Walterswil
Belastetes Deponiewasser soll in Sickerleitung gesammelt werden

Der Schöpflerbach muss geschützt werden vor dem Wasser aus der Deponie Rothacker, welches durch den Boden diffundiert und so in den Bach gelangt. Eine Sickerleitung, die im Wald nördlich des Gewässers verlegt werden soll, sollte Abhilfe schaffen.

Beat Wyttenbach
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Im Waldstück nördlich des Schöpflerbaches (linke Bildhälfte, vorne) soll der Graben ausgehoben und die Sickerleitung verlegt werden.

Im Waldstück nördlich des Schöpflerbaches (linke Bildhälfte, vorne) soll der Graben ausgehoben und die Sickerleitung verlegt werden.

Beat Wyttenbach

Zugegeben: Mit der Bezeichnung «Bach» tut man dem Walterswiler Schöpflerbach etwas gar viel Ehre an, handelt es sich doch bloss um ein wenige Zentimeter breites Rinnsal. Aber der Bach verläuft südlich der Deponie Rothacker, welche belastet ist und saniert werden muss (wir berichteten mehrfach). Und der Schöpflerbach ist ebenfalls belastet mit Stoffen wie Nitrat, Nitrit, Nickel, Zink oder Ammonium, dessen Konzentration bis zu zehnmal so hoch sein kann, wie es der Grenzwert erlaubt.

Dies ergibt eine technische Untersuchung, die im Jahr 2011 in Auftrag gegeben und bis Ende 2012 vom Büro Dr. von Moos AG, Geotechnisches Büro in Zürich, erstellt wurde. Das Gutachten kommt zum Schluss, dass vor allem bei Hochwasserstand und nach ergiebigen Niederschlägen besagte Schadstoffe durch den Boden in den Schöpflerbach hinein diffundieren. «Im Rahmen der Sanierung der Deponie Rothacker ist es das Ziel, dass keine Schadstoffe mehr in den Schöpflerbach gelangen», ist dem Gutachten zu entnehmen.

«Renaturierung macht nicht Sinn»

Im Rahmen der Sanierung wurden zwei Varianten geprüft. Variante 1 hätte vorgesehen, eine Sickerwasserleitung unter dem Schöpflerbach zu erstellen. Damit verbunden wäre eine Renaturierung des Gewässers (Mäandrierungen, Senkungen) gewesen. Gemäss einem weiteren Gutachten der Aquarius Fischerei- und Umweltbiologie, Schnottwil, hätte dies aber keinen Sinn ergeben, da der Bach nicht immer Wasser führe, kein Fischgewässer sei und auch keine seltenen Benthosarten enthalte (Benthos ist laut Wikipedia die Gesamtheit aller in der Bodenzone eines Gewässers, dem Benthal, vorkommenden Lebewesen, Anmerkung der Redaktion).

Gemäss Christoph Dietschi, dem Leiter der Fachstelle Gewässernutzung beim Amt für Umwelt (AfU), wäre diese Variante auch aus Sicht Wasserbau «plus/minus nicht bewilligungsfähig».

Variante 2 hingegen sieht vor, im Wald hangsseits des Schöpflerbachs auf einer Länge von rund 150 Metern einen drei bis dreieinhalb Meter tiefen Graben auszuheben und darin eine Sickerleitung zu verlegen. Diese soll auf der ganzen Länge tiefer als die Sohle des Schöpflerbaches zu liegen kommen. Die gegen den Bach gelegenen Grabwände würden abgedichtet und der Graben mit Sickerkies und Geröll aufgefüllt.

Diese Sickerleitung soll alles belastete Hangsickerwasser sowie das Grundwasser fassen, welches bislang unkontrolliert wegsickerte und zum Teil in den Schöpflerbach gelangte. Das so gefasste Wasser würde dann zusammen mit dem Wasser von zwei Hangdrainagen dem bestehenden Kontrollschacht zugeführt und anschliessend in die Kanalisation geleitet.

Projekt liegt auf

Folgerichtig kommt im Zuge der Sanierungsarbeiten ein weiteres Gutachten der Dr. Heinrich Jäckli AG, Zürich, zum Schluss, dass Variante 2 ausgeführt werden soll. Das daraus resultierende Bauprojekt liegt seit Freitag während 30 Tagen auf der Gemeindeverwaltung Walterswil auf und kann zu den ordentlichen Öffnungszeiten (Homepage: www.walterswil.ch) eingesehen werden.

In dieser Zeit können Einsprachen erhoben werden. Das Amt für Umwelt, welches das Gutachten zusammen mit der Deponiebetreiberin, der Deponie Rotacker AG mit Sitz in Buchs AG, in Auftrag gab, werde Stellung beziehen, «wenn es denn nötig ist», wie Martin Brehmer, Leiter Abteilung Boden beim AfU, auf Anfrage erklärte.

Zum Zeitplan erläuterte Markus Müller, Geschäftsführer der Deponie Rotacker AG, dass derzeit das Submissionsverfahren laufe. «Wenn keine Einsprachen eingehen und der Kanton das Baugesuch ebenfalls bewilligt hat, könnte im Spätherbst oder im Winter 2013/14 mit den Arbeiten begonnen werden». Wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden, dazu konnte Müller nichts sagen. «Es hängt davon ab, ob wir auf felsigen Untergrund treffen oder nicht».

Felsiger Untergrund würde die Baukosten verteuern. Deshalb könne man zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nichts zu den Kosten selber sagen. «Das ist noch zu früh», meinte der Geschäftsführer.