragt Doch bereits nach Weihnachten gehen Anbau und Pflege in den Kulturen wieder los: Stehen Anfang Jahr jeweils noch das Aufräumen der Flächen, das Abschneiden von Storzen gefällter Bäume und das Entfernen schlechter Bäume an, geht es nach dem Ende der Bodenfröste im März mit dem Auspflanzen der Jungbäume los. Gut 14 000 sind es jedes Jahr, die der Förster von der Emme-Forstbaumschule Recherswil als vierjährige Jungbäume bezieht oder auch selber anzieht. Etwa 9000 von diesen 14 000 Tannen werden in einigen Jahren auch als ausgewachsene Bäume in den Verkauf gelangen können.

Bis zur Ernte als Weihnachtsbaum von rund 2 Metern vergehen bei den Rottannen 5 bis 6 Jahre, Nordmanntannen brauchen dafür 7 bis 8 Jahre. Für das Setzen der vielen Jungbäume werden auch schon mal Akkordgruppen zugezogen. In diesem Jahr waren es insgesamt 17 000 zu pflanzende Jungbäume, da wegen der anhaltenden Trockenheit viele Bäume im Herbst ersetzt werden mussten.

Mit Spritzkanne vor Verdursten retten

Im Sommerhalbjahr geht die Arbeit in den Plantagen weiter mit Korrekturschnitten und Stecken von Vogelstäben, damit die frischen und weichen Gipfel nicht durch aufsitzende Vögel abbrechen. Das Korrigieren neuer Triebe und die Unkrautregulierung sowie bei Bedarf das Wässern bilden die Arbeit über den Sommer.

Gerade in diesem Jahr gab das Wässern der neu gepflanzten Jungbäume viel Arbeit, musste doch mit Zisternenwagen Wasser in die Baumanlagen gebracht und mussten neu gepflanzte Bäume mit der Spritzkanne vor dem Verdursten gerettet werden.

Gleichwohl rechnet Peter Wyss damit, dass in diesem Sommer Tausende von Jungbäumen infolge der anhaltenden Hitze und Trockenheit trotz zeitweiligem Giessen Schaden genommen haben und den Winter nicht überstehen oder im nächsten Frühling nicht wieder austreiben werden. Die Härkinger Christbaumproduzenten zeigen sich dabei erleichtert, dass es in den letzten Tagen ergiebig regnete und die Bäume jetzt getränkt in den Winter und Frost gehen können. Vor dem Regen hat man es den Bäumen gut angesehen – sie waren matt, und die Nadeln hatten keinen Glanz mehr. Die Nadeln waren auch schwächer und kürzer in diesem Jahr», so Peter Wyss.

Rund 60 Prozent der jährlich zigtausend verkauften Tannen gehen an Gärtnereien und Grossverteiler, etwa 10 Prozent an Bürgergemeinden. Ein Drittel wird direkt auf dem Hubel an Private verkauft, wobei der Wunschbaum von den Käufern – zumeist Familien – direkt in den Plantagen ausgewählt werden kann. Gewisse Kunden kommen sogar noch kurz vor Heiligabend vorbei, um ihre Tanne wirklich frisch geschnitten und aus der Region kaufen zu können.