«Der Bienenzüchterverein Gäu bezweckt die Förderung und Hebung der Bienenzucht im Vereinsgebiet in praktischer und wissenschaftlicher Beziehung und die Wahrung der materiellen und ideellen Interessen der Bienenzüchter.» Seit 100 Jahren sind die Ziele des Bienenzüchtervereins Gäu in den Statuten festgehalten. Heute sind sie aktueller denn je: Die seit knapp drei Jahrzehnten von Milben geplagten Honigbienen bedürfen spezieller Pflege und sorgen auch im Gäuer Verein für Kopfzerbrechen. Im Vereinsbienenhaus in Oberbuchsiten erinnert sich Franz Berger gemeinsam mit seinem Sohn Daniel daran, wie die damals noch unbekümmerte Bienenhaltung sich während seiner 53-jährigen Vereinsmitgliedschaft verändert hat und sie erklären, wofür sich der Verein heute einsetzt.

«Früher ging man am Sonntag, sofern man Zeit hatte, gemeinsam mit den Kindern zu den Bienen und hat den Honig bezogen», beginnt er. «Ab und zu mussten wir die Tiere noch etwas füttern; aber nicht behandeln und ausräuchern.» Der 67-Jährige pflegt heute, nach zehn Jahren in der Funktion des Vereinsaktuars, den Lehrbienenbestand und die Belegstation in Oberbuchsiten. Er weiss: «Heute kann man ein schwaches, befallenes Bienenvolk über die Wintermonate nicht sich selbst überlassen. Die Varroamilben lassen das Volk bis in den Frühling eingehen.» Durch sein umfangreiches Wissen über den Umgang mit befallenen Bienenvölkern sowie seine über fünf Jahrzehnte hinausreichende Erfahrung mit Bienen geniesst Franz Berger im Verein grossen Respekt. Als erfahrenster Imker leitet er seit vier Jahren den monatlichen Erfahrungsaustausch im Vereinsbienenhaus.

Wissensaustausch fördern

Die Idee für diesen Austausch hatte sein Sohn Daniel Berger, Vereinspräsident seit 2017 und Imker mit 27 Jahren Erfahrung. «Der Imker ist tendenziell einer, der sich nicht so gerne in die Karten schauen lässt», sagt er. «100 Imker geben 200 Meinungen ab.» Der Erfahrungsaustausch biete jedoch allen neuen und jahrelangen Imkern die Möglichkeit, Antworten auf Fragen zu erhalten, welche sie beschäftigen. Jeweils zehn bis fünfzehn Mitglieder nehmen an den Treffen im Vereinsbienenhaus teil und profitieren vom Wissen anderer. «Am Ende wenden sich viele fragend an meinen Vater: ‹Und was meinst du?›.» Seine Bestätigung sei oftmals Antwort genug für die Ratlosen unter den Gäuer Imkern.

Als weiteren Grund für die Relevanz der Erfahrungsaustausche nennt der Vereinspräsident das verstummende Vereinsleben. «Unser Verein war einige Jahre am Schlafen», sagt er. Zweimal im Jahr, nämlich zur Generalversammlung und zum Grillieren beim Vereinspräsidenten zu Hause hätten sich die rund 60 Mitglieder jeweils getroffen. «Seit wir den Erfahrungsaustausch im Programm haben, treffen wir uns jährlich bis zu zwölf Mal.» Und er möchte anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums noch mehr Schwung in den Verein bringen, der seit 1919 in seinen Mustern verharrt ist: Mit einem Gesuch an alle Mitgliedergemeinden erhofft sich Daniel Berger mehr finanzielle Unterstützung, die sie als überregionaler Verein bisher nicht beanspruchen konnten. Mit den zusätzlichen Einnahmen will er die Vereinsmitglieder sowie Interessierte mit Fachvorträgen von Experten weiterbilden und aufklären. «Wenn beispielsweise jeder Nicht-Imker wüsste, wie er während der Trachtlücken die Bienen unterstützen könnte, dann könnte man gemeinsam den Futtermangel während dieser Zeit minimieren», sagt Vater Berger. Daher richten sich die geplanten Fachvorträge an die gesamte Bevölkerung. «Wir wollen die Leute etwas wachrütteln und informieren.»

Bienen ins Bewusstsein holen

Seitdem die Varroamilbe Einzug gehalten hat und die intensive Landwirtschaft den Bienen das Leben schwerer macht, setzt der Bienenzüchterverein Gäu vermehrt auf die Aufklärung unwissender Bürger sowie auf eine solide Ausbildung von Nachwuchsimkern. «Viele Leute haben keine Ahnung von Bienen, ausser dass sie Honig geben», sagt Vater Berger. «Nur wenige sind sich bewusst, dass es beispielsweise für ein Kilogramm Honig 150'000 Blüten braucht.» Seit langem bereits setzt er daher bei den jüngsten Generationen an: Jedes Jahr bietet er den Schulen die Möglichkeit, die Bienen im Vereinsbienenhaus zu besichtigen und erklärt den Kindern, welche Dynamik in einem Bienenvolk herrscht.

Dasselbe möchte Junior Berger nun auch im Rahmen eines «Tags der offenen Bienenhäuser» für Erwachsene und Familien anbieten: Mitglieder des Vereins informieren jeweils bei ihren eigenen Bienenhäusern über alles rund um die Bienenhaltung und stehen für Fragen und Austausch zur Verfügung. Am 5. Mai fand bereits der erste von zwei Anlässen statt, zu welchen insgesamt 70 Leute kamen. «Einige Imker waren skeptisch und rieten uns, den Anlass sein zu lassen, da ohnehin keiner kommen würde. Aber die 70 Besucher waren bereits ein Erfolg für uns», sagt Vereinspräsident Daniel Berger. Für den nächsten «Tag der offenen Bienenhäuser» am Samstag, 1. Juni, erhofft er sich vor allem besseres Wetter, wodurch der Verein die 100-Besucher-Marke knacken könnte. Auch versichert Sohn Berger, dass dieser nicht der Letzte sein wird. «Ich gehe davon aus, dass wir alle zwei Jahre solche ‹Tage der offenen Bienenhäuser› veranstalten werden.» Die Imker wollen sich zeigen: «Wir möchten für die Bevölkerung da sein.»