Muss sich Holderbank erneut dem Diktat des Kantons unterwerfen, wie das seit 2014 wegen der desolaten Finanzlage der Gemeinde der Fall ist?

Damals hatte der Regierungsrat im Rahmen eines aufsichtsrechtlichen Verfahrens verfügt, dass für das 626-Seelen-Dorf der Steuerfuss von 130 auf 150 Prozent anzuheben sei.

Nun zeichnet sich neues Ungemach aus Solothurn ab, sollten sich die Holderbankerinnen und Holderbanker an der Gemeindeversammlung vom 15. Dezember, wie bereits vor einem Jahr, wiederum gegen die Bildung einer Kreis-Primarschule Balsthal-Holderbank aussprechen.

Das damals verworfene Modell sah wegen der stetig sinkenden Schülerzahlen die Auslagerung der Kinder ab der 3. Klasse in die Primarschule Balsthal vor, die 1. und 2. Primarschulklasse sollte in Holderbank bleiben.

Appel an die Vernunft

An der am Mittwochabend im Gemeindesaal durchgeführten Infoveranstaltung machte Daniel Eggimann vom Volksschulamt deutlich, dass der Kanton im Interesse der Schule und der Qualität des Unterrichts bei einer erneuten Ablehnung nicht einfach wegschauen könne.

Deshalb behalte er sich vor, dem Regierungsrat die Durchsetzung des neuen Schulkreises zu empfehlen. Eggimann berief sich dabei auf das kantonale Volksschulgesetz. Dieses erlaube, dass Gemeinden zu einen Zusammenschluss in einen Schulkreis verpflichtet werden könnten.

Als Drohung wolle er diese Ankündigung aber nicht verstanden wissen, betonte Eggimann. Ihm gehe es lediglich darum, die Stimmberechtigten dazu zu bewegen, bei diesem Entscheid die Vernunft walten zu lassen.

Gegner nicht in der Arbeitsgruppe

In der von rund 40 Personen besuchten Versammlung wurden Eggimanns Äusserungen aber sehr wohl als Drohung wahrgenommen, insbesondere von den Gegnern des Projekts.

Deren Bedenken gegen die teilweise Auslagerung der Schulklassen nach Balsthal hatte die unter der Leitung von Gemeinderätin Gabriela Dennler stehende Arbeitsgruppe aufgenommen.

Und im Sinne der im Juni als erheblich erklärten Motion in das noch einmal überarbeitete Vertragswerk mit der Schule Balsthal übernommen. Dazu gehört unter anderem, dass Holderbank als Schulstandort erhalten bleibt.

Nicht umgesetzt werden konnte die im Juni ebenfalls beschlossene Mitwirkung der Gegner in der Arbeitsgruppe, weil sich diese aus der Planungsgruppe zurückgezogen hatten.

Dennler erwähnte bei ihren Ausführungen, dass auch ein Zusammenschluss mit Langenbruck im Kanton Basel-Landschaft geprüft worden sei, die Hürden aber als zu hoch eingestuft worden seien.

Weiter führte sie vor Ausgen, dass in Holderbank bei einem Alleingang im Schuljahr 2017/2018 aus der ersten und zweiten Klasse eine Abteilung mit 17 Kindern gebildet wird.

Abteilung mit 17 Kinder aus 4 Klassen

Als problematisch bezeichnete sie die nötige Zusammenlegung der 17 Schüler aus der dritten, vierten, fünften und sechsten Klasse zu einer einzigen Abteilung. Schüler aus vier Klassen gleichzeitig zu unterrichten, stelle für Lehrkräfte eine enorm grosse Herausforderung dar.

Weil das auch in den kommenden Jahren so bleiben werde, sei der Zusammenschluss mit der Primarschule Balsthal ab dem 3. Schuljahr der richtige Weg, um allen Schülern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Gleichzeitig könne die Gemeinde jährlich 120 000 Franken einsparen.

Von der Gegnerschaft wurden die erwähnten Anpassungen im Zusammenarbeitsvertrag mit Balsthal als zu gering bezeichnet. Zudem wurde auch der Vorwurf laut, dass es nur darum gehe, Geld zu sparen.

Andere Gegner des Projekts glaubten zu wissen, dass Holderbank auch diese Herausforderung wieder im Alleingang bewältigen könne. Wenn Fachleute aber klar zum Schluss kämen, dass dies in Bezug auf die Lehrkräfte und die Schüler generell nicht umsetzbar sei, müsse diese Haltung überdacht werden, räumte ein Gegner ein.

Schulleiterin Cécile Kamer erklärte, dass dies im Grundsatz nicht so gesagt werden könne. Klar sei aber, dass in einer Abteilung mit vier Klassen jene Schüler auf der Strecke blieben, die Betreuung brauchten. In Holderbank betreffe das etwa rund die Hälfte der Kinder.

Bezüglich der eingesparten Kosten für den Schulbetrieb wurde erwähnt, dass dies lediglich ein willkommener Nebeneffekt sei. Im Vordergrund stehe primär die Qualität des Unterrichts und damit das Wohl der Kinder.

Hoffnung auf einen Konsens

Die diesmal in der Mehrzahl auftretenden Befürworter des neuen Primarschulkreises warnten davor, die Augen vor der Realität weiter zu verschliessen. Die Zusammenarbeit mit der Primarschule Balsthal sei sinnvoll.

Zudem bleibe mit dem Kindergarten sowie der ersten und zweiten Klasse ein Teil der Schule weiter im Dorf. Am Schluss der Debatte zeigte sich Gemeindepräsident Urs Hubler erfreut über die insgesamt ruhig und sachlich geführte Diskussion.

Dies stärke ihn im Glauben, dass an der Gemeindeversammlung vom 15. Dezember doch noch ein Konsens gefunden werden könne, so der Gemeindepräsident.