«Ich wurde von der Gemeinde Mümliswil-Ramiswil angefragt, das 100-jährige Gedenken an die Explosionskatastrophe der Kammfabrik in Mümliswil musikalisch zu begleiten.» Das sagt Andreas Spörri, Leiter der Classionata Mümliswil und weit gereister Dirigent mit aargauischen Wurzeln. In einem emotional bewegenden Konzertprogramm stellt Spörri Johann Sebastian Bachs Partita in d-Moll an den Anfang. «Damit soll die Individualität jedes Einzelnen der 32 Opfer der Explosionskatastrophe hervorgehoben werden», sagt Spörri.

Die junge Violinistin Noëlle Grüebler wird mit diesem Werk den Gedenkkonzert-Abend eröffnen. Es folgt das allseits bekannte Adagio in g-Moll von Tomaso Albinoni. «Hier setzt das 32-köpfige Orchester ein», so Spörri, «welches die damaligen Opfer versinnbildlichen. Mit jedem Instrument bekommt jedes auch eine Stimme.» Danach folgt eine Zeit des Verstummens, nämlich dann, wenn die Namen der 32 Opfer aufgerufen werden, was jeweils von einem Glockenschlag begleitet wird. «Das Andenken an die Verstorbenen und deren Angehörige bleiben in unserem Gedächtnis und leben weiter», so Spörri.

Es folgt Wolfgang Amadeus Mozarts «Requiem», eines der ergreifendsten Werke der Musikgeschichte, welches Mozart noch in seinem Todesjahr komponierte und nicht mehr ganz vollenden konnte.

Warum gerade dieses Werk? Spörri sagt dazu: «Mozarts ‹Requiem› verbindet die Musik mit der Seele des Menschen. Der Chor und die vier Solisten deuten auf die Gemeinschaft, in welcher die Angehörigen der Verstorbenen bis heute getragen werden. Ihre Körper sind vergangen, ihre Seelen aber leben weiter. Mozarts ‹Requiem› hat als Musikstück selbst eine geheimnisvolle, bis heute nicht ganz geklärte Geschichte. Zudem war Mozart, als er mit 35 Jahren starb, etwa im gleichen Alter wie viele der Explosionsopfer von Mümliswil. Es gibt also einige Anknüpfungspunkte.»

Spörri, der im Frühling in Mümliswil eine erfolgreiche Classionata über die Bühne bringen konnte, wird nach den Gedenkkonzerten bald in Kairo auftreten, wo er als ständiger Gast-Dirigent des Kairo-Symphonie-Orchesters Beethovens 9. Sinfonie dirigieren wird. Zwei- bis fünfmal pro Jahr reise er nach Ägypten, erzählt er. Momentan sei die Lage für westliche Kultur wieder gut.

Noch ein Wort zur Konzertmeisterin des Classionata Symphonic Orchesters, der Solo-Violinistin Noëlle Grüebler. Sie stehe am Anfang einer internationalen Karriere, weist Spörri begeistert hin. Er habe sie im Jahr 2011 als Konzertmeisterin für die Classionata gewinnen können, und seither habe sie mehrere internationale Preise erhalten.

Das Classionata Symphonic Orchester bestehe aus jungen musikalischen Talenten und erfahrenen Berufsmusikern aus der Schweiz und dem benachbarten Ausland, so der Dirigent. Der ausführende Buchsgauer Kammerchor braucht nicht mehr vorgestellt zu werden. Seit 2011 steht er unter der Leitung des Neuendörfers Tobias von Arb, der die hochstehende Qualität dieses Klangkörpers seit der Gründung vor 33 Jahren durch seinen Vater Paul von Arb garantiert.

Als Solisten treten auf: Marion Ammann, Sopran; Violetta Radomirska, Mezzosopran; Sebastian Lipp, Tenor, und Martin Snell, Bass. «Ich freue mich jedes Mal auf die Konzerte in der Mümliswiler Kirche», so Andreas Spörri und erzählt, wie er vor vielen Jahren mit der Camerata St. Petersburg «so nebenbei» zum ersten Mal dort ein Konzert durchführen konnte und von der Akustik des Kirchenraumes überwältigt war.