Finanzausgleich heisst das Zauberwort, welches dem Thal in den nächsten Jahren helfen soll. Die Steuern sollen runter, so das mittel- und langfristige Ziel des Kantons. Aus einem für 2017 mit 62,3 Millionen Franken dotierten Geldtopf wird den steuerkraftschwächeren Gemeinden im Kanton unter die Arme gegriffen.

Ins Thal fliessen voraussichtlich mit 11,3 Millionen Franken über 18 Prozent der gesamten Summe. Voraussichtlich deshalb, weil der Kanton die konkreten Zahlen erst 2017 bekannt geben wird, doch die Werte sind bereits in die Budgets der Gemeinden geflossen.

Damit bezieht das Thal pro Einwohner am meisten Gelder aller Bezirke im Kanton. Mit 739 Franken pro Einwohner liegen die Bezüge des Thals um gut 300 Franken höher als im Bezirk Thierstein, dem zweithöchsten Nehmerbezirk.

Die Einführung des neuen Finanzausgleichs auf dieses Jahr hin liess vor allem die ärmeren Gemeinden jubeln. Sie sollen in Zukunft von grösseren Lasten- und Ressourcenausgleichen profitieren können. Doch wofür sollen die Gelder überhaupt genutzt werden: «Der Kanton erwartet, dass das Geld vornehmlich zur Senkung der Steuern gebraucht wird», sagt Thomas Steiner vom kantonalen Amt für Gemeinden.

Erste Steuersenkungen wurden für das nächste Jahr in Holderbank, Welschenrohr und Mümliswil-Ramiswil umgesetzt. In Aedermannsdorf und Herbetswil, wo in den letzten Jahren die Steuerbelastung verringert wurde, gibt man sich vorsichtig, was weitere Steuersenkungen anbelangt.

Beiträge aus dem kantonalen Finanzausgleich

Mehr Geld wird folgen

In den nächsten Jahren soll der Beitrag, welcher ins Thal fliesst, noch steigen. Steiner geht davon aus, dass nach 2019 12 Millionen Franken in die Thaler Gemeinden fliessen werden. Dies nachdem die Härtefallklausel ausgelaufen ist.

Die Klausel wurde eingeführt, damit bei der Einführung des neuen Finanzausgleichs vor allem die Gebergemeinden nicht von heute auf morgen erheblich mehr in den Ausgleichstopf zahlen müssen. Das vornehmliche Ziel des Kantons ist es, dass die Unterschiede in den Steuersätzen sich angleichen. «Mittelfristig sollten alle Thaler Gemeinden im Band von 120 bis 130 Steuerprozent oder drunter liegen», sagt Steiner. Momentan ist dies in Holderbank, Herbetswil und Matzendorf noch nicht der Fall.

Der neue Finanzausgleich ist aufgeteilt in Ressourcen- und Lastenausgleich. Im Falle des Thals fliessen, neben den Geldern aus dem Ressourcenausgleich, vor allem solche aus dem geografisch-topografischen Lastenausgleich. Dieser Topf, 2017 mit 10 Millionen Franken dotiert, begünstigt ländliche Gemeinden, welche mit erschwerten Bedingungen aufgrund ihrer geografischen Lage zu kämpfen haben.

Aus diesem Topf wird mit 3,7 Millionen Franken über ein Drittel der gesamten Gelder ins Thal fliessen. Der Rest des Ausgleichs für den Bezirk stammt vornehmlich aus dem Ressourcenausgleich. Diesen Topf finanzieren die reicheren Gemeinden, welche über dem kantonalen Mittel der Steuerkraft liegen, mit 40 Prozent ihres Überschusses.

Zudem garantiert der Kanton, dass die ärmeren Gemeinden mindestens 92 Prozent dieses Durchschnittswerts an Steuerkraft erreichen. Im Thal liegen alle Gemeinden unter dem kantonalen Durchschnitt. Balsthal hat mit 82 Prozent an Steuerkraft noch den höchsten Wert. Alle anderen Gemeinden liegen im Bereich zwischen 57,6 (Herbetswil) und 68,8 Prozent (Holderbank).

Der Kanton berechnet die Zahlungen und Beiträge für den Finanzausgleich 2017 aufgrund des Steueraufkommens in den Jahren 2013/2014. Ein Vergleich zeigt, dass die Thaler Gemeinden bis zu fast 80 Prozent ihres eigenen Steuerertrags aus dem Finanzausgleich bekommen. In Herbetswil liegt dieser Wert bei 78 Prozent, in Welschenrohr stieg er von 66 Prozent im Jahr 2016 auf 75 Prozent.

Beiträge aus dem Finanzausgleich in Prozent des Staatssteueraufkommens

Das Thal, der grosse Profiteur

Deutlich mehr als noch 2016 soll Balsthal im nächsten Jahr erhalten. Mit 1,95 Mio. Franken sind dies rund 380 000 Franken mehr aus dem kantonalen Ausgleich. Doch im Vergleich mit dem Gesamtertrag, welcher die Gemeinde im Budget 2017 ausweist, ist der Anteil mit 6,7 Prozent mit Abstand am tiefsten aller Thaler Gemeinden.

Auch im Verhältnis zum Steueraufkommen ist der Wert tief, jedoch ansteigend: 2016 waren es noch 11,3 Prozent, 2017 werden es über 14 Prozent sein. Nach Mümliswil-Ramiswil fliessen mit 2,88 Millionen Franken am meisten Gelder aus dem Finanzausgleich. In Prozent des Steueraufkommens liegt der Wert jedoch nur noch bei 64,4 Prozent.

«Ja, das Thal ist Nutzniesser des neuen Finanzausgleichs», sagt Thomas Steiner. Dies ist im Sinne der Architekten des neuen Finanzausgleichs. Mit den Steuersenkungen wird das Thal für Investoren aller Art attraktiver werden, und mittel- sowie langfristig profitieren können.