Aedermannsdorf
Bergschule Brunnersberg wird nicht weitergeführt

Mit Aedermannsdorf hat sich die erste der vier Trägergemeinden gegen die Weiterführung der Bergschule entschieden. Laut diverser Gutachten sei es nicht mehr möglich die geforderten Qualitätsstandarts zu erreichen. Der Entscheid war längst fällig.

Alois Winiger
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Bergschule Brunnersberg: Das Haus steht auf Matzendörfer Boden, zuständig für Schulleitung sowie Post ist Mümliswil.

Bergschule Brunnersberg: Das Haus steht auf Matzendörfer Boden, zuständig für Schulleitung sowie Post ist Mümliswil.

Josef Tschan

«Es ist wirklich schon längst alles gesagt», meinte Gemeindepräsident Bruno Born in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend in Aedermannsdorf. «Wir können also zur Abstimmung schreiten.» Dem Antrag, den die Präsidenten der vier Trägergemeinden Aedermannsdorf, Laupersdorf, Matzendorf und Mümliswil-Ramiswil gemeinsam stellten, wurde einhellig verabschiedet: «Die Bergschule Brunnersberg wird nicht weitergeführt, die Aufhebung erfolgt auf den 31. Juli 2014.»

Noch einmal ein Gutachten

Die Gemeinderätinnen und -räte stützten sich bei ihrem Entscheid auf die Ergebnisse mehrerer Gutachten. Die zentrale Frage lautete jeweils: «Ist es heute und in Zukunft noch möglich, in der Bergschule Brunnersberg (Kindergarten bis 6. Klasse) aus pädagogischer Sicht, unter Berücksichtigung der Reformen wie Frühfranzösisch, Frühenglisch, Integration, obligatorischer Kindergarten usw. die Qualitätsstandards, wie sie heute gefordert werden, zu erreichen?» Die Antwort bei allen Analysen lautete: «Es ist nicht möglich.»

Ein Gutachten kam vom Bildungsdepartement des Kantons Aargau, ein weiteres vom Amt für Volksschule und Kindergarten des Kantons Solothurn. Das dritte und neueste nun stammt von der für die Bergschule zuständigen Schulleiterin Cécile Kamer. Ihre Stellungnahme war mehrfach gefordert worden, doch seitens der Leitgemeinde wurde dies vorerst abgelehnt; man wollte die Leiterin nicht in einen politisch heiklen Prozess verwickeln. Dass sie nun doch zu Wort kam, wurde in der Ratssitzung von Aedermannsdorf sehr lobend erwähnt.

Chancengleichheit nicht erfüllt

Cécile Kamer weist in ihrer Analyse darauf hin, dass die Chancengleichheit der Kinder zwischen der Schule auf dem Berg und jener im Thal nicht gewährleistet ist. Allen Lernenden müssten ein vergleichbares Unterrichtsangebot und qualitativ vergleichbare Lernbedingungen zustehen. Konkret: Der Kindergarten müsste als separate Gruppe geführt werden, was aber nur zur Hälfte möglich sei. Ferner zeichne es sich ab, dass in den nächsten Jahren im Kindergarten keine altersgemischte Gruppe mehr gebildet werden kann.

In Frühfranzösisch und -englisch müssen die Schüler mit einem Minimum an Lektionen auskommen. Zudem müsse eine externe Fachperson eine hohe Bereitschaft aufbringen, für diese Lektionen zweimal wöchentlich auf den Brunnersberg zu fahren – dies ohne Wegentschädigung.

Gleiches zeigt sich in Bezug auf Logopädie sowie die spezielle Förderung. Hinzu kommt, wie Cécile Kamer in ihrem Bericht schreibt, dass im Kanton ohnehin schon Knappheit an Heilpädagogen herrsche. Probleme gibts auch beim Werkunterricht: «Die Werkraumgrösse ist nicht geeignet für eine Gruppe von elf Schülerinnen und Schüler.»

Selbstverständlich wurden in der Sitzung in Aedermannsdorf auch die Finanzen betrachtet. Jedoch in aller Kürze, denn alle waren sich darin einig, dass diese nicht im Vordergrund stünden.

Es wird so oder so kritisiert

Im Wesentlichen stimmen also alle drei Gutachten überein. Der Grossteil der Ratsmitglieder der Trägergemeinden hält sie für einleuchtend. Nicht aber die Befürworter der Bergschule. Ein Gemeinderat meinte dazu: «Wir können noch ein Dutzend Gutachten vorlegen, die Anhänger der Schule akzeptieren keines.»

Seit mehreren Jahren nun wird um die Zukunft der einzigen Bergschule im Kanton Solothurn gerungen. Ein Entscheid war längst fällig, aber keine Gemeinde wollte dabei die erste sein. Um sich Luft zu verschaffen, kündigten die Gemeinden schon mal den Vertrag mit der Bergschule. Nun gingen die Gemeindepräsidenten voran und formulierten einen Antrag – mitunterzeichnet von Schulleiterin Cécile Kamer – über den die Gemeinderäte zu entscheiden haben. Eine zusätzliche Abstimmung an der Gemeindeversammlung sei übrigens nicht nötig, erklärt Bruno Born, das habe man beim kantonalen Amt abgeklärt. Das klare Resultat von Aedermannsdorf kommt einem Signal gleich. Empfänger sind die Gemeinderäte in Matzendorf, Mümliswil-Ramiswil und Laupersdorf. Sie sind innerhalb von gut zwei Wochen in dieser Reihenfolge daran, zu entscheiden über Sein oder Nichtsein der Bergschule Brunnersberg. Auch in diesen Gemeinden dürfte – mit einer Ausnahme vielleicht – der eingangs erwähnte Satz zutreffen.