Schweiz/Nigeria
«Bildung ist der Schlüssel zur Zukunft»: Egerkinger Pfarrer lanciert Hilfsprojekte

Der ursprünglich aus Nigeria stammende Egerkinger Pfarrer Kenneth Ekeugo lanciert mithilfe zweier Vereine verschiedene Schul- und Krankenhaus-Projekte in seinem Heimatland.

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Bruno Kissling

Voller Stolz drückt Kenneth Ekeugo durch Bilder auf seinem Laptop. Sie zeigen eine Baustelle in Nigeria, wo bald eine neue Sekundarschule entstehen soll. Vereinzelt schleichen sich zwischen die Bilder der Baustelle Fotos von ihm mit afrikanischen Kindern. Er legt seinen Arm um ein Schulmädchen, sie strahlt in die Kamera.

Es sind Bilder von den Projekten des Pfarrers in seinem Heimatdorf Amagu und der nahegelegenen Bischofsstadt Okigwe in Nigeria. Dort hat Ekeugo mithilfe zweier Vereine bereits ein Spital und eine Primarschule mit Kindergarten gebaut. Nun nimmt er als Präsident des Vereins «Odinaka» ein weiteres Projekt in Angriff: Eine neue Sekundarschule, die den Name Swiss International College tragen wird.

Verein «Odinaka» baut Schulen

Mit 35 Jahren hat der heute 58-Jährige seine Heimat verlassen, um in Salzburg in Theologie und Kirchenrecht zu promovieren. Im Jahr 2003 zog es ihn dann in die Schweiz. Seit rund drei Jahren wohnt der Nigerianer nun in Pfarrhaus in Egerkingen als leitender Priester der Gäuer Pfarreien. Den Gedanken an seine Heimat hat er aber nie verloren. «Es hat zwar Schulen in Nigeria, aber das öffentliche Schulsystem ist sehr schlecht», erzählt Pfarrer Kenneth, wie er überall genannt wird. «Vor allem die armen Familien können ihren Kindern keine Ausbildung ermöglichen.» Und die Bildung sei schliesslich der Schlüssel zur Zukunft.

Deshalb nahm er vor rund zehn Jahren das Projekt eines Kindergartens und einer Primarschule in Angriff. Am Anfang waren es neun Schulkinder, die dank der Arbeit des Vereins «Odinaka» eine Bildung erhalten haben. «Odinaka» bedeutet übersetzt «Es liegt in Gottes Hand» auf Igbo, der Sprache, wie sie in Nigeria gesprochen wird. Mittlerweile unterstützt der Verein rund 230 Schulkinder in ihrem Bildungsweg an der John Bosco Primarschule.

Nach dem Erfolg der Primarschule wagt sich «Odinaka» an eine Sekundarschule und die Organisation eines Schulbusses. Ekeugo wird emotional, wenn er von seinem Projekt erzählt. Dieses ist noch immer in der Startphase. Das Fundament ist ausgehoben und die Bodenplatten verlegt. Für mehr sei momentan das Geld nicht vorhanden. «Wenn wieder mehr Spenden reinkommen, bauen wir weiter», erklärt Pfarrer Kenneth.

Von überall her kann man helfen

Diese Spenden erhält der Verein von Privatpersonen aus der ganzen Schweiz, aber auch durch andere Vereine, Institutionen und als Kollekte während den Gottesdiensten. Mit dieser Finanzierung kann der Verein das Projekt in der Höhe von rund 950'000 Franken realisieren. Der Schulbetrieb, ist die Sekundarschule erst einmal gebaut, wird dann von den Schulgeldern der Kinder unterstützt. 100 Franken kosten ein Schuljahr pro Kind für die Primarschule, 200 Franken für die Sekundarschule.

Aber auch dieses Geld hätten viele Familien nicht. Deshalb unterstützt der Verein auch Schulpatenschaften, damit die Kinder eine Chance auf eine Zukunft haben. «Ich hatte das Glück, in die Schule zu gehen», erzählt Ekeugo. «Deshalb mache ich diese Projekte nicht für mich, mir geht es ja gut hier, aber vielen anderen eben nicht.» Trotzdem, oder eben genau deshalb, verpflichte ihn sein Gewissen dazu, Anderen zu helfen.

Sehen können, was Hilfe bewirkt

Der Nigerianer unterstützt aber nicht nur Schulprojekte, sondern hat auch beim Bau eines Spitals in Amagu mitgeholfen. Das Swiss Foundation Hospital wurde mithilfe des Vereins «Hopeville» erbaut. Ein weiteres Spital in der Stadt Okigwe ist ebenfalls in Planung. Momentan fungiert der Betrieb in einem gemieteten Gebäude. Durch die Projekte schaffen die beiden Vereine auch Arbeitsplätze. Knapp 50 Leute sind momentan durch die Bauten beschäftigt und erhalten Lohn, um ihre Familien zu unterstützen. «Es ist vielleicht nicht viel, aber es kann Leben retten», meint Ekeugo.

Die beiden Vereine arbeiten mittlerweile eng zusammen. Regelmässig besuchen Mitglieder ihre Projekte in Afrika. «Fast jährlich gehen unsere Leute dort arbeiten», erzählt der Pfarrer. Das mache sich auch hier gut, die Schweiz lege viel Wert auf Auslanderfahrungen. «Und dann können wir sehen, was unsere Projekte bewirken.»

Auch der Pfarrer besucht seine Heimat und seine Familie regelmässig. «Immer, wenn ich zurückkehre, sehe ich die lachenden Gesichter von denjenigen, denen wir helfen konnten», sagt er. «Ich sehe Kinder in unseren Schuluniformen, die auf mich zu rennen und mich umarmen.» Das sei der grösste Dank. Denn das beweise, dass man von überall auf der Welt anderen Menschen helfen könne.

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