Oensingen
Bereits 26 Einsprachen: Geplanter Sex-Klub stösst auf Widerstand

In der Halle der Brunner Transport AG in Oensingen will ein Freizeit-Klub erotische Dienstleistungen anbieten. Gegen das Projekt gibt es Widerstand: Auf der Baukommission wurden bereits 26 Einsprachen eingereicht.

Erwin von Arb
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Bruno Kissling

Anfang März sollte in der Gewerbehalle der ehemaligen Brunner Transport AG an der Hirsackerstrasse 26 in Oensingen noch eine Hundesportanlage eingebaut werden. Obwohl die Gemeinde das Baugesuch für die Umnutzung der Halle bewilligt hatte, wurde das Projekt wieder verworfen und an seiner Stelle ein neues Gesuch für die Umnutzung der Halle als Erotik-Center eingereicht.

Als Grund für die Aufgabe der Hundesportanlage nannte Hallenbesitzer Thomas Brunner das zu hohe finanzielle Risiko bei diesem Projekt.

Erlebniswelt für Club-Besucher

Dass nun ein Erotik-Klub in die Halle einziehen soll, findet Brunner nicht abwegig, zumal rund zwei Drittel des Lagergebäudes nicht mehr für den Betrieb der Firma benötigt werden. Deshalb sei er mit Gregor Abegg von der Abeca Media SA aus Zürich übereingekommen, ihm 900 der insgesamt 1400 Quadratmeter grossen Fläche für den Betrieb des Klubs als Mietobjekt zur Verfügung zu stellen.

Im seit Ende August aufliegenden Baugesuch ist von einer Erlebniswelt die Rede mit Garderoben, Nasszonen, Sauna, Jacuzzi, Bar Lounges, Partyräumen, Zimmern und diversen Unterhaltungsmöglichkeiten, die den Gästen zur Verfügung stehen.

Als Zielpublikum hat die Abeca Media SA «ausgesuchte, gepflegte und niveauvolle Gäste» im Visier. Im Klub sollen selbstständig erwerbende Damen mit Wohnsitz in der Schweiz erotische Dienstleistungen anbieten. Die Frauen sollen sich nur während ihrer Tätigkeit im Gebäude befinden.

Gemäss Projektbeschrieb werden die Gäste jeweils nur etwa drei Stunden, so lange dauern die angebotenen Partys, im Klub verweilen. Eintrittspreis für eine Party: 270 Franken.

Lärm soll sich in Grenzen halten

Als Öffnungszeiten vorgesehen sind jeweils: Montag bis Donnerstag von 12 bis 01 Uhr, Freitag und Samstag von 12 bis 03 Uhr und am Sonntag von 12 bis 23 Uhr. Die meisten Partys werden zwischen 12 und 19 Uhr stattfinden.

Der Betreiber des Klubs verspricht einen ruhigen und kontrollierten Betrieb. Weil keine echte Gastronomie betrieben werde, sei auch keine Lärmbelästigung wie bei Discos, Kontaktbars oder Nachtklubs zu erwarten.

In Grenzen hält sich nach Angaben der Projektverfasser auch das Verkehrsaufkommen durch den Klub, bei dem täglich mit 20 bis 50 Gästen gerechnet wird. Weil erwartungsgemäss auch einige Klub-Besucher mit öV via dem nahen Bahnhof anreisten, sei von 20 bis 45 Fahrzeugen auszugehen, für welche auf dem Areal ausreichend Platz vorhanden sei.

Bislang 26 Einsprachen

Die geplante Umnutzung der in der Gewerbezone liegenden Halle sei aus seiner Sicht an diesem in der Gewerbezone liegenden Standort verträglich, findet Vermieter Brunner. Weil sich der Siedlungsraum aber nur etwa 100 Meter nördlich davon befindet, rechnet er mit einigem Widerstand gegen das Projekt.

Damit liegt Brunner richtig, wie auf der Oensinger Bauverwaltung zu erfahren war. Bis gestern Donnerstag wurden insgesamt 26 Einsprachen gegen das Projekt gezählt. Weil die Einsprachefrist heute Freitag abläuft, steht die Zahl der Einsprachen erst Ende Woche fest.

Widerstand gegen den Erotik-Klub formierte sich auch im Internet mit der von Raphael Geiser auf Facebook gegründeten IG-Oensingen West. Der ehemalige Gemeinderat und CVP-Parteipräsident rief im Netz öffentlich dazu auf, die Beschwerde der IG gegen das geplante Erotik-Center mit einer Unterschrift zu unterstützen.

Geiser begründet die Haltung der IG mit der Nähe des Siedlungsgebietes, dem Mehrverkehr, den Öffnungszeiten, der Lärmbelastung und der möglichen Wertverminderung der angrenzenden Liegenschaften. Geiser spricht von fast 100 Unterschriften, die bisher auf Unterschriftenbögen gezählt wurden. Diese will er heute der Gemeinde übergeben.

«Vor allem moralische Bedenken»

Vom Widerstand nur mässig überrascht zeigt sich Gregor Abegg von der Abeca Media SA. «Damit war zu rechnen, einfach weil es sich um einen Erotikbetrieb handelt.» Vom Club werde die Umgebung kaum etwas mitbekommen, zumal sich dieser hinter dem Siedlungsgebiet an einer Sackgasse befinde. Es gebe also keinen Durchgangsverkehr, und die Strasse diene auch nicht als Schulweg.

Die Bedenken der Einsprecher seien nachvollziehbar, gründeten aber vor allem auf moralischem Gedankengut. Dieses Gewerbe sei aber legal und zahle wie andere Unternehmen auch Steuern. Im Kanton Solothurn brauche es seit 2017 eine Bewilligung für den Betrieb eines solchen Geschäfts.

Das er eine solche für den Klub an der Hirsackerstrasse bekomme, stehe für ihn ausser Frage, schliesslich handle es sich dabei um einen sauber von Schweizern mit Schweizer Frauen geführten Betrieb. «Wir haben nichts zu verbergen.» Bis zur Bewilligung des Baugesuchs will Abegg keine Auskünfte über den weiteren Fahrplan des Projekts machen.

Andreas Affolter, Leiter Bau, erklärt auf Anfrage, dass die vorgesehene Umnutzung der Halle als Erotik-Center den Richtlinien in der Gewerbezone nicht widerspreche. «Sonst hätten wir die Auflage gar nicht gemacht.»

Nicht begeistert reagiert Gemeindepräsident Fabian Gloor auf das geplante Erotik-Center am westlichen Dorfrand. Entscheiden müsse aber abschliessend die Baukommission, ob das Projekt so bewilligt werden könne.