Anpassungen der Gemeindeordnung (GO) und der Dienst- und Gehaltsordnung (DGO) sind wichtig, meist aber unspektakulär oder einfach langweilig. Nicht so in Balsthal, wo den Änderungen mit Blick auf die Nachfolge von Gemeindepräsident Roland Stampfli eine besondere Bedeutung zukommt. Konkret geht es dabei darum, ob das Pensum für das Gemeindepräsidium von aktuell 50 Prozent angehoben werden soll. Mit einer solchen Anhebung könnte das Kandidatenfeld erweitert werden.

Eine Tür öffnen würde sich damit für Oberamtvorsteher Stephan Berger. Er hatte eine Kandidatur für die CVP in Aussicht gestellt, wenn das Pensum auf 70 bis 80 Prozent angehoben würde. Für Berger ist die Anhebung deshalb so wichtig, weil er bei einer allfälligen Wahl zum neuen Gemeindepräsidenten sein Amt als Vorsteher des Oberamtes Thal-Gäu abgeben müsste. Sonst wäre er gemäss geltendem Gemeindegesetz gar nicht wählbar.

«Kein Handlungsbedarf»

Inzwischen stellt sich die Frage, ob Berger überhaupt zur Wahl antreten wird. Seine Hoffnung auf eine Erhöhung des Pensums hat sich nach der letzten Gemeinderatssitzung zerschlagen. Die für die Teilrevision der GO und DGO vom Gemeinderat eingesetzte Arbeitsgruppe kam zum Schluss, dass beim Gemeindepräsidium kein Handlungsbedarf besteht. Die jährliche Entschädigung von 87'000 Franken und das Pensum von 50 Prozent würden in die Gesamtorganisation der Einwohnergemeinde passen, lautete der Tenor.

Dieser Entscheid löst bei Berger keine Freude aus. «Ich bedauere das sehr», sagt er, bekräftig aber gleichzeitig, dass er sich nicht aus dem Rennen um das Gemeindepräsidium zurückziehen wolle. «Ich hatte sehr viele positive Reaktionen wegen meiner Absichtserklärung, Gemeindepräsident werden zu wollen.» Er werde nun mit seiner Familie die Situation analysieren, um abzuwägen, ob eine Kandidatur unter diesen Voraussetzungen realistisch sei.

Das letzte Wort werde aber die CVP-Parteiversammlung haben. Sie werde entscheiden, ob er, Parteipräsident Pierino Menna oder ein anderer Kandidat für das Gemeindepräsidium aufgestellt werde. Keine Aussage zur parteiinternen Situation machen wollte Menna. Die CVP werde noch dieses Jahr Position beziehen.

Enzo Cessotto signalisiert Interesse

Bedeckt hält sich bezüglich einer allfälligen Kandidatur als Gemeindepräsident auch Enzo Cessotto. Allerdings würde ihm ein 50-Prozent-Pensum mit Blick auf seine berufliche Tätigkeit eher entgegenkommen, wie der 57-jährige als Inhaber eines Architekturbüros erwähnt. «Das Interesse ist da, ich könnte mir eine Kandidatur vorstellen», bemerkt Cessotto.

Entschieden sei aber noch nichts. Zudem habe er sich mit seiner Partei, der FDP, darüber auch noch nicht unterhalten. Bei ihr liege letztlich der Entscheid, ob er als Kandidat infrage komme.

Fabian Müller «fast» draussen

«Eine Kandidatur drängt sich für mich nicht auf», sagt Fabian Müller von der SP. Seine Arbeit mit einem 70-Prozent-Pensum als Leiter von Casa Fidelio, einer Institution für suchtmittelabhängige Männer in Niederbuchsiten, fülle ihn gut aus.

Endgültig aus dem Rennen wollte sich der 37-jährige Gemeinderat aber dann doch nicht nehmen. «Ich möchte mir alle Optionen offenlassen, auch eine mögliche Kandidatur», so Müller.