Ein öffentlicher Rückruf von Produkten ist für den Hersteller immer ein Image-Killer.

Insbesondere dann, wenn es sich um Lebensmittel handelt und noch mehr, wenn Säuglingsnahrung betroffen ist. Das bekommt jetzt die Bimbosan AG in Welschenrohr zu spüren. «Es ist noch zu früh, um das Ausmass abzuschätzen», sagt Daniel Bärlocher, Geschäftsführer der landesweit bekannten Produzentin von Säuglingsnahrung.

Am Mittwoch warnte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen vor gefährlichen Cronobacter-Bakterien in der Säuglingsanfangsnahrung «Super Premium 1» der Firma Bimbosan. Die Bakterien könnten bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern in seltenen Fällen zu schwerwiegenden Infektionen wie Hirnhautentzündung führen, heisst es in einer öffentlichen Warnung. Das Amt empfiehlt deshalb, das betroffene Produkt nicht zu konsumieren.

3000 Nachfüllbeutel betroffen

Betroffen sind 3000 Nachfüllbeutel 400 Gramm mit Ablaufdatum 21. Oktober 2017, wie Bärlocher präzisiert. Diese seien am 6. und 9. Mai in Welschenrohr produziert und im Zeitraum vom 9. bis 18. Mai 2016 schweizweit an Apotheken, Drogerien und Coop-Filialen verkauft worden. Die mit dem betroffenen Produkt belieferten Absatzkanäle seien alle bekannt und die Beutel seien umgehend vom Markt genommen worden. «Super Premium 1» gehöre zu den fünf meistverkauften Produkten von Bimbosan. «Alle anderen Produkte sind nicht betroffen», versichert Bärlocher. Krankheitsfälle seien bislang keine bekannt.

Die mikrobiologische Belastung der zwei Chargen mit den Bakterien sei bei der betriebsinternen Kontrolle festgestellt worden, so Bärlocher. Die A-Probe habe noch keinen Hinweis auf die Verunreinigung geliefert, erst bei der B-Probe habe es Anzeichen für die Bakterien gegeben. Mehrere Quellen könnten die Verunreinigung verursacht haben, von der angelieferten Milch bis zur Luft. Es handle sich beim Cronobacter um ein weitverbreitetes Bakterium und könne auch in vielen Lebensmitteln nachgewiesen werden. Aber in der Säuglingsnahrung sei das Bakterium besonders heikel, gesteht Bärlocher ein.

Sofort nach der Entdeckung der Bakterien habe man reagiert, die Behörden eingeschaltet und das bestehende Netz an Kontrollen noch dichter gemacht. Es handle sich unter anderem um zusätzliche Tests der angelieferten Rohstoffe. Ab sofort würden zudem auch die Ergebnisse der B-Probe abgewartet, bevor die Produkte zur Auslieferung freigegeben werden. 

Bislang seien die Produkte nach Kontrollen der Rohstoffe und der Abfüllung (A-Probe) ausgeliefert worden. War das nicht ein Fehler? Nein, sagt Bärlocher. Es handle sich um «einen etablierten Prozess in der Nahrungsmittelindustrie». Mit dem Abwarten der Resultate aus der B-Probe habe Bimbosan nun eine zusätzliche Sicherheitsstufe eingebaut.

Die Zusammenarbeit mit der Firma Bimbosan sei im Zusammenhang mit dem Produkterückruf sehr gut und kooperativ verlaufen, erklärt auf Anfrage Kantonschemiker Martin Kohler. Die Lebensmittelkontrollstelle habe den Rückruf eng begleitet. «Wir haben die erforderlichen Massnahmen angeordnet», so Kohler. Man stehe in ständigem Kontakt mit Bimbosan und werde die Umsetzung der Massnahmen überprüfen.

Produktion modernisiert

Einen Zusammenhang mit der jüngst realisierten Modernisierung der Produktion für über eine Million Franken sieht Bärlocher nicht. Vielmehr sei das Auftauchen der Probleme zum jetzigen Zeitpunkt geradezu paradox. «Die Sicherheit der Produktion war noch nie so hoch wie nach der Modernisierung.»

Bimbosan-CEO Daniel Bärlocher mit Regierungsrätin Esther Gassler bei der Eröffnung des neuen Firmengebäudes.

Bimbosan-CEO Daniel Bärlocher mit Regierungsrätin Esther Gassler bei der Eröffnung des neuen Firmengebäudes.

Seit den ersten Meldungen über die Warnung vom Bundesamt laufen die Telefone heiss bei Bimbosan. «Wir erhalten sehr viele Anrufe von verunsicherten Kunden», berichtet Bärlocher. Auf den Ansturm habe man sich vorbereitet und die Besetzung der Hotline – auch über das Wochenende – ausgebaut. Bereits aus Südkorea habe man eine Reaktion erhalten, obwohl die betroffenen Chargen nur in der Schweiz verkauft worden seien.

Imageschaden befürchtet

Wie sich die Negativ-Meldung auf die Verkäufe auswirken werde, sei noch ungewiss. «Das Risiko eines gröberen Imageschadens ist aber da.» Es müsse nun Bimbosan gelingen, die Kunden mit transparenter Information zu überzeugen, dass der Schaden klar begrenzt sei und sich mit den zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen nicht wiederholen werde. Das Vertrauen in die Marke dürfe nicht verloren gehen. So gesehen sei die Firma mit 22 Angestellten nicht gefährdet, hofft Bärlocher.