Dabei griff sie bereits im Titel der Einladung, «Lehrplan 21 – mit Kompetenz in die Zukunft», ein Reizwort auf: die Kompetenzen. «Der Lehrplan 21 ist ein Harmonisierungsprojekt», hielt Karin Büttler in ihrem Eingangsreferat fest. Büttler ist Kantonsrätin und Mitglied der Bildungs- und Kulturkommission. Mit der Verfassungsänderung von 2006 gaben die Stimmenden den 21 Deutschschweizer Kantonen den Auftrag, Ziele und Inhalte der Volksschule zu vereinheitlichen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass im Rahmen der allgemeinen Mobilität Schulkinder von einem Kanton in den anderen wechseln müssen. In einem längeren Prozess über acht Jahre und unter breiter Beteiligung ist nun ein neuer Lehrplan erarbeitet worden.

Wird alles anders?

Der Lehrplan hält fest, was die Schülerinnen und Schüler lernen sollen, und er legt Grundansprüche fest, welche von möglichst allen erreicht werden sollen. Mit der Ablösung des bisherigen Lehrplans aus dem Jahr 1992 geht ein Wechsel einher. Im Lehrplan 21 (LP21) spricht man von kompetenzorientiertem Unterricht. Wird damit nun alles anders? Karin Büttler wies darauf hin, dass schon im bisherigen Lehrplan von sozialen und persönlichen Kompetenzen die Rede ist, und dass die aktuellen Lehrmittel für Mathematik, Deutsch und Fremdsprachen bereits zum LP21 passen.

Eine Gesprächsrunde befasste sich mit den Eigenheiten des LP21. Den Fragen von Moderator Beat Nützi, Präsident des Zweckverbands Kreisschule Gäu und Chefredaktor des «Oltner Tagblatts», stellten sich Regierungsrat Remo Ankli, Georg Berger, Direktor des Berufsbildungszentrums BBZ Olten, Kantonsrätin Karin Büttler, Christoph Kohler, Schuldirektor der Kreisschule Gäu, sowie Urs Schmid, Projektleiter Berufsbildung beim Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverband.

Die Gesprächsrunde räumte ein Missverständnis von Beginn an aus. Mit dem Fokus auf die Kompetenzen werde das Lernen nicht abgeschafft (höchstens das Pauken). Vielmehr basiere das Erwerben der Kompetenzen in der Schule auf drei Säulen: Auf fachlichem Wissen und Verstehen, auf der Fähigkeit, dieses Wissen anzuwenden, sowie in der Bereitschaft, das fachliche Wissen zu gebrauchen und umzusetzen. Für Urs Schmid umfassen die Kompetenzen die Verknüpfung von Theorie und Praxis. Sie verwirklichen fachliches Wissen und Können beispielsweise in einem handwerklichen Produkt. Ohnehin versteht Schmid die Aufregung über die Kompetenzen nicht. «Seit dem neuen Berufsbildungsgesetz von 2004 reden alle Reglemente, die festschreiben, was Lernende bei der Lehrabschlussprüfung können müssen, nur von Kompetenzen. Die schulischen Anforderungen orientieren sich an der Berufsbildung.»

Auch Christoph Kohler lobte die Lernzielorientierung am LP21. Es genüge nicht, dass ein Mechaniker Begriffe und Formeln beherrscht, sondern er müsse an einer defekten Maschine den Fehler finden und reparieren können; zudem seien seine sozialen Kompetenzen gefragt, das heisst, er muss mit den Kunden gut umgehen können.

Ein Mittelweg

Auch Bildungsdirektor Remo Ankli relativierte. Der Lehrplan wolle weder alles auf den Kopf stellen noch alles und jedes regeln. «Es ist aber auch nicht so, dass alles gleich bleibt», sagte Ankli. Vielmehr sei der neue Lehrplan ein Mittelweg. «Er wird auch nicht von oben aufoktroyiert.» Die Stundentafel befindet sich in der Vernehmlassung. Grundsätzlich gibt der Lehrplan die Ziele vor. «Auf welchem Weg diese erreicht werden, liegt in der Verantwortung der Lehrpersonen. Die Methodenfreiheit ist nach wie vor gewährleistet.»

Georg Berger äusserte sich optimistisch. Bei der Umsetzung des LP21 sei Pragmatismus angesagt. Er erachtet es als richtig, dass in einer frühen Phase kritisiert und diskutiert werde. Sobald aber der Entscheid zur Einführung des LP21 gefallen ist, lasse sich der Lehrkörper durchaus ins Boot holen. Schliesslich diene der Lehrplan dazu, die Schülerinnen und Schüler auf ein selbstverantwortliches Leben in der Arbeitswelt vorzubereiten.