Mümliswil-Ramiswil

«Bin mit viel Herzblut dabei»: Er organisiert das Rennen und macht auch noch selbst mit

André Brunner mit seiner KTM 350 EXC-F auf dem Rennareal im Reckenkien bei Mümliswil-Ramiswil.

André Brunner mit seiner KTM 350 EXC-F auf dem Rennareal im Reckenkien bei Mümliswil-Ramiswil.

André Brunner ist Motorsportler mit Leib und Seele. Vor zehn Jahren holte der 51-Jährige seine Leidenschaft ins Reckenkien.

«Der Töff war von Anfang an mein Fortbewegungsmittel», sagt André Brunner. Der 51-jährige Mümliswiler betreibt seit 1987 Motorsport. Gepackt habe ihn die Leidenschaft, als er als Jugendlicher den alten Motocross-Töff eines benachbarten Bauern Probe fahren durfte. «Das hat mir so sehr gefallen, dass ich gleich die Lizenz gelöst habe», blickt der gelernte Plattenleger auf den Wechsel vom «Töffli» auf ein 125-er Motorrad zurück. Damit sei er gleich an den Schweizer Juniorenmeisterschaften gestartet, wie er fortfährt.

Mit viel Energie und Begeisterung steigerte sich der junge André Brunner in den Motocross-Sport hinein und gehörte schon bald zu den 40 besten Schweizer Fahrern. Tägliches Ausdauer- und Fitnesstraining sei dafür unverzichtbar gewesen. «Wer hoch oben mitmischen will, der muss viel Aufwand betreiben», sagt er. Doch wie jede Sportart birgt auch Motocross Gefahren und Risiken: 1996 stürtzte der damals 28-Jährige schwer: Bei einem Sprung verliert er die Kontrolle und fällt aus mehreren Metern zu Boden. «Ich bin mit einer Halskrause im Zelt wieder aufgewacht», erinnert er sich. «Das war ein Wendepunkt für mich.» Brunner entschied sich danach, in die Enduro-Kategorie des Geländesportes zu wechseln. Anstelle von Geschwindigkeit zähle da vielmehr die Ausdauer. Das Verletzungsrisiko sei dabei geringer. «Ich fahre immer noch ab und zu Motocross, aber keine Meisterschaften mehr in dieser Kategorie», sagt er.

Unerschrocken auf dem Weg zum Meistertitel

Der unglückliche Vorfall hindert ihn aber nicht, weiterhin an Rennen teilzunehmen. Dieses Jahr fährt der vierfache Vater um den Schweizermeistertitel in der Enduro-Kategorie. Momentan verteidigt er den ersten Rang und bestreitet Anfang September sein letztes Rennen in dieser Saison. Auch sein Nachwuchs steigt dem Erfolg im Motorsport ebenso eifrig nach: Der älteste Sohn repräsentiere in der Enduro-Weltmeisterschaft die Schweiz. Auch der jüngste fühle sich auf dem Sattel des Motorrades wohl. «Wir sind eine verrückte Töff-Familie», sagt Brunner lachend. Das fordere viel Verständnis der übrigen, weiblichen Familienmitglieder, seiner Frau und seiner beiden Töchter: «Meine Frau macht das seit über 30 Jahren mit.» Die Angst vor einem weiteren Unfall sei allgegenwärtig. Doch Brunner relativiert: «Im Fussball oder beim Velofahren können genau so viele Unfälle passieren.» Belastender für die Familie sei seine Abwesenheit während der vielen Rennen gewesen. «Man ist schon einige Wochenenden weg. Als die Kinder noch klein waren, musste meine Frau sich oft alleine um sie kümmern», erinnert er sich zurück.

Dennoch räumt Brunner auch heute noch seiner Leidenschaft viel Zeit ein. Neben der Schweizermeisterschaft und seiner Tätigkeit beim Motorsport Verband FMS als Rennleiter und Endurosport Kommissär ist er seit zehn Jahren aktives Mitglied im Motoclub Passwang und fast so lange dessen Vizepräsident. Als damals noch einziger Motocross-Fahrer im Club holte er vor zehn Jahren die MXRS-Serie, einen damals noch regionalen Motocross Cup, nach Mümliswil. Fünf Jahre lang betrieb der Verein die Festwirtschaft des Rennens auf dem Gelände im Reckenkien, bis er vor fünf Jahren die Organisation übernahm.

Seither geht es bei dem Anlass um weit mehr als nur um regionale Cups: Es wird um den Schweizermeistertitel gefahren. Um für einen optimalen Betrieb zu sorgen, nimmt Brunner jeweils fast zwei Wochen Ferien vor und während des Anlasses. «Für mich ist die Veranstaltung insofern speziell, weil ich für den Sport lebe», sagt er. «Ich bin mit viel Herzblut dabei.» Als Zuständiger für den Streckenbau sei ihm das Wohlergehen der Fahrer dabei am wichtigsten: «Unsere Strecke ist technisch anspruchsvoll», sagt er. Aber er wolle nicht, dass bei jedem Sprung die Rega kommen muss. «Mir war immer wichtig, dass wir keine gefährliche Strecke bauen.» Und das schätzen die Teilnehmer sehr. Aus dem Fahrerlager habe der Verein in den letzten fünf Jahren vernommen, dass für viele das Rennen in Mümliswil das schönste im Jahr sei.

Zehnter «Motocross Passwang» im Reckenkien

Am Wochenende vom 31. August und 1. September findet das Rennen zum zehnten Mal statt. Neben den Schweizermeisterschafts-Läufen starten auch die ganz Kleinen im Kids Cup, regionale Hobbyfahrer im Regio-Thal Cup, darunter auch Brunner selbst, und erstmals auch Oldtimer. Der freie Eintritt zum Rennen habe letztes Jahr rund 3000 Zuschauer auf das Gelände gelockt. «Für, eine nationale Veranstaltung, sind das viele Leute», sagt Brunner. Bis zu 300 Fahrer aus der ganzen Schweiz erwarte er dieses Jahr.

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